Vorboten der Krebszellen

Die Bildfolge zeigt die Isolierung einer Brustkrebszelle (kleiner Kreis links und Mitte) und rechts einen Ausschnitt aus ihrem »molekularen Porträt«. - © Fraunhofer ITEM

München (gb) – Winzige Abschürfungen von Tumoren könnten die Ursache dafür sein, dass sich Krebs im Körper ausbreitet. Münchner Wissenschaftler untersuchen nun diese sogenannten Mikropartikel. Die Forscher vermuten, dass sie die Fähigkeit besitzen, durch den Körper zu wandern und gesunde Zellen in Krebszellen zu verwandeln. Sie hoffen, durch Blockade der Mikropartikel die Krebsausbreitung zu verhindern. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsvorhaben mit 346.000 Euro.

Eine besondere Eigenschaft von Krebszellen ist ihre Fähigkeit, sich aus dem Zellverband eines Tumors zu lösen. Sie gelangen in die Blut- oder Lymphbahnen, werden durch den Körper transportiert und dringen in andere Gewebe ein. Dort können sie sich ansiedeln und Tochtergeschwülste des ursprünglichen Tumors bilden, in der Fachsprache Metastasen genannt. Geschieht dies, sinken die Heilungschancen des Patienten drastiscAuf welche Weise die bösartigen Zellen die Blut- und Lymphbahnen verlassen, in das Gewebe eindringen und neue Tumoren bilden, ist noch weitgehend unbekannt. Doch möglicherweise helfen ihnen winzige Mikropartikel, die von der Krebszellhülle abbrechen, bei ihrem Feldzug durch den Körper. Denn Tumorzellen geben ständig solche kleinen Zellhüll- Brocken in die Blutbahn ab. Diese Krebsboten können leichter in das Gewebe eindringen als die um ein Vielfaches größeren Krebszellen und diesen den Weg ebnen. Damit nicht genug: Die Tumorabschürfungen können einen molekularen Schutzwall um sich herum errichten, der verhindert, dass sie vom Abwehrsystem des Körpers erkannt und entfernt werden.

 Winzige Tumorpartikel könnten Krebsausbreitung begünstigen

Die gefährlichen Abschürfungen werden nun von Professor Dr. Bernd Engelmann, Institut für Klinische Chemie, und Professor Dr. ChristiaWinzige Tumorpartikel könnten Krebsausbreitung begünstigenne Bruns, Chirurgische Klinik und Poliklinik am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München, untersucht. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Mikropartikel neben ihrer Fähigkeit zum Eindringen in das Gewebe zudem gesunde Zellen in Krebszellen umwandeln können. Sie untersuchen das Phänomen an Bauchspeicheldrüsenkrebs, einer Krebsart, die nach wie vor sehr schlecht heilbar ist und an der jährlich rund 14.000 Menschen in Deutschland erkranken.

Langfristig erhoffen sich die Münchner Forscher ein verbessertes Verständnis der Metastasierung von Krebs sowie neue Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten. „Wenn wir unterbinden, dass Krebszellen Mikropartikel abgeben, könnten wir damit auch die Ausbreitung von Tumoren verhindern“, so Engelmann. „Ein weiterer Ansatzpunkt für neue Therapien wäre das Aufbrechen des Schutzwalls der Partikel, um sie so für das Immunsystem angreifbar zu machen.“

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Derzeit erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 490.000 Menschen neu an Krebs. Die von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekte haben daher das Ziel, innovative Strategien zu entwickeln, die den Betroffenen schnellstmöglich zugutekommen.“

Hintergrundinformation:
Krebsforschung Die Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. So konnten die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen Jahren stetig verbessert werden. Diese Erfolge sind im Wesentlichen auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken, denn die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. Allein 2011 investierte die Deutsche Krebshilfe etwa 32 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne der optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen.

Pressemitteilung Deutsche Krebshilfe e. V.


Krebszeitung

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