Die neue S3-Leitlinie "Unkompliierte Harnwegsinfektionen" unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist in der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaft (AWMF) abgestimmt. Unter anderem ist diese Leitlinie mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für klinische Nephrologie, der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin sowie der Deutschen Gesellswchaft für Hygiene und Mikrobiologie und unter Mitarbeit von Patientenvertretern erarbeitet worden.
Unkomplizierte Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Infektionen im ambulanten Bereich. Hierzu zählen vor allem die unkomplizierte Blasenentzündung und die akute unkomplizierte Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Überwiegend sind Frauen betroffen.
Es besteht Konsens, dass die Diagnosestellung alleine aufgrund der Symptome (imperativer Harndrang, Pollakisurie, Schmerz oberhalb der Symphyse) mit einer Fehlerquote von bis zu 30% behaftet ist. Auch der Einsatz von Urinteststreifen und sogar der Urinmikroskopie erhöht die diagnostische Genauigkeit nicht. Der Goldstandard zur Diagnose einer Harnwegsinfektion ist bei entsprechender Symptomatik die quantitative Urinkultur und deren Beurteilung. Das besondere der Leitlinienempfehlung ist, dass aus wirtschaftlichen Gründen in Anbetracht der derzeitigen Datenlage bei der unkomplizierten Blasenentzündung bei gesunden, nicht schwangeren Frauen auf die Urinkultur verzichtet werden kann. Allein aufgrund der Symptomatik dann eine Antibiotikatherapie eingeleitet werden.Danach wird eine Einmaltherapie oder Kurzzeittherapie empfohlen. Besteht eine Nierenbeckenentzündung (z.B. klopfschmerzhaftes Nierenlager und Flankenschmerzen mit und ohne Fieber) werden Fluorchinolone empfohlen, die bei der Standardtherapie der unkomlizierten Blasenentzündung aufgrund der erheblichen Resistenzentwicklung nicht mehr als Medikamente der ersten Wahl anzusehen sind.
Der Nachweis von Bakterien ohne Symptome, d. h. die "asymptomatische Bakteriurie" soll nicht antibiotisch behandelt werden, es sei denn, es handelt sich um Schwangere oder es ist eine Intervention im Harntrakt vorgesehen.
Zusammenfassend gibt die neue S3-Leitlinie der Unkomplizierten Harnwegsinfektion den Medizinern in Deutschland eine solide "Evidence Base" validierte Grundlage für Diagnose und Therapie.
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