Therapie der erektilen Dysfunktion (ED)

Vacuum Active Erection System NT - Quelle: BIVEA SARL, Frankreich

Gerade nach operativen Eingriffen im kleinen Becken oder nach Unfällen, bei denen das Nervengeflecht beschädigt wird, das eine Erektion hervorruft, kommt es wegen der ständigen Erschlaffung des Penis zu einer unzureichenden Durchblutung und zu einer Atrophie des Schwellkörpergewebes. Diese Schädigung ist irreparabel. Deshalb wird heute nachoperativ oft eine Vakuum-Erektionshilfe mit einer zusätzlichen Medikamentengabe von PDE 5-Hemmern, wie Cialis®, Levitra® und Viagra®, eingesetzt. Auch der gemeinsame Einsatz von Vakuumpumpe und der Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) mittels Caverject® oder Viridal®  durchblutet das Schwellkörpergewebe ausreichend. Aber auch die alleinige Anwendung der Vakuumpumpe führt zu einem zufrieden stellenden Ergebnis.

Vakuum-Erektionshilfe (andere Bezeichnung: Vakuumpumpe)

Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts wurden Vakuum-Erektionshilfen verwendet, um Probleme bei der Gliedsteife zu beheben, aber erst seit 1974 gibt es medizinisch anerkannte Vakuumpumpen, die vom Arzt verschrieben und von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen bezahlt werden.

Vacuum Active Erection System NT - Quelle: BIVEA SARL, Frankreich

Vacuum Active Erection System NT – Quelle: BIVEA SARL, Frankreich

Wenn bei einer Zerstörung des Nervengewebes keine Erektion mehr möglich ist und somit auch die üblichen nächtlichen Spontanerektionen ausbleiben, muss ein kontinuierlicher Trainingsplan eingehalten werden, damit die Schwellkörper des Penis nicht verkümmern und für eine Erektion unbrauchbar werden. Denn dann bleibt für die Patienten oft nur noch ein operativer Eingriff mit Schwellkörperimplantaten übrig.

Die Anwendung von Vakuum-Erektionshilfen ist denkbar einfach durchzuführen. Zunächst wird der Penis in den durchsichtigen Plastikzylinder der Vakuumpumpe geführt, in dem dann mit einer kleinen Hand- oder Elektro-Pumpe ein Unterdruck erzeugt wird. Dadurch fließt venöses Blut in die Schwellkörper. Sobald eine ausreichende Steifheit vorliegt, wird mit einem Stauring der Rückfluss des Blutes aus den Schwellkörpern verhindert.

Bei der Vakuumpumpe benötigen die Schwellkörper jedoch eine gewisse Zeit, um sich auszudehnen und das Blut in die erweiterten Hohlräume einströmen zu lassen. Die Zeit, bis es zu einer vollständigen Versteifung des Penis kommt, ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Erst nach kompletter Versteifung sollte der Stauring an der Peniswurzel angelegt werden. Dieser darf dann höchstens 30 Minuten dort verbleiben, um Schädigungen durch einen Blutstau zu vermeiden. Sexuelle Aktivitäten sollten während dieser Zeit erfolgen.

Behandlung der Erektionsstörung mit Schwellkörperimplantaten

Bei einer schweren erektilen Dysfunktion (ED), bei der das Schwellkörpergewebe zerstört ist und nicht mehr auf Medikamente anspricht oder bei der Nicht- Akzeptanz von anderen Hilfsmitteln oder Medikamenten lässt sich oft nur noch durch Penisimplantate oder besser gesagt Schwellkörperimplantate eine Erektion erzeugen. Oft wird hier fälschlich von einer Penisprothese oder Schwellkörperprothese gesprochen. Dabei wird hier keine Prothese als Ersatz des betroffenen Organs verwendet, sondern durch Einbringen von Implantaten in die beiden Schwellkörper die Erektionsfähigkeit wieder hergestellt. Bei der Operation werden heute oft die beiden Schwellkörper erhalten. Die Orgasmusfähigkeit und Ejakulationsfähigkeit soll dabei nicht eingeschränkt werden.

Penisimplantate sollten nur durch Spezialisten eingebracht werden. Mit dem Urologen und Operateur sollten die Vor- und Nachteile der verschiedenen Implantate vor einer Operation ausführlich besprochen werden. Penisimplantate werden z.B. von den Firmen AMS und Mentor Schweiz angeboten und stehen in den verschiedensten Größen zur Verfügung. Diese bieten übrigens eine lebenslange Garantie ihrer Schwellkörperimplantate.

Die Einbringung von Schwellkörperimplantaten kann ohne den Verlust der Erektionsfähigkeit nicht mehr rückgängig gemacht werden und man muss wissen, dass diese Implantate durch Verschleiß nur einen begrenzten Zeitraum (etwa 10 Jahre, nach Auskünften von Urologen) funktionsfähig sind und dann ausgetauscht werden müssen. Gerade deshalb sollte sich jeder vor der Operation ausführlich beraten lassen.

Die einzelnen Systeme

Penisimplantate sind Systeme aus unterschiedlichen Materialien. Es gibt einteilige (nur Zylinder), zweiteilige hydraulische (Zylinder mit Flüssigkeitsbehälter und Pumpe) und dreiteilige hydraulische Penisimplantate (Zylinder, Pumpe und Flüssigkeitsbehälter). Feste oder auffüllbare Zylinder werden in die beiden Schwellkörper des Penis durch einen kleinen operativen Eingriff eingebracht. Bei auffüllbaren (hydraulischen) Penisimplantaten wird zusätzlich eine Pumpe in den Hodensack implantiert bzw. zusätzlich ein Flüssigkeitsbehälter in den unteren Bauchraum platziert, der von außen nicht sichtbar ist.

Biegsame Penisimplantate

Biegsames Penisimplantat

Biegsames Penisimplantat

Bei biegsamen Implantaten erfolgt die Erektion durch ein Aufstellen des Gliedes. Sie gehören zu den einteiligen Implantaten. Sie sind in ihrer Ausdehnung nicht variabel, was bedeutet, dass der Penis in erigierten Zustand,  wie auch in seiner Ruhephase, die gleiche Größe und Umfang hat und zudem in allen Phasen eine gewisse Steife aufweist. Der Vorteil dieser Implantate liegt in der minimal invasiven Operation und dass sie preisgünstig (etwa 1.100 €) sind. Der Nachteil von biegsamen Schwellkörperimplantaten liegt an der gewissen ständigen Steifheit der Implantate und an dem Verschleißpotenzial der Feder und dem Kabel.

Es gibt auch biegsame Implantate, die einen Metallkern beinhalten. Dieser besteht aus drei Segmenten, dem distalen (körperfernen), dem proximalen (körpernahen) und dem Zentralsegment. Ein Kabel führt durch das Zentralsegment und ist an jedem Ende mit einer in einem Metallgehäuse befindlichen Feder verbunden. Der gesamte Zylinderteil ist mit einer haltbaren Hülle umschlossen. Die Federn legen Spannung am Kabel an beiden Enden des Zylinderteils an, um eine ausreichende Bewegung des Kabels zu ermöglichen, damit der Zylinder gebogen werden kann. Die mittels Kabel und Federn gespannten biegsamen Segmente bieten die gewünschte Steifheit. Durch diese Funktionen können diese Schwellkörperimplantate entsprechend den Wünschen des Patienten geborgen bzw. für den Geschlechtsverkehr positioniert werden.

Zweiteilige hydraulische Penisimplantate

Diese Implantate bestehen aus zwei Komponenten, die durch Schläuche miteinander verbunden sind: Einem Zylinderpaar und einer Pumpe. Die Pumpe wird im Hodensack platziert, während die beiden Zylinder in die Schwellkörper des Penis implantiert werden. Die Implantate sind mit einer steriler Kochsalzlösung gefüllt. Um eine Erektion zu erzielen, wird die Pumpe mehrmals betätigt. Dadurch wird die Flüssigkeit aus dem Reservoir (das sich am jeweiligen Zylinderende befindet) in den Schaft des Zylinders gepumpt, wodurch sich der Penis versteift. Soll der Penis wieder erschlaffen, werden der Penis und damit die Zylinder einfach sechs bis zwölf Sekunden lang nach unten gedrückt. Dadurch fließt die Flüssigkeit wieder zurück in die Reservoire.

Dreiteilige hydraulische Penisimplantate

Ultrex

Ultrex

Dieses Schwellkörperimplantat besteht aus drei Komponenten, die durch Schläuche miteinander verbunden sind: einem Reservoir, einem Zylinderpaar und einer Pumpe. Das mit steriler Kochsalzlösung gefüllte Reservoir wird unter die Bauchmuskeln implantiert. Die Pumpe wird im Hodensack platziert, die Zylinder werden in die Schwellkörper des Penis implantiert. Um eine Erektion zu erzielen, wird der ballonförmige Teil der Pumpe mehrmals zusammengedrückt.

Dadurch wird die Flüssigkeit aus dem Reservoir in die beiden Zylinder gepumpt, wodurch sich der Penis versteift. Soll der Penis wieder erschlaffen, wird das seitlich an der Pumpe befindliche Ablassventil zusammengedrückt, wodurch die Flüssigkeit wieder in das Reservoir zurückfließt und sich die Implantate und damit der Penis entspannen.

Anwendung:

Die Erektion durch ein Penisimplantat kann beliebig lange aufrechterhalten werden. Nach dem Geschlechtsverkehr strömt mittels Betätigen des Ablassventils die Flüssigkeit aus den Zylindern zurück in das Reservoir. So erschlafft der Penis wieder vollständig.

Vorteile für hydraulische Penisimplantate:

  • Die kleine Pumpe im Hodensack ist leicht zu bedienen
  • Die Erektion erfolgt natürlich und durch Vergrößern des Penisumfangs
  • Die Implantate sind weniger wahrnehmbar, da sie den Penis erschlaffen lassen (damit höhere Akzeptanz und Tragekomfort)
  • Ein einfaches, schnelles Entleeren der Zylinder mit einem einzigen Handgriff ist möglich

Nachteile:

  • Erfordert eine gewisse manuelle Geschicklichkeit beim Aufpumpen
  • Es besteht die Möglichkeit des Aussickerns oder einer Blockierung der Flüssigkeit bzw. eines mechanischen Versagens
  • Es besteht die Möglichkeit einer spontanen, ungewünschter Erektion
  • Enthält mehr mechanische Komponenten als das biegsame Schwellkörperimplantat

Pressemitteilung von Detlef Höwing


Krebszeitung

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