Krebs-Forschung – Naturstoff gegen Metastasen

Legende: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Lungenmetastase: Tumorzellen (grün) formen solide Tumorknoten, die in engem Kontakt mit umgebenden Kapillaren (rot) stehen. Die wechselseitige Kommunikation zwischen Tumorzellen und Endothelzellen ermöglicht das Wachstum von Metastasen. Endothelzellen können das Tumorwachstum dabei aktiv fördern. - Quelle: Oliver Meckes (Eye of Science) / H. Augustin (DKFZ)Legende: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Lungenmetastase: Tumorzellen (grün) formen solide Tumorknoten, die in engem Kontakt mit umgebenden Kapillaren (rot) stehen. Die wechselseitige Kommunikation zwischen Tumorzellen und Endothelzellen ermöglicht das Wachstum von Metastasen. Endothelzellen können das Tumorwachstum dabei aktiv fördern. - Quelle: Oliver Meckes (Eye of Science) / H. Augustin (DKFZ)

Die meisten Todesfälle aufgrund von Krebserkrankungen werden durch Metastasen verursacht. Noch gibt es keine Möglichkeit, die Ausbreitung der Krebszellen zu verhindern. Doch Naturstoffe aus Myxobakterien könnten die Antwort sein.

Der Kampf gegen Krebs ist mit einer Operation nicht abgeschlossen. Bestrahlung und Chemotherapie sollen verhindern, dass sich Tumorzellen im Körper ausbreiten. Noch gibt es keine ausreichende Therapie, die verhindert, dass sich Metastasen bilden. Der Grund dafür ist, dass Tumorzellen über hochkomplizierte Prozesse in andere Organe wandern. Das erschwert es Wissenschaftlern, ein Medikament dagegen zu entwickeln. Im Rahmen einer DFG-geförderten Forschergruppe (FOR 1406) hat ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Angelika Vollmar nun gezeigt, wie sich Metastasen möglicherweise stoppen lassen.

Ein komplex aufgebauter Naturstoff aus Myxobakterien könnte verhindern, dass die Krebszellen durch den Blutstrom wandern. „Wir konnten zeigen, dass dieses sogenannte Archazolid die Migration von hochinvasiven Tumorzellen sehr wirksam unterbindet“, berichtet Vollmar, die den Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie an der LMU inne hat. Im Tiermodell war das bereits erfolgreich: Tumorzellen der Brust wurden effizient daran gehindert, in die Lunge zu wandern.

Keine Zellwanderung ohne Protonenpumpe

Das Werkzeug dafür ist die Protonenpumpe V-ATPase, die in bestimmten Zellorganellen Aufnahme, Transport und Abbau von Signalmolekülen regelt. Aber das ist nicht alles: Wie das Forscherteam erstmals herausfand, ist V-ATPase auch entscheidend für die gerichtete Bewegung der Tumorzellen – und damit ein potenzielles Ziel für eine Behandlung.

Archazolid verhindert, dass die V-ATPase Signale weitergibt – und damit die Wanderung der Tumorzellen. „Die Hemmung der Protonenpumpe durch Archazolid, ist somit ein vielversprechender Ansatz für ein Medikament gegen Metastasierung“, sagt Vollmar. (debo)

Publikation:
The V-ATPase-inhibitor Archazolid abrogates tumor metastasis via inhibition of endocytic activation of the Rho-GTPase Rac1. Autor(en): Wiedmann RM, von Schwarzenberg K, Palamidessi A, Schreiner L, Kubisch R, Liebl J, Schempp C, Trauner D, Vereb G, Zahler S, Wagner E, Muller R, Scita G, Vollmar AM.
Journal, Jahr: Cancer Res. 2012 Sep 17. [Epub ahead of print] doi: 10.1158/0008-5472.CAN-12-1772
http://cancerres.aacrjournals.org/content/early/2012/09/15/0008-5472.CAN-12-1772.abstract

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Angelika M. Vollmar
Department Pharmazie-Zentrum für Pharmaforschung
Sprecherin der DFG- FOR 1406 (www.for1406.uni-muenchen.de)
Tel.: 089-2180-77172
Fax.:089-2180-77170
e-mail: angelika.vollmar@cup.uni-muenchen.de
http://www.pharmbiol.cup.uni-muenchen.de

Pressemitteilung Ludwig-Maximilians-Universität München, Luise Dirscherl


Krebszeitung

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