Neue Strategien beim Nierenzellkarzinom

Die Therapie des Nierenzellkarzinoms hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Die Einführung der laparoskopischen Nierenteilresektion mit neuen Ischämie- nd Blutstillungstechniken ermöglicht es, heutzutage auch ohne größere äußere Narben die vollständige Tumorentfernung bei Erhaltung der Restniere durzuführen. Die Entwicklung neuer zielgerichteter Chemotherapien als auch moderne Formen der Impftherapie gegen den Nierenkrebs haben in den letzten Jahren zu einer deutlichen Verbesserung in der Therapie ders fortgeschrittenen Nierenkarzinoms geführt.

Minimierte endoskopische Nierenchirurgie

Die Laparoskopie (Schlüssellochtechnik) hat heute einen festen Stellenwert bei urologischen Nierenoperationen. Neben einem geringerem Operationstrauma und einer geringeren Narbenbildung mit rascher Genesung des Patienten ist dieses Operationsverfahren heutzutage als gleichwertig gegenüber der offenen Schnittoperation an der Niere anzusehen.

Durch die Entwicklung neuer Instrumente, sowie neuer Ischämie- und Blutstillungsverfahren hat sich die Schlüssellochtechnik auch zunehmend in der endoskopischen Entfernung von Nierentumoren (Nierenteilresektion) unter Erhalt der Restniere durchgesetzt.

Hierbei wird die Niere als Organ erhalten und nur der tumortragende Anteil entfernt. Diese selektive Entfernung von Nierentumoren vermindert vor allem das Risiko einer späteren Niereninsuffizienz. Die neueste Weiterentwicklung dieser Technik, welche auch auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie vorgestellt werden, sind die nahezu narbenfreie Operation an der Niere mit singulärem Operationszugang in die Bauchhöhle über den Nabel und die komplett narbenfreie Operation mit dem Zugangsweg, z.B. bei der Frau über die Scheide. Durch diese komplett neu entwickelte Operationstechnik kann an der Niere erstmals ohne sichtbare Hautnarben operiert werden.

Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms

Neue Chemotherapien

War früher das Nierenzellkarzinom im fortgeschrittenen Stadium ein Tumor, der schlecht auf eine Chemotherapie ansprach, so kann heute durch zielgerichtete medikamentöse Therapien ein verlängertes Überleben unter Erhalt der Lebensqualität erreicht werden. Dieser Lichtblick für den Patienten gelang durch die Einführung molekularer Medikamente (targeted therapy), die den Nierenkrebs zielgerichtet in seinem Wachstum und der Ausbildung neuer Blutgefäße, die der Tumor zur Nährstoffversorgung benötigt, hemmen.

Eine zunehmende Anzahl dieser neuen Medikamente erlaubt es dem Urologen heutzutage, eine individuelle Therapie für den erkrankten Patienten zusammenzustellen. Diese medikamentöse Vielfalt wird aktuell vergrößert durch neu zugelassene Medikamente, aus der Klasse der „m-TOR“ Inhibitoren (Temsirolimus „Torisel“, Rapamycin „Novartis“), die das Nierenkrebswachstum an einem Schlüsselprotein der Zellvermehrung hemmen. An eigenen Arbeiten konnte gezeigt werden, dass dieses Protein im Nierenkarzinom verstärkt gebildet wird und eine zentrale Rolle im Tumorwachstum einzunehmen scheint.

Ein weiterer Hoffnungsträger ist die mögliche Kombination neuer Krebsmedikamente. In derzeit laufenden Studien werden praktisch alle Kombinationen beim metastasierten Nierenzellkarzinom getestet, wie z.B. ein Antikörpergegen die Blutgefäßneubildung /Bevacizumab) zusammen mit dem Zellproliferationshemmer „Everolismus“.

Im forgeschrittenen Matastasierungsstadium kommt es bei Patienten mit einem Nierenzellkarzinom häufig zu Knochenmetastasen, die oftmals schmerzhaft und mit einem erhöhten Risiko für einen Knochenbruch verbunden sind.

Eine prospektive Studie, die ebenfalls auf dem diesjährigen Urologenkongress diskutiert wird, zeigte durch die regelmäßige Gabe des Medikamentes Zoledronsäure eine Verminderung dieser Komplikationen am Knochen auch beim Nierenzellkarzinom (wurde bislang überwiegend bei Patienten mt Prostatakrebs eingesetzt).

Ein weiterer neuer Therapieansatz ist die Hemmung des RANKL durch den monoklonalen Antikörper Desonumab. RANKL (Receptor Activator of Nuclear Factor IB Ligand), ein TNF-verwandter Botenstoff(Zytokin) fungiert auf der Zelloberfläche als Signalgeber zwischen von Osteoblasten (knochenbildende Zellen) und Osteoklasten (knochenabbauenden Zellen) und kann die Progression von Knochenmetastasen mindern und Knochendestruktion blockieren.

Impfungen gegen Nierenzellkrebs

Die Bekämpfung des Nierenkrebses durch die Aktivierung der körpereigenen Immunabwehr erscheint ein sanftes und wirksames Verfahren in der Therapie des Nierenkrebses zu sein. Die Idee der Aktivierung des körpereigenenImmunsystems zur Krebstherapie wurde in der Vergangenheit bereits vielfach eingesetzt, jedoch mit eher enttäuschenden Ergebnissen im Vergleich zur bestehenden Chemotherapie.

Waren die Impftherapien in der Vergangenheit vor allem dadurch gekennzeichnet, dass das Immunsystem zu ungenau gegen den Nierentumor aktiviert wurde, so besteht heute die Möglichkeit, eine zielgerichtete Immunaktivierung gegen den Nierenkrebs vorzunehmen. Deutsche Forschergruppen, bestehend aus Immunologen und Urologen konnten eine Vielzahl an Proteinen identifizieren, die vom Nierentumor gebildet werden.

In einerlaufenden Impfstudie erfolgt dabei eine Sensibilisierung des Immunsystems gegen spezifische vom Tumor verstärkt gebildete Proteine, zur Vorbeugung eines Wiederauftretens des Nierenkrebses bei Risikopatienten nach erfolgter Operation. Nebenwirkungsarm wurde diese Impftherapie bereits auch bei Patienten mit Fernmetastasen eingesetzt.

Ist durch die „targeted therapy“ ein Stillstand der Erkrankung erreicht, könnte die Impftherape durch die Aktivierung des Immunsystems zu einem weiteren Zurückdrängen des Tumors führen. Die Kombination beider Verfahren scheint sehr vielversprechend und diese klinische Anwendung wird derzeit untersucht.


Krebszeitung

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