Lungenkrebs auf der Spur

Eine der gefährlichsten Formen von Lungenkrebs ist das so genannte kleinzellige Bronchialkarzinom, das für etwa einen von fünf Lungenkrebsfällen verantwortlich ist. Dieser Krebs wird sehr schnell resistent gegen die zur Behandlung eingesetzten Medikamente und verläuft in der Regel tödlich, denn 95% der Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs versterben innerhalb von drei Jahren nach der Diagnosestellung.

Zellwachstum und Zellteilung beim kleinzelligen Lungenkrebs

Elektronenmikroskopische Analyse der Verteilung der PI3K (Goldkerne) im kleinzelligen Bronchialkarzinom - Quelle: A.Arcaro und EMZ der Universität Zürich

Elektronenmikroskopische Analyse der Verteilung der PI3K (Goldkerne) im kleinzelligen Bronchialkarzinom – Quelle: A.Arcaro und EMZ der Universität Zürich

Die Ineffektivität der verfügbaren Behandlungsformen war der Grund dafür, dass wir in einem Forschungsprojekt an der Universität Zürich in der Schweiz herausfinden wollten, warum diese Form von Lungenkrebs so aggressiv ist und was sie so gefährlich macht.

Kleinzellige Bronchialkarzinome machen 25-30% aller Karzinome aus und haben wegen ihres schnellen Wachstums und der zeitigen Bildung von Tochter-Geschwülsten eine eher schlechte Heilungschance. Bei 80% der Betroffenen können schon bei der ersten Diagnose Tochter-Geschwülste nachgewiesen werden. Oft findet man sie im Gehirn, wo sie die verschiedensten neurologische Störungen hervorrufen können. Einige dieser Metastasen können Hormone ins Blut ausschütten und dadurch den natürlichen Hormonhaushalt beeinträchtigen.

Eine Wissenschaftlergruppe um Dr. Alexandre Arcaro untersucht dazu ein Molekül namens PI3K, das den Schlüssel zum Verständnis des kleinzelligen Lungenkrebses darstellen könnte. PI3K gehört zu den wichtigen Molekülen, die Botschaften von den Zellrezeptoren an die für Zellwachstum und Zellteilung zuständigen Mechanismen in der Zelle übermitteln. Der kleinzellige Lungenkrebs wird durch verschiedene Arten von hormonähnlichen Molekülen zum Wachstum angeregt. Jedes dieser Moleküle bindet sich an einen anderen Rezeptor der Krebszelle.

Sie alle zu blockieren wäre schwierig; daher besteht der aussichtsreichste Ansatz für eine neue Krebsbehandlung darin, die Rezeptoren an der Übermittlung ihrer Botschaften an das Zellwachstums- und Zellteilungssystem zu hindern. Die Signalübertragung geschieht durch Aktivierung von Molekülen entlang einer Art Molekülkette: Der Rezeptor aktiviert das erste Molekül, dieses das zweite, dieses das dritte, und so weiter. Offenbar laufen die Molekülketten von verschiedenen Rezeptoren zusammen, und PI3K scheint an den meisten dieser konvergierenden Molekülketten beteiligt zu sein.

Studien zum kleinzelligen Lungenkrebs zeigten, dass PI3K offenbar ständig aktiviert ist. Das passt gut zu der Vorstellung, dass es in den Krebszellen eine Schlüsselrolle bei der Stimulation der Zellteilung spielt. Kompliziert wird die Sache jedoch dadurch, dass es sich bei PI3K nach neuesten Erkenntnissen nicht um einen einzigen Molekültyp handelt. Wissenschaftler identifizierten vielmehr in Zellen acht verschiedene Versionen von PI3K, die offenbar alle geringfügig unterschiedliche Funktionen haben.

Als erstes stellt sich für Dr. Arcaro daher die Frage, welcher dieser PI3K-Typen verantwortlich ist für die Anregung von Zellwachstum und Zellteilung beim kleinzelligen Lungenkrebs. Um das herauszufinden, erzeugen die Wissenschaftler verschiedene Varianten von Lungenkrebszellen, in denen jeweils einer der PI3K-Typen inaktiviert ist, und untersuchen dann, in welchen dieser Varianten Zellwachstum und Zellteilung langsamer ablaufen als in den Originalkrebszellen.

Dr. Arcaro plant darüber hinaus, in anderen Krebszellen den Gehalt an bestimmten PI3K-Typen zu erhöhen um festzustellen, durch welchen Typ sich die Zellteilung beschleunigen lässt. Die Identifikation des am Wachstum des kleinzelligen Lungenkrebses beteiligten PI3K-Typs kann dann die Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente bilden, die die Wirkung genau dieses Moleküls blockieren und das Krebswachstum so zum Stillstand bringen können.

Kontakt: PhD Alexandre Arcaro, ZürichTel. +41 (44) 2667640 Fax +41 (44) 2667169
e-mail: alexandre.arcaro@kispi.uzh.ch

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 €.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen: www.wilhelm-sander-stiftung.de

Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung, Bernhard Knappe


Krebszeitung

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