Stammzell-Transplantation als Therapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Universitätsklinikum Heidelberg startet Studie bei Pankreaskrebs / Teilnehmer werden gesucht / Knochenmarkzellen gesunder Geschwister sollen körpereigene Krebsabwehr stärken

Am Universitätsklinikum Heidelberg startet eine Studie zur Therapie mit Stammzellen bei aggressiven Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom). Die Mediziner hoffen, die Überlebenszeit der Patienten ohne Rückfall verlängern zu können. Dazu erhalten die Patienten nach Entfernung des Tumors und anschließender Chemotherapie Blutstammzellen aus dem Knochenmark gesunder Geschwister, deren Gewebemerkmale mit denen des Patienten übereinstimmen. Die transplantierten Zellen bilden neue Immunzellen, die die im Körper verbliebenen Tumorzellen effektiver bekämpfen als es zuvor das Immunsystem des Patienten vermochte.

Weltweit wurde die Stammzelltransplantation bei Pankreaskrebs bisher nur als individueller Heilversuch bei wenigen Patienten mit sehr schlechter Prognose durchgeführt. „Die Ergebnisse lassen hoffen“, sagt Studienleiter Privatdozent Dr. Hubertus Schmitz-Winnenthal, Leiter der Sektion für Endokrine Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Markus W. Büchler). „Wir überprüfen nun im Rahmen einer kontrollierten klinischen Studie, ob sich das Behandlungskonzept bewährt.“ Die Stammzelltransplantation in der Behandlung von Blut- und Knochenmarkkrebs ist eine fest etablierte Therapie und wird am Universitätsklinikum Heidelberg von einem spezialisierten und erfahrenen Ärzteteam um Professor Dr. Peter Dreger aus der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Anthony D. Ho) mehr als 300 Mal im Jahr durchgeführt.

Rund 12.900 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Entfernung des Tumors mit anschließender Chemotherapie bringt häufig keine Heilung, da die aggressiven Tumoren früh wieder nachwachsen und in andere Organe absiedeln (Metastasierung). Nur etwa die Hälfte der operierten Patienten überlebt länger als zwei Jahre.

Schwachstelle des patienteneigenen Immunsystems ausgleichen

Der neue Therapieansatz zielt darauf ab, die körpereigene Krebsabwehr zu unterstützen. Bei gesunden Menschen erkennt und bekämpft das Immunsystem automatisch Krebszellen, die in jedem Menschen täglich aus defekten Körperzellen entstehen. Ein Tumor wächst nur dann heran, wenn das Immunsystem dieser Aufgabe nicht gewachsen ist. „Bei Patienten mit Pankreaskarzinom reagiert die körpereigene Krebsabwehr nicht ausreichend auf diese speziellen Krebszellen, das Immunsystem hat quasi einen blinden Fleck“, so Schmitz-Winnenthal. Diese Schwachstelle wollen die Heidelberger Mediziner beheben, indem sie Teile des patienteneigenen Immunsystems gegen ein neues, besser funktionierendes austauschen. Ist der Tumor entfernt, soll das neue Immunsystem verbliebene Krebszellen abtöten.

Dazu übertragen die Mediziner blutbildende Stammzellen aus dem Knochenmark eines passenden Spenders (allogene Stammzelltransplantation), in diesem Fall eines Geschwisters. Zuvor erhält der Patient sechs Tage lang eine milde Chemotherapie, um das alte Immunsystem zu schwächen und damit Abstoßungsreaktionen zu vermeiden. Es bleibt das Risiko, dass das neue Immunsystem neben Krankheitserregern und Krebszellen auch das gesunde Körpergewebe des Patienten angreift. Diese „Transplantat-gegen- Empfänger“-Reaktion lässt sich bei rund 80 Prozent der Patienten mit modernen Medikamenten und ausreichend Erfahrung gut unterdrücken, ohne dass die Schlagkraft des neuen Immunsystems gegen die Tumorzellen verloren geht.

Ab sofort können Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskrebs, der operiert werden kann bzw. bereits operiert wurde und noch keine Absiedlungen gebildet hat, in die Studie (STEMPACE) aufgenommen werden. Es müssen gesunde Geschwister vorhanden sein, die zu einer Stammzellspende bereit sind. „Wir hoffen besonders, damit Patienten mit sehr schlechter Prognose helfen zu können“, so Schmitz-Winnenthal.

Interessenten für eine Teilnahme an der klinischen Studie wenden sich bitte an:
Klinisches Studienzentrum Chirurgie (KSC)
Universitätsklinikum Heidelberg Chirurgische Klinik
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel. 06221 / 56 35 154 (werktags zwischen 8 und 12 Uhr)
Fax 06221 / 56 69 88
E-Mail: ksc(at)med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen zum Studienzentrum:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.130058.0.html

Kontakt für Journalisten:
Privatdozent Dr. med. Friedrich-Hubertus Schmitz-Winnenthal
Leiter der Sektion für endokrine Chirurgie
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 69 86
E-Mail: hubertus.schmitz-winnenthal(at)med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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des Universitätsklinikums Heidelberg und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
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Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
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Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg, Dr. Annette Tuffs


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