Osteoporose und Brustkrebs

Frau Dr. med. Jutta Semler ist selbst Betroffene und hilft als spezialisierte Ärztin seit Jahrzehnten Osteoporose- Patienten. Während ihres beruflichen Weges stellt sie fest, dass es einen Zusammenhang zwischen Osteoporose und dem Brustkrebs gibt. Diese ihre Erfahrungen mit beiden Krankheiten hat sie in der Folge am eigenen Leib erfahren müssen, als sie erst an Brustkrebs und schließlich auch noch an Osteoporose erkrankte. Anschaulich zeigt sie ihre Lymphgefäßschwellungen, die nach der Entfernung der Lymphknoten in den axialen Bereichen auftraten, während eines Vortrages auf der jedes Jahr in Berlin stattfindenden Onkologischen Fachtagung,

In Deutschland haben wir etwa 7,8 Millionen Menschen, die von Osteoporose betroffen sind. Das sind etwa 25,8% aller über 50jährigen Menschen in unserem Land. Der Anteil der betroffenen Frauen ist dabei etwa vier Mal so hoch, wie der bei Männern. Der Prozentuale Anteil steigt mit dem zunehmenden Alter.

Das Ziel der Osteoporose- Therapie muss in der Verhinderung von Frakturen des Knochens mit dem Zugewinn an Lebensqualität gesehen werden. Das Frakturrisiko muss gesenkt werden. Dies erreicht man z.B. durch die Wahl des richtigen Schuhwerks. Darüber hinaus stehen die verschiedensten Medikamente zur Behandlung der Osteoporose zur Verfügung, die zum einen die Knochenfresszellen in ihrer Aktivität bremsen und zum anderen den Aufbau von neuem Knochenmaterial unterstützen. In jedem Fall muss während der Therapie dafür gesorgt werden, mehr Baumaterial für den Knochenaufbau in Form von Kalzium und Vitamin D bereitzustellen.

Was die Betroffenen Frauen nun absolut nicht brauchen können, sind Mitleid, Vorwürfe oder Sprüche, wie: „Was ich Dir schon immer sagen wollte“. Was diese Frauen brauchen ist freundschaftliches und familiäres Verständnis für die Angst, die sie haben.

Osteoporose ist oft die Folge eines Mammakarzinoms. Beide Erkrankungen entwickeln sich über Jahre hinweg unbemerkt im Körper, bis es zu ersten Symptomen kommt. Während bei der Osteoporose vermehrt Knochenbrüche, die schwer oder gar nicht mehr abheilen, entstehen, zeichnet sich Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadien durch Metastasierungen (Absiedelungen) in anderen Organen, wie dem Lymphsystem, der Knochen, Leber, Lunge und Gehirn, aus.

Osteoporose ist eine chronische Erkrankung, bei der eine gesteigerte Brüchigkeit der Knochen entsteht und wird umgangssprachlich als Knochenschwund bezeichnet. Die Erkrankung zeichnet sich durch eine Verschiebung zugunsten der Knochenfresszellen (Osteoklasten) aus, die schneller arbeiten, als die Knochenaufbauzellen ( Osteoblasten und Osteozyten). In der Folge verliert der Knochen auf Dauer an Substanz, wird löcherig und brüchig. Bei der fortgeschrittenen Osteoporose werden die Knochenbälkchen dünner und verschwinden schließlich ganz.

Die vermeidbaren Risiken der Osteoporose sind:

    • Kalzium- und Vitamin D Mangel
      • Untergewicht (BMI < 20kg/m²)
        • Bewegungsmangel
          • Alkoholmissbrauch
            • Rauchen
              • Essstörungen (Magersucht, Bulimie)

              Die unvermeidbaren Risiken der Osteoporose sind:

                • Das Geschlecht (weiblich)
                  • Hohes Lebenalter
                    • Familiäre Veranlagung
                      • Geschlechtshormon- Mangel
                        • Andere Erkrankungen und
                          • Medikamente

                          Bei den Medikamenten, die zu einer Osteoporose führen können, sind die Aromatasehemmer zu nennen, die oft in der Brustkrebstherapie zum Einsatz kommen.

                          Die Risiken für Brustkrebs sind ähnlich:

                            • Familiäre Disposition
                              • Späte Menopause
                                • Keine bzw. späte Erstgeburt
                                  • Alkoholkonsum und Rauchen
                                    • Übergewicht (im Gegensatz zur Osteoporose)
                                      • Östrogen- oder Gestragentherapie (Hormonersatztherapie)

                                      Bei beiden Erkrankungen spielt die Verschiebung des Hormonhaushaltes während und nach dem Klimakterium eine große Rolle. Gerade dies wird deutlich, wenn man sich den Anstieg der Neuerkrankungszahlen der über 50 Jahre alten Frauen ansieht.

                                      Hier wird oft die Hormonersatztherapie durch Östrogengaben empfohlen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass diese zu einem Risikoanstieg bei der Entwicklung eines Brustkrebses führt, während das Risiko an Osteoporose zu erkranken abnimmt. Bei Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, zeigt sich jedoch, dass diese ein geringeres Risiko haben, durch eine Hormonersatztherapie an Brustkrebs zu erkranken.

                                      Deshalb gibt es heute folgende Empfehlungen für die Hormonersatztherapie:

                                        • Indikation für Frauen mit nicht anders beherrschbaren Wechseljahren- Beschwerden
                                          • Osteoporose ist keine Indikation
                                            • Medikation so gering und so kurz wie nötig
                                              • Kontraindikationen müssen Beachtung finden

                                              Als Ursachen einer Osteoporosenerkrankung nach einem Mammakarzinom sind insbesondere zu nennen:

                                                • Benötigte Hormone stehen nicht mehr zur Verfügung
                                                  • Chemotherapie mit Cortisongaben
                                                    • Immobilisation z.B. beim !Chronischen Fatique Syndrom“
                                                      • Aromatasehemmer wie z.B.: Anastrozol, Letrozol, Aromasin

                                                      Als Chemotherapeutikum für beide Erkrankungen haben sich Gaben von Tamoxifen und Raloxifen herausgestellt, die positive Auswirkungen auf das Knochensystem zeigten. Zdem verhindern sie das Risiko eines invasiven Tumorwachstum oder auch metastasierender Tumorausbreitung.

                                                      Pressemitteilung: Detlef Höwing


                                                      Krebszeitung

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