Valproinsäure als Krebsmedikament

Gefärbte mikroskopische Aufnahme eines Influenza-Virus CDC/ Erskine. L. Palmer, Ph.D.; M. L. Martin

Die Verdienste von Professor Dr. Jindrich Cinatl, Leiter des Interdisziplinären Labors für Tumor- und Virusforschung am Institut für Medizinische Virologie (Direktor: Prof. Dr. Hans Wilhelm Doerr), Universitätsklinikum Frankfurt am Main, auf dem Gebiete der Krebsforschung sind in jüngster Zeit in zweifacher Hinsicht von unabhängiger Seite gewürdigt worden. So erhielt Professor Cinatl für seine pädiatrisch-onkologischen Arbeiten den Fritz-Acker-Preis 2004. Der Fritz-Acker-Preis ist mit € 5.000,- dotiert und wird jährlich von der Fritz-Acker-Stiftung an Wissenschaftler verliehen, die sich auf dem Fachgebiet der Krebsforschung oder der Herzleiden besonders verdient gemacht haben.

Fritz-Acker-Preis 2004 an Professor Dr. Jindrich Cinatl verliehen

Die Auszeichnung wurde Professor Cinatl, der darüber hinaus aufgrund seiner Leistungen auf dem Sektor der o­nkologie mit Wirkung zum 1. Januar 2005 in das Editorial Board der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift International Journal of o­ncology berufen worden ist, im wesentlichen für seine Untersuchung der Valproinsäure als Krebsmedikament verliehen.

Valproinsäure wird seit den 60er Jahren als Antiepileptikum und zur Behandlung neurologischer Erkrankungen therapeutisch eingesetzt. Professor Cinatl hatte mit seiner Arbeitsgruppe bereits Mitte der 90er Jahre die antitumorale Wirkung therapeutischer Valproinsäure- Konzentrationen gegenüber Neuroblastomzellen weltweit erstmalig erkannt und propagiert (1,2).

Die initialen Ergebnisse des Interdisziplinären Labors führten 1999 zur Aufnahme der Valproinsäure in die HIT-GBM-C-Studie zur Behandlung von malignen Gliomen des Kindesalters durch die Gesellschaft für Pädiatrische o­nkologie und Hämatologie (GPOH), der weltweit ersten klinischen Untersuchung von Valproinsäure als antitumoraler Substanz.

Die ersten Auswertungen dieser Studie, in deren Rahmen Valproinsäure zur Behandlung pädiatrischer Gliompatienten eingesetzt wurde, bei denen es nach Operation, Chemotherapie und Bestrahlung zu Rezidiven gekommen war, ergab ein Ansprechen auf die Therapie bei ca. 20 Prozent der Behandelten. Bei ca. 10 Prozent der behandelten Patienten führte die Valproinsäure-Behandlung zu einer Komplett-Remission (3).

In der Zwischenzeit wird Valproinsäure weltweit sowohl experimentell als auch klinisch zur Behandlung unterschiedlicher Krebserkrankungen untersucht. Aktuelle experimentelle Befunde aus Professors Cinatls Arbeitsgruppe zeigen, dass Valproinsäure die Angiogenese, d.h. die Bildung neuer Blutgefäße (4) hemmt.

„Der Befund, dass Valproinsäure die Gefäßbildung hemmt, zeigt einen neuen, bisher unentdeckten potentiellen antitumoralen Wirkmechanismus der Valproinsäure auf. Da Tumoren für ihr Wachstum auf die Ausbildung eines versorgenden Blutgefäßsystems angewiesen sind, wird die Hemmung der Tumorgefäßbildung zur Zeit intensiv als antitumorale Behandlungsstrategie untersucht“, äußert sich Professor Cinatl. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen am Mausmodell, dass die Kombination von Valproinsäure mit Interferon-a bei einem Drittel der Tiere zur Heilung von humanen Neuroblastom-Tumoren führt (5).

Referenzen
1. Cinatl J Jr, Cinatl J, Scholz M, Hernáiz Driever P, Henrich D,
Kabickova H, Vogel JU, Doerr HW, Kornhuber B. Antitumor activity of
sodium valproate in cultures of human neuroblastoma cells. Anticancer
Drugs 1996;7:766-73.
2. Cinatl J Jr, Cinatl J, Hernáiz Driever P, Kotchetkov R, Pouckova P,
Kornhuber B, Schwabe D. Sodium valproate inhibits in vivo growth of
human neuroblastoma cells. Anticancer Drugs 1997;8:958-63.
3. Blaheta RA, Michaelis M, Hernáiz Driever P, Cinatl J Jr. The
evolving anticancer drug valproic acid: Insights into the mechanism
and clinical studies. Med Res Rev in press
4. Michaelis M, Michaelis UR, Fleming I, Suhan T, Cinatl J, Blaheta
RA, Hoffmann K, Kotchetkov R, Busse R, Nau H, Cinatl J Jr. Valproic
acid inhibits angiogenesis in vitro and in vivo. Mol Pharmacol
2004;65:520-7.
5. Michaelis M, Suhan T, Cinatl J, Hernáiz Driever P, Cinatl J Jr.
Valproic acid and interferon-alpha synergistically inhibit
neuroblastoma cell growth in vitro and in vivo. Int J o­ncol
2004;25:1795-9.

Für weitere Informationen:
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 77 64
Fax (0 69) 63 01 – 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de
Internet www.kgu.de

Pressemitteilung, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M., Ricarda Wessinghage


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