Therapiebegleitende Diagnostik bei Krebs

Ein 'Labor' kleiner als eine 1-Euromünze: Der Mikrochip, den die Hochschule Hamm-Lippstadt gemeinsam mit der iX-factory GmbH in einem neu gestarteten Forschungsprojekt entwickelt, um Leukämiediagnostik zukünftig in der Praxis zu ermöglichen. - Copyright: Hochschule Hamm-Lippstadt

Eigentumsrechte klären und Abläufe standardisieren

Ärzte können heute durch Tests immer häufiger und genauer vorhersagen, ob ein Krebsmedikament bei einem Patienten wirken wird oder nicht. Diese „Companion Diagnostics“ entwickeln sich derzeit zu einem wachsenden neuen Forschungsbereich der Medizin. Die dafür notwendigen Gewebeproben werden zunehmend für klinische Studien genutzt. Welche ethischen, auch eigentumsrechtlichen und technischen Probleme Companion Diagnostics bergen, ist ein Thema des diesjährigen Herbstsymposiums der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM).

Ein Drittel aller neu zugelassenen Arzneimittel bis zum Jahr 2015 sind Krebsmedikamente. Früher bestimmten Pathologen durch ihre Gewebediagnostik im wesentlichen nur, an welcher Krebsart ein Patient leidet und wie bösartig der Tumor ist. Doch vor allem für Lungen-, Magen-, Dickdarm- und Hautkrebs entwickelten Forscher in den vergangenen drei Jahren neue therapiebegleitende Tests. Sie geben vor Gabe der Medikamente darüber Aufschluss, ob ein Wirkstoff bei einem Patienten überhaupt wirksam sein kann. Mehr als 20 Tests wurden bislang eingeführt, um bei Leukämien und bösartigen Tumoren eine für den Patienten passende Therapie zu finden, berichtet Professor Dr. med. Christoph Röcken, Leiter des Instituts für Pathologie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

Doch mit den „Companion Diagnostics“ stellen sich auch bisher unbekannte Aufgaben: Da neue Medikamente zunächst an Kliniken getestet werden, sind pathologische Institute immer stärker auch in die klinische Forschung eingebunden. Für Professor Röcken ergeben sich daraus viele ethische und eigentumsrechtliche Fragen. Denn Pharmafirmen nutzen für ihre Forschung Gewebeproben, die bei den pathologischen Instituten in den Archiven der mittelbaren Krankenversorgung lagern.

Die neuen Tests erforderten auch, so der Experte, dass Kliniken Standards dafür einführen, wie Gewebeproben entnommen und weiterverarbeitet werden. Denn im Gegensatz zu Blut und Plasmaproben verändert sich das für die therapiebegleitende Diagnostik verwendete Tumorgewebe. Etwa wenn der Patient eine Chemotherapie erhalten hat oder der Krebs operativ entfernt wurde. „Von einem einheitlichen Vorgehen hängt letztlich auch der Erfolg entsprechender klinischer Studien ab und damit die Einführung neuer lebensverlängernder Medikamente“ sagt Professor Dr. med. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel.

Das Herbstsymposium der Korporativen Mitglieder der DGIM greift das Thema „Companion Diagnostics“ auf, stellt Beispiele vor und beleuchtet den derzeitigen Stand der Forschung. In einer anschließenden Pressekonferenz fassen die Experten die für Patienten wichtigen Fakten zusammen.

Quelle:
Klinische Studien in der Onkologie: eine Herausforderung für die klinische und akademische Pathologie, C. Röcken, DOI
10.1055/s-0033-1343111, Dtsch Med Wochenschr 02013; 1380: 1073–1076

Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V., Anna Julia Voormann


Krebszeitung

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