Verbesserte OP-Planung mittels Ultraschall bei Brustkrebs

Bilder aus zwei unterschiedlichen Verfahren werden digital miteinander verschmolzen – Ultraschall-Aufnahmen und Daten aus dem MRT, dem Magnetresonanztomografen. Uniklinikum TübingenBilder aus zwei unterschiedlichen Verfahren werden digital miteinander verschmolzen – Ultraschall-Aufnahmen und Daten aus dem MRT, dem Magnetresonanztomografen.Uniklinikum Tübingen

Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin:

Berlin, 21. März 2013 – Bis zu 60 000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich neu an Brustkrebs. Zur Therapie gehört in vielen Fällen eine Operation. Wie eine aktuelle Studie zeigt, verbessert sich das chirurgische Ergebnis für die Patientinnen, wenn behandelnde Ärzte den Tumor mittels Ultraschall vermessen. In der Studie entfernten die Operateure ein Drittel weniger Brustgewebe als Kollegen, die sich anhand ihres Tastsinns orientierten. Zudem brauchten ihre Patientinnen seltener eine Nachbehandlung. Über die Vorteile der „Mammasonografie“ bei Früherkennung, Therapie und Nachkontrolle von Brustkrebs informieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) heute auf der Pressekonferenz in Berlin.

Um bei einer Operation die Ausdehnung des Tumors zu erkennen, waren die Operateure lange Zeit auf ihre Sicht und auf ihren Tastsinn angewiesen. Die Abgrenzung vom gesunden Gewebe ist jedoch schwierig und es besteht die Gefahr, dass mehr Gewebe als nötig – oder zu wenig – entfernt wird. Im ersten Fall wird das Erscheinungsbild der Brust stärker beeinträchtigt als notwendig, was für die Betroffenen eine zusätzliche psychische Belastung darstellen kann. Im zweiten Fall wird eine weitere Operation notwendig, wenn in der feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop Krebszellen am Schnittrand gefunden werden. Besonders schwierig ist die Situation bei Brustkrebs.

Der Operateur strebt heute an, die Brust zu erhalten, erklärt Professor Dr. med. Dr. h. c. Friedrich Degenhardt, Leiter des Arbeitskreises Mammasonografie der DEGUM: „Der Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe wird deshalb leitliniengerecht gering gehalten“, so der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Franziskus Hospital in Bielefeld. Mithilfe des Ultraschalls kann der Operateur genauer als bisher sehen, wo sich der Tumor befindet und wo die Grenzen zum gesunden Gewebe sind. „Die Ultraschalltechnik ist dem Tastsinn prinzipiell überlegen“, ist Degenhardt überzeugt. Sie ermögliche eine gezieltere Schnittführung. Gegenüber der Röntgentechnik biete der Ultraschall den Vorteil, die Patientin nicht durch Strahlung zu belasten. Die Untersuchung kann auch im Verlauf der Operation ausgeführt werden.

An sechs Kliniken in den Niederlanden prüften Wissenschaftler der Universität Amsterdam jetzt, ob der Einsatz von Ultraschallgeräten die Ergebnisse bei Brust erhaltenden Krebsoperationen verbessern kann. Bei der Hälfte der Frauen haben sich die Operateure bei der Schnittführung an Ultraschallbildern orientiert. Bei den anderen waren sie allein auf ihren Tastsinn angewiesen. Die jetzt im Fachmagazin „Lancet Oncology“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Mit Unterstützung von Ultraschall entfernten sie statt durchschnittlich 57 nur 38 Kubikzentimeter, also rund ein Drittel weniger Gewebe. Für die Frauen stieg damit die Chance auf ein optisch befriedigendes Ergebnis der Operation. Gleichzeitig mussten die Operateure seltener nachoperieren und weniger Frauen benötigten nach der Operation eine Bestrahlung, um die im Körper möglicherweise verbliebenen Krebszellen abzutöten.

Auf der heutigen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin in Berlin erklären Experten der Fachgesellschaft unter anderem, warum es sinnvoll sein kann, das Mammografiescreening durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Brust zu ergänzen.

Literatur:
Intraoperative ultrasound guidance for palpable breast cancer excision (COBALT trial): a multicentre, randomised controlled trial
Krekel NM, Haloua MH, Lopes Cardozo AM, de Wit RH, Bosch AM, de Widt-Levert LM, Muller S, van der Veen H, Bergers E, de Lange de Klerk ES, Meijer S, van den Tol MP; Lancet Oncology 2013; 14: 48–54

Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), Anna Julia Voormann/ Irina Lorenz-Meyer


Krebszeitung

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