Modellprojekt in Schleswig-Holstein Hautkrebs-Test

Gesund bleiben kann man nicht früh genug!Deshalb können jetzt alle gesetzlich versicherten Schleswig-Holsteiner ab dem 20. Lebensjahr den Hautkrebs-Test machen lassen. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen in Schleswig-Holstein, wenn der auf der Chipkarte gespeicherte Wohnsitz in diesem Bundesland liegt. Möglich macht dies ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, das jetzt unter der Schirmherrschaft der schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerin Heide Moser startet.

Gesundheitsberatung jetzt kostenlos

Doch es geht dabei nicht allein um den Hautkrebs und den richtigen Umgang mit der UV-Strahlung. Eine ausführliche Gesundheitsberatung über die gesetzlichen Krebs-Früherkennungsuntersuchungen und der persönliche Präventionspass gehören auch dazu.

Die gesetzlichen Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen werden viel zu wenig genutzt. Nur 48 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer in Deutschland nehmen diese Möglichkeit wahr. Das soll sich mit dem Hautkrebs-Test ändern. Das Angebot ist zunächst bis zum 30. Juni 2004 befristet, da es ein Modellprojekt ist. Es wurde vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen entwickelt und gilt als Generalprobe. Mit der Durchführung wurden die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention und die Deutsche Krebshilfe beauftragt. Verläuft die Generalprobe erfolgreich, wird der Hautkrebs-Test ab 2005 in ganz Deutschland eingeführt. „Die Bedingungen in Schleswig-Holstein sind für das Modellprojekt ideal. Alle gesetzlichen Krankenkassen machen mit und das gut geführte Krebsregister bietet eine gute Basis für die Auswertung“, freut sich Moser und hofft auf eine rege Teilnahme der Schleswig-Holsteiner.

„Der Hautkrebs-Test ist ganz unkompliziert und tut nicht weh. Früh erkannt ist Hautkrebs fast zu 100 Prozent heilbar“, erklärt Prof. Eckhard Breitbart, Zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V.

Der Arzt untersucht beim Hautkrebs-Test die komplette Haut und die Schleimhäute von der Kopfhaut bis zu den Fußsohlen auf verdächtige Veränderungen. Einmal ganz ausziehen, damit nichts übersehen wird, gehört hier genauso zum Qualitätsstandard wie die Gesundheitsberatung über das richtige Verhalten in der Sonne und über alle relevanten Krebs-Früherkennungsuntersuchungen. Außerdem wird der Präventionspass ausgehändigt. Er wurde speziell für das Modellprojekt entwickelt und als lebenslanger Begleiter konzipiert: Alle im Laufe eines Lebens relevanten Krebs-Früherkennungsuntersuchungen und die Gesundheitsuntersuchung werden darin dokumentiert. Zu welchem Zeitpunkt sie für den Passbesitzer relevant sind, wird in der Praxis errechnet und zusammen mit den persönlichen Daten eingetragen. So wird der Pass zu einem wichtigen Dokument für die Gesundheit.

Den Hautkrebs-Test können Allgemeinmediziner, Chirurgen, Dermatologen, Gynäkologen, Internisten und Urologen in ihrer Praxis in Schleswig-Holstein durchführen, wenn sie an einem Training für dieses Modellprojekt teilgenommen haben. Bis Mitte August werden es insgesamt 1.600 Praxen sein. Das Training soll ebenso wie die neue zweitstufige Untersuchungsmethode einen hohen Qualitätsstandard gewährleisten. Sollte der Arzt eine Auffälligkeit an der Haut entdecken und kein Dermatologe sein, erfolgt eine Überweisung zum Dermatologen. Nur dieser führt eine abklärende Untersuchung und, falls erforderlich, alle weiteren Maßnahmen durch.

Wer wissen möchte, ob sein Arzt an dem Modellprojekt teilnimmt, fragt ihn direkt oder beim Informationsdienst der Deutschen Krebshilfe unter Telefon 0228 / 72990-95 nach. Ein entsprechendes Arztsuchsystem und weitere Informationen gibt es außerdem auf der Website www.jetztgesundbleiben.de. An dem Modellprojekt beteiligte Praxen sprechen ihre Patienten außerdem direkt auf die Hautkrebs-Untersuchung an oder weisen mit Plakaten und Informations-Flyern darauf hin.

Eine umfangreiche Plakat- und Anzeigenkampagne soll die Bevölkerung zum Hautkrebs-Test motivieren. „Mit dem Slogan „Schön, wie positiv sich ein negativer Befund auf Ihre Stimmung auswirkt“ wollen wir Mut machen. Denn früh erkannt, hat Krebs keine Chance“, erklärt Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

Die Umsetzung des Modellprojektes in Schleswig-Holstein machen die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein möglich: AEV-Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V., AOK Schleswig-Holstein, BKK-Landesverband NORD, IKK-Landesverband Nord, Landwirtschaftliche Krankenkasse Schleswig-Holstein-Hamburg, Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V. (VdAK). Für den Hautkrebs-Test arbeiten sie zusammen und übernehmen alle dafür die Kosten für ihre Versicherten.

Deutsche Krebshilfe – Kiel

Erkältungsviren sollen Hautkrebszellen zerstören

Deutsche Krebshilfe fördert neuen Therapie-Ansatz

Erlangen (nh) – Jedes Jahr erkranken etwa 11.400 Menschen in Deutschland an einem malignen Melanom – dem bösartigen schwarzen Hautkrebs. Seit den 70-er Jahren haben sich die Erkrankungsraten annährend versechsfacht. Dieser Tumor ist besonders gefährlich und beim Vorliegen von Metastasen nur selten heilbar. Wissenschaftler der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen arbeiten jetzt an einer neuartigen Therapie-Strategie, bei der harmlose Erkältungsviren die bösartigen Krebszellen zerstören sollen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 200.400 Euro.

„Eine Erfolg versprechende Therapieform gegen Krebs ist die gezielte Zerstörung der Tumorzellen durch eine Virus-Infektion“, erklärt Dr. Dirk Nettelbeck, Projektleiter an der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Diese Strategie basiert darauf, dass Viren in Zellen eindringen, sich darin stark vermehren und die Zellen dadurch zum Platzen bringen. Tausende neuer Erreger schwärmen aus und befallen weitere Zellen. So lösen Viren verschiedene Krankheiten aus. Die Winzlinge erkennen ihr Zielobjekt mit Hilfe von Antennen, mit denen sie an passende Oberflächenmoleküle der jeweiligen Zelle andocken, um dann einzudringen.

In dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt sollen genetisch veränderte Viren – so genannte o­nkolytische Viren – ganz gezielt Hautkrebszellen befallen, diese zerstören und sich ausschließlich im Tumor ausbreiten. „Im Tiermodell konnte das Prinzip der viralen o­nkolyse bereits erfolgreich angewandt werden, erste klinischen Studien in den USA verliefen vielversprechend“, so Dr. Nettelbeck. Die Erlanger Wissenschaftler setzen Adenoviren ein, die sehr gut untersucht sind und beim Menschen eher harmlose Erkältungskrankheiten erzeugen.

Von alleine infizieren Adenoviren die Krebszellen nur unzureichend. Damit die kleinen Helfer in der Krebs-Therapie zielgenau treffen, arbeitet das Erlanger Forscherteam an zwei Strategien zur Entwicklung effektiver o­nkolytischer Adenoviren: „Bei der einen Methode verändern wir die Antennen der Viren, damit sie effizient – im Idealfall sogar ausschließlich – an Hautkrebszellen andocken und nur in diese eindringen“, erklärt Dr. Nettelbeck. Bei der anderen Strategie wollen die Wissenschaftler die Viren so manipulieren, dass ihr Vermehrungsprogramm nur in Tumorzellen gestartet wird – gesundes Gewebe also verschont bleibt. „So ausgerüstet, sollen die Viren auch Tumorzellen in Tochtergeschwülsten zuverlässig aufspüren und diese zerstören“, beschreibt Dr. Nettelbeck einen großen Vorteil dieser Therapie-Strategie.

Die Virus-Therapie wird an der Dermatologischen Klinik in Erlangen, einem Therapiezentrum für das Melanom, zunächst spezifisch für diesen Hautkrebs entwickelt. Sie könne mit konventionellen Methoden wie Operation, Chemo- und Strahlentherapie oder auch mit einer Immuntherapie kombiniert werden. „Wenn wir beim Hautkrebs Erfolg haben, ist es durchaus denkbar, unsere Virus-Strategie auch zur Therapie anderen Krebsarten anzuwenden,“ erklärt Dr. Nettelbeck.

Infokasten: Hautkrebs
Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 120.000 Menschen neu an Hautkrebs, etwa 3.000 sterben daran. Je nach Entstehungsort und zellulärem Aufbau unterscheidet man folgende Hautkrebs-Arten: Basalzellkarzinom, Stachelzellkrebs (Plattenepithelkarzinom) und das besonders gefährliche maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs), an dem jährlich etwa 11.400 Menschen in Deutschland neu erkranken. Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs ist die UV-Strahlung – sowohl die natürliche Sonnenstrahlung als auch die künstlicher Besonnungsgeräte. Therapie der Wahl ist die möglichst frühzeitige operative Entfernung des Karzinoms und eventuell auch der zugehörigen Lymphknoten. Haben sich Metastasen in anderen Organen gebildet, muss eine Chemo- und/oder Immuntherapie durchgeführt werden. Früh erkannt, hat Hautkrebs eine hohe Heilungschance.

Projekt-Nr.: 10-2186

Deutsche Krebshilfe, Bonn, 26. Juli 2004


Krebszeitung

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