Wissen teilen Chancen nutzen – der 28. Deutsche Krebskongress

Der Kongresspräsident: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Manfred Kaufmann

Die Deutsche Krebsgesellschaft erwartet über 7.000 Experten zum 28. Deutschen Krebskongress vom 20. bis 23. Februar 2008 in Berlin. Das Motto des größten Deutschen Kongress über Krebserkrankungen, der alle zwei Jahre stattfindet, ist dieses Mal „Wissen teilen – Chancen nutzen“. Auf der Auftaktpressekonferenz wurden heute die Themen vorgestellt und wie die Entwicklung in der Zukunft für die Diagnostik und Therapie von Krebs aussieht. Außerdem wurden die neuesten Daten der Krebsregister in Deutschland vom Robert-Koch-Institut dargelegt.

Immer mehr Krebskranke in Deutschland

Berlin. Die heute veröffentlichten Zahlen des Robert Koch-Instituts sind alarmierend – jährlich erkranken in Deutschland etwa 436.000 Menschen neu an Krebs, 208.000 sterben daran. Dies geht aus der aktuellen Schätzung des Instituts für das Jahr 2004 hervor. Gegenüber der letzten Schätzung für das Jahr 2002 hat damit die Zahl der Krebsdiagnosen um rund 11.000 zugenommen. Für Deutschland heißt das, dass nahezu jede Minute die Diagnose Krebs gestellt wird – genau 50mal in der Stunde.

„Wir müssen verantwortungsbewusst und gemeinsam handeln, um adäquat auf die Herausforderungen vorbereitet zu sein, die mit der Zunahme an Krebserkrankungen insbesondere bei alten Menschen verbunden ist“, erklärt Prof. Michael Bamberg, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.
„Obwohl die Überlebensraten für viele Tumorarten sich in den letzten Jahren erheblich verbessert haben, werden schon auf Grund der sich veränderten Altersstruktur der Bevölkerung die Krebserkrankungen weiter zunehmen^, so der Tübinger Klinikdirektor weiter. Um die Weichen für die Zukunft zu stellen, werden auf dem morgen beginnenden 28. Deutschen Krebskongress in Berlin, die Strukturen der Krebsversorgung in Deutschland auf den Prüfstand gesteIlt.

„Ziel muss es sein, wichtige Anreize zu schaffen, um Menschen zu Verantwortung für den eigenen Körper zu bewegen und Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen zu modernisieren“, sagt| Bamberg. Eine wichtige Rolle bei der Modernisierung spielt , die Etablierung zertifizierter Organkrebszentren. Derzeit gibt es bereits 163 Brustkrebszentren, 42 Darmkrebszentren und die ersten 12 Prostatakrebszentren erhalten am 20. Februar zur Eröffnung des Krebskongresses das Gütesiegel.

Auf dem größten onkologischen Forum im deutschsprachigen Raum mit als 7.000 Teilnehmern werden Vertreter aus Medizin, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit den neuesten Kenntnisstand in der Onkologie, aktuelle Trends und Perspektiven der Krebsbekämpfung und vor allem auch die Strukturen zur Versorgung an Krebs erkrankter Menschen diskutieren. „Die Krebstherapie wird immer individueller und gezielter, so dass Patienten immer weniger mit Nebenwirkungen zu kämpfen haben“, erklärt Prof. Manfred Kaufmann, Kongresspräsident des 28. Deutschen Krebskongresses. Bessere Diagnostik und Früherkennung, genauere Operationsmethoden und zielgerichtete Medikamente ermöglichen etwa bei Brustkrebs heute Heilungsraten von bis zu 80 Prozent. Unter dem Motto „Wissen teilen Chancen nutzen“ werden an vier Tagen fast 1.000 Referenten aus dem In- und Ausland über Fortschritte berichten. „Krebs ist eine Volkskrankheit und jeder Einzelne wird sich in seinem Leben mit der Krankheit konfrontiert sehen, in der Familie, im Freundeskreis oder im Arbeitsumfeld“, weiß Prof. Bamberg und fordert den Schulterschluss zwischen Patienten, Ärzten und politisch Verantwortlichen bei der Tumorbekämpfung.

Wissen teilen Chancen nutzen

Der Kongresspräsident: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Manfred KaufmannDie Erwartungen an den diesjährigen Kongress sind groß: in Berlin werden neben den erhöhten Anforderungen an die Interdisziplinarität besonders neue Diagnoseverfahren und aktuelle Ergebnisse innovativer Therapieprinzipien diskutiert. Im Bereich der Grundlagenforschung werden neueste, zum Teil unpublizierte Daten vorgestellt. Gleiches gilt für den Bereich der Klinischen Forschung, wo ebenfalls aktuellste Daten präsentiert werden.

Darüber hinaus ist der Kongress natürlich ein wichtiges politisches Forum, das sich in den letzten Jahren mit einem internationalen Sprecherfeld etabliert hat.

Das Kongressprogramm beinhaltet eine große Vielfalt aus wissenschaftlichen Symposien und Weiterbildungsveranstaltungen, die alle Bereiche der O­nkologie abdecken.

Das Programm orientiert sich am klinischen Alltag und wird die fünf Haupttumorarten verhandeln, denen aufgrund ihrer Inzidenz besondere Aufmerksamkeit zukommen wird. Hierbei handelt es sich um Brustkrebs, Prostatakrebs, Hautkrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs.

Neue Perspektiven in der Tumordiagnostik eröffnet z.B. das Feld| der molekularen Pathologie. Durch die Kombination konventioneller Verfahren mit der gleichzeitigen mikroskopischen Analyse spezifischer Genprodukte kann die Aussagekraft feingeweblicher Untersuchungen erheblich verbessert werden. In Zukunft werden solche Untersuchungen zur individualisierten Therapieplanung angestrebt.

Im Bereich der Therapieverfahren gibt es ebenfalls Neuigkeiten:
Bei der antiangiogenetischen Therapie wird die Bildung neuer Tumorgefäße blockiert, was sich besonders in der Behandlung des weit fortgeschrittenen Dickdarmkrebses als deutliche Verbesserung erwiesen hat. Es besteht hier die berechtigte Hoffnung, dass die antiangiogenetische Therapie auch bei anderen Krebserkrankungen erfolgreich sein wird.

Darüber hinaus gibt es Fortschritte n der intensitätsmodulierten Radiotherapie zu verzeichnen. Hier ist es möglich geworden, höhere Dosen auf den Tumor zu applizieren und dadurch bessere Heilungsraten zu erzielen. Der große Vorteil dieses neuen Therapieverfahrens liegt in der erheblich besseren Schonung des, den Tumor umgebenen gesunden Gewebes, so dass deutlich weniger Nebenwirkungen auftreten. Alle aktuellen Ergebnisse und Probleme werden in Symposien und Fortbildungsveranstaltungen während des Krebskongresses dargestellt.

Das Wissen um die molekularen Vorgänge, die eine Zelle zu einer Tumofzelle entarten lassen, sind der Schlüssel für eine individuell angepasste Krebsbehandlung. So zielen moderne Krebstherapien und –medikamente auf die grundlegenden Ereignisse, die letztendlich an der Krebsentstehung beteiligt sind. Anders als bei bisherigen Standardmethoden wie etwa der Chemotherapie oder der Strahlentherapie richten sich viele neue Wirkstoffe gegen gezielt ausgewählte Angriffspunkte (Targets) des Tumors. Der Körper soll so vor belastenden Nebenwirkungen weitestgehend verschont bleiben. Fachleute bezeichnen die neuesten Krebstherapien daher auch als „Targeted Therapy“.

Nur durch eine sorgfältig intensivierte Grundlagenforschung und deren Ergebnisübertragung in die Klinik („from bench to bedside“) gelang es, Therapiefortschritte zu erzielen.
Darüber hinaus ist in Bezug auf die Entwicklung und Erprobung neuer Therapiesubstanzen eine Flut sogenannter biologicals zu beobachten, die bereits in bestehende Leitlinien eingepflegt wurden. Dennoch gewinnt man hierbei den Eindruck, dass therapeutisch mehr möglich erscheint, als das Wissen um die grundlegenden pathophysiologischen Hintergründe zulässt. Des Weiteren sind die Studienkonzepte häufig unselektiv. Die molekularbiologische Charakterisierung entsprechender geeigneter Studienkollektive fehlt weitestgehend, so dass zu befürchten ist, dass gute und effektive Substanzen mit einem negativen Studienergebnis behaftet sind, weil sie an ungeeigneten Patienten erprobt wurden.

Daraus ergibt sich die Forderung in verstärktem Umfang molekularbiologische Fragestellungen in die klinischen Studien einzubringen, d.h. keine Studie ohne translationale Fragestellung durchzuführen.

Neben der Präsentation neuer Therapiekonzepte spielen auch politische und gesellschaftliche Themen eine wichtige Rolle auf dem diesjährigen Krebskongress. Die immer älter werdende Bevölkerung und die höhere Tumorrate im Alter bringen neue Herausforderungen mit sich. Die Frage wie viel und welche Therapie für wen ist eng mit den Möglichkeiten der Therapie im Alter verknüpft. Dabei spielt die Biologie des Tumors ebenso eine Rolle wie das soziale Umfeld des Patienten, sind Kognition, Physiologie und Mobilität im Alter Themen, mit denen sich die geriatrische O­nkologie beschäftigen muss. Gleichzeitig sind ökonomische Aspekte zu beachten.

Eng verbunden mit der Frage der Wirksamkeit der modernen Therapien ist die Forderung nach einem flächendeckenden Krebsregister in Deutschland. Die neuen Therapien müssen langfristig ihre Wirksamkeit belegen und dies kann nur in den Krebsregistern dokumentiert werden.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Schwerpunkt liegt in diesem Jahr im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Wir müssen einen Dialog mit der Gesellschaft initiieren und besonders dem gesunden Teil der Bevölkerung Gesundheitsbewusstsein und Körperkompetenz vermitteln, um durch primäre oder sekundäre Prävention das Auftreten von Krebserkrankungen zu verhindern und die Heilungschancen zu erhöhen. Notwendig ist hierbei ein intensiver Austausch zwischen Medizin, Gesundheitspolitik und Gesellschaft, um der Herausforderung, vor die uns der Krebs stellt, gewachsen zu sein.

Zukünftige Versorgungsstrukturen für Krebspatienten

Organtumorzentren als Säulen moderner Krebsversorgung

Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft: Prof. Dr. med. Michael BambergWeltweit erkranken jährlich 10 Millionen Menschen an Krebs – Tendenz steigend. Die WHO rechnet im Jahr 2020 sogar mit 15 Millionen Neuerkrankungen. In Deutschland sind im Jahr 2004 allein 436.000 Menschen mit der Diagnose Krebs konfrontiert worden, rund 208.000 sind daran verstorben. Krebs ist eine Volkskrankheit. Jeder von uns ist direkt im Bekannten- oder Verwandtenkreis von der Krankheit betroffen. Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. möchte Krebs aus der Tabuzone befreien, zum zentralen Thema in unserer Gesellschaft machen und Betroffenen umfassende Informationen zukommen lassen.

Mit der Zunahme an Krebspatienten sind immer größere Herausforderungen an die Gesundheitspolitik und die Gesellschaft verbunden. Gerade vor dem Hintergrund der immer knapper werdenden Ressourcen im Gesundheitssystem müssen jetzt Strukturen geschaffen werden, die auch in Zukunft eine optimale Versorgung aller Patienten sicherstellen. Dazu gehört zwingend die Organisation einer geregelten Interdisziplinarität zwischen den o­nkologischen Fachdisziplinen und den niedergelassenen Vertragsärzten.

Gesundheitspolitisch ist Zentrumsbildung und deren Definition auf der Basjs qualitätsbezogener Daten die entscheidende Entwicklung, die uns auch in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Allerdings ist eine ausreiche Qualitätssicherung nur durch Erhebung entsprechender Daten möglich, Daher muss der Einführung eines nationalen Krebsregisters dringende Priorität eingeräumt werden. Erfreulicherweise wird die Richtigkeit dieser Forderung kaum angezweifelt.

Gegenwärtig entstehen in vielen Regionen unseres Landes Organtumorzentren, die beim Darm-, Prostata- und Lungenkrebs die Fachexperten der zuständigen Fachdisziplinen zur engen Kooperation verpflichten. Eines der wesentlichen Ziele von Organtumorzentren ist die Verbesserung der Qualität in der o­nkologischen Versorgung, die durch eine adäquate Diagnostik und eine sinnvolle Therapiereihenfolge erzielt werden soll. Hierfür bildet eine enge Informationskommunikation zwischen den Fachdisziplinen in Krankenhäusern untereinander und insbesondere mit den niedergelassenen Kollegen und Kolleginnen eine wesentliche Voraussetzung.

Die organbezogenen Tumorzentren bilden wichtige Säulen für die Etablierung o­nkologischer Zentren, die als regionale Anlaufstellen flächendeckend in Deutschland eine qualitativ hochwertige Versorgung der Krebspatienten sicherstellen sollen. Diese zweite Ebene der Versorgungsstruktur setzt sich aus mehreren Organtumorzentren zusammen. Über die organspezifischen Anforderungskataloge der „Organtumorzentren“ hinaus, sind weitere Ressourcen vorzuhalten, die organübergreifend organisiert und zentral gebündelt werden können. Dazu gehört die Tumordokumentation, die möglichst für die verschiedenen Tumorentitäten auf einer gemeinsamen Grundlage harmonisiert werden sollte.

Unverzichtbar für den medizinischen Fortschritt ist die Durchführung klinischer Studien, die ein entsprechendes Studienmanagement mit den dafür notwendigen Personalressourcen voraussetzen. In den Aufgabenbereich eines o­nkologischen Zentrums gehört also auch die fachübergreifende Aus- und Fortbildung von Ärztinnen und Ärzten, Pflegeteams einschließlich Studienassistenten, um den hohen Qualitätsstandard zu sichern und den aktuellen Kenntnisstand in der o­nkologie zu vermitteln.

Neben diesen Managementaufgaben prägen auch gemeinsame medizinische Aufgabenbereiche das o­nkologische Zentrum. Besonders im Vordergrund stehen die Palliativmedizin und die supportive Therapie wie Schmerzbehandlung, Transfusionsmedizin, Enährungs- und Physiotherapie, die ebenfalls fachübergreifend von der Leitung des o­nkologischen Zentrums organisiert werden können. Auch psychosoziale Versorgung einschließlich Rehabilitation und der Psychoonkologie stellen wichtige und durchaus zentral zu steuernde Behandlungsfelder dar. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch die medizinische Genetik in der Beratung von Betroffenen und den Angehörigen sowie eine Analyse generisch definierter Befunde.

Werden neben der klinischen Versorgung zusätzlich wissenschaftliche Projekte, insbesondere der grundlagenorientierten bzw. translationialen Forschung und deren klinische Anwendung verfolgt, entsprechen solche Verbünde der Definition eines Comprehensive-Cancer-Centers (CCC).

Mit dieser qualitätsgesicherten dreistufigen Organisationsstruktur soll die flächendeckende o­nkologische Versorgung in Deutschland gewährleistet werden. Durch die Zentrenbildung werden sich Synergien ergeben, die neben einer Optimierung der Patientenversorgung und einer Stärkung der interdisziplinären Kooperation auch ökonomisch sein werden. Voraussetzung dafür ist die selbstverständliche Integration aller direkt oder indirekt an der Behandlung der Tumorpatienten beteiligten Berufsgruppen.

Krebs-Patienten haben das Recht auf eine bestmögliche Versorgung, unabhängig von Wohnort, Alter und Versicherungsstatus. Die Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Krebskrankheiten sollte im Sinne der Versorgungsqualität nach einheitlichen Leitlinien ablaufen. Sie können wesentlich dazu beitragen, mehr Klarheit und Transparenz für Arzt und Patient zu schaffen und im vertrauensbildenden Dialog die Arzt-Patient-Kommunikation auf „gleicher Augenhöhe“ zu gestalten.

Tumorchirurgie 2020 – präziser, effizienter, aber anders

Präsident der Berliner Krebsgesellschaft: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Michael SchlagIn den nächsten zwei Dekaden werden sich die Vorgehensweise, die Technik und die Positionierung der chirurgischen Tumortherapie zunehmend ändern. Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit einem verbesserten tumorbiologischen Verständnis und damit einer an den molekularen Mechanismen der Krebsentstehung ausgerichteten Therapie. Begleitet wird diese Entwicklung durch Computer-basierte Modelle und Simulationen des Krankheitsprozesses (Systems-Biology) bzw. der Tumorausdehnung (Augmented Reality).

Hieraus resultiert sowohl eine verlässlichere Aussage, für welche Patientengruppen bzw. Subtypen von Tumoren, zu welchem Zeitpunkt ein chirurgischer Eingriff am Erfolg versprechendsten ist (Individualisierte Tumorchirurgie), als auch prinzipiell eine zielgenauere Eingriffplanung (Targeted Intervention). Letztere wird aber nicht nur durch eine größere Präzision und geringere Traumatisierung auf der Basis herkömmlicher chirurgischer Techniken und Zugangswege (Minimal Access Surgery) geprägt werden.

Vielmehr werden spezielle chirurgisch-onkologische Verfahren, wie die regionale Perfusionstherapie von Organen oder Körperregionen (ILP, HIPEC), Konzepte einer zielgerichteten Tumortherapie (Targeted Therapy) unterstützen. Insbesondere werden aber auch ganz neue Verfahren, die zur lokalen Destruktion von Tumoren in Erprobung und Entwicklung sind (fokussierter Ultraschall, Gen-Jet-Injektion, Nano-Thermoablation, etc.) sich vermehrt durchsetzen und zu einer weiteren Ablösung radikaler, in der Regel mutilierender tumorchirurgischer Eingriffe führen. Damit wird zunehmend auch die Abgrenzung der chirurgischen Fachgebiete, soweit vor allem bisher durch die Anatomie vorgegeben, fließend und sich methodenbedingt verwischen.

Hieraus wird sich neben der medikamentösen und immunologis Tumortherapie die „Chirurgische und Interventionelle o­nkologie“ zukunftsfähige Partnerdisziplin entwickeln. Kompetitiv mit der modernen Präszisions-Strahlen- und Partikeltherapie, welche bereits heute ohne computerunterstützte Planungssysteme nicht mehr denkbar ist, wird „Interventionelle o­nkologie“ ihren Platz als primär kurative oder additive Behandlungsmodalität in der interdisziplinären Tumortherapie neu zu definieren haben.

Diesen sich abzeichnenden Um- und Aufbruch chirurgischer interventioneller Tumortherapie sinnvoll zu kanalisieren und aufgeschlossen zu begleiten, ist Aufgabe aller Ärzte, die sich mit der Diagnostik und Therapie Tumorerkrankungen gegenwärtig und zukünftig beschäftigen.

Krebs in Deutschland 2003-2004, Häufigkeiten und Trends

Frau Dr. Ute Wolf vom Robert-Koch-Institut - BerlinDas Robert Koch-Institut (RKI) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebs­register in Deutschland e. V. (GEKID) haben die aktuellen Daten zu Krebs in Deutsch­land für das Jahr 2004 veröffentlicht.

Die sechste Auflage der Publikation enthält An­gaben zu den in Deutschland insgesamt im Zeitraum von 1980 bis zum Jahr 2004 aufgetretenen Krebsneuerkrankungen. Kurz und übersichtlich werden zu ausgewähl­ten Einzellokalisationen Erkrankungs- und Sterberaten, Risikofaktoren, Trendverläufe sowie Überlebensaussichten dargestellt. Die Daten zu Krebserkrankungen bei Kindern werden vom Kinderkrebsregister Mainz in einem eigenen Abschnitt beschrieben.

Nach Schätzung der Dachdokumentation Krebs im Robert Koch-Institut erkrankten 2004 in Deutschland zirka 230.500 Männer und 206.000 Frauen an Krebs.

Die häufigs­ten Krebslokalisationen bei den Männern sind Prostata (58.570) und Darm (37.250), bei den Frauen sind es die Brustdrüse (57.230) und Darm (36.000).

Die Zahl der Ster­befälle durch Krebs beträgt 208.800 im Jahr 2004.
Die Gesamtzahl der Krebsneuerkrankungen blieb bei den Frauen gegenüber dem Jahr 2002 unverändert.
Bei Männern traten im Vergleich zur vorangegangenen Schätzung etwa 12.000 Neuerkrankungen mehr auf.

Ursachen für diesen Anstieg bei den Män­nern sind unter anderem in der veränderten Altersstruktur und im Anstieg der Zahl der Prostatakrebsneuerkrankungen (um etwa 10.000) zu suchen, der vor allem auf den vermehrten Einsatz der so genannten PSA-Bestimmung im Blut als Voruntersuchung zur Früherkennung zurückgehen dürfte.

Die Schätzung erfolgte auf Basis der Daten vollzählig erfassender epidemiologischer Krebsregister, die der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutsch­land angehören. Die Gesellschaft kümmert sich insbesondere um die Harmonisierung und Standardisierung der ländergesetzlich geregelten Krebsregistrierung. Der GEKID gehören neben allen epidemiologischen Krebsregistem auch Wissenschaftler aus dem Bereich der Krebsepidemiologie an (weitere Informationen zu GEKID: www.gekid.de ).

Die Vollzähligkeit der Krebsregistrierung hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Vollzählig erfassende epidemiologische Krebsregister sind unverzichtbar, um Informa­tionen über die Verbreitung von Krebs zu gewinnen und Basisdaten unter anderem für die Suche nach Ursachen von Krebs zu erhalten.

Die Daten vollzähliger bevölkerungs-bezogener Krebsregister ermöglichen es auch, die Effektivität von Präventions- und Früherkennungsprogrammen und der therapeutischen Versorgung zu bewerten. Zum Beispiel können anhand der Daten eines epidemiologischen Registers bevölkerungs­weit Unterschiede der Tumorstadien-Verteilung bei Diagnosestellung nachgewiesen werden.

Die Broschüre „Krebs in Deutschland“ geben RKI und GEKID alle zwei Jahre heraus. Die aktuelle Auflage erscheint mit neuem Layout erstmalig in der Reihe der Berichte der Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Die Veröffentlichung ist im Internet abrufbar und kann kostenlos bestellt werden bei Herausgebern und Krebsregistem der Länder.

Die Bestelladressen der Herausgeber sind:

Gesellschaft der epidemiologischen Krebs­register in Deutschland e.V.,
Beckergrube 43-47,
23552 Lübeck,
Fax 0451 – 799 25 51,

Robert Koch-Institut, GBE,
Seestr. 10,
13353 Berlin,
gbe@rld.de ,
Fax: 030-18754-3513.

Pressemitteilung: Detlef Höwing und der Pressestelle der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.


Krebszeitung

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