Krankheiten verstehen und heilen

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Das menschliche Genom ist seit zwei Jahren entschlüsselt. Wie gehen Forschungseinrichtungen, wie das NGFN, mit der gewonnenen Datenflut um, welche neue Möglichkeiten bieten sich nun den Wissenschaftlern? Seit 2001 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Nationale Genomforschungsnetz (NGFN), um die Funktion der menschlichen Gene aufzuklären. Im Mittelpunkt der Arbeiten steht die Erforschung der genetischen Ursachen von häufigen Krankheiten, wie z.B. bei Krebs.

DAS NATIONALE GENOMFORSCHUNGSNETZ – NGFN

Grafik: MasterMediaDie Ergebnisse der Humangenomforschung werden für die medizini­sche Praxis immer bedeutender: Bei der Vorbeugung, Diagnose und Therapie vieler Krankheiten werden zunehmend die mole­kularen Kenntnisse über die Krankheitsursachen wichtig, um mit neuesten Medikamenten heilen zu können.

Die NGFN-Wissenschaftler erarbeiten deshalb neben den wis­senschaftlichen Grundlagen auch geeignete Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Außerdem erforschen sie, inwieweit unsere Gene die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen. Ihr Ziel ist es, Krankheiten zu verstehen und dadurch Ansatzpunkte für die Behandlung bisher unheilbarer Krankheiten zu finden.

„Bei aller Euphorie über die neuen Möglichkeiten in der Forschung, müssen wir aber zugeben, dass wir erst am Anfang einer sehr spannenden Entwicklung neuer, gezielt wirkender Medikamente stehen“, so Dr. Wolfgang Rottbauer, vom NGFN, Heidelberg.
„Gerade die Stammzellenforschung und die Forschung mittels Tiermodellen, wie den „Zebrafischen“ werden hier eine zentrale Rolle spielen.“

Vernetzt zum Erfolg

Um ihr Ziel zu erreichen, arbeiten im NGFN führende Experten unterschiedlicher Fachrichtungen – zum Beispiel Biologen, Chemiker, Mediziner und Informatiker – aus Kliniken, Universitäten und Großforschungseinrichtungen zusammen. Diese Netzwerkstruktur hat international große Beachtung gefunden und Forscher aus anderen euro­päischen Ländern und den USA nach Deutschland geführt. In den insgesamt neun krankheitsorientierten Genom-netzen des NGFN erforschen die Wissenschaftler die Ursachen weit verbreiteter Krankheiten: dazu zählen Krebs, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems. Außerdem werden Krankheiten untersucht, die auf Infektionen und Entzündungen sowie Umweltfaktoren beruhen.

Die Erforschung dieser komplexen Krankheiten ist jedoch nur möglich, wenn man systematisch tausende von Genen analysiert. Um den hierfür nötigen Kosten- und Zeitaufwand auf ein vertretbares Maß zu reduzieren, werden solche groß angelegten Analysen von den Arbeitsgruppen der Systematisch-Methodischen Plattformen (SMP) übernommen. In zwölf SMP wenden hoch spezialisierte Fachleute leistungsfähige Technologien der modernen Hochdurch-satzforschung an und entwickeln diese kontinuierlich weiter. Außerdem stel­len sie allen NGFN-Wissenschaftlern eine effiziente Datenverarbeitung zur Verfügung.

Seit 2004 wurde mit den Explorativen Projekten (EP) dar­über hinaus ein Instrument geschaf­fen, das neue Technologien und Anwendungsgebiete für die Human­genomforschung erschließen soll. In insgesamt 19 Explorativen Projekten gibt das NGFN Forschern die Möglich­keit, innovative Forschungsideen zu über­prüfen und umzusetzen.

International wegweisend

Das NGFN baut auf dem Deutschen Humangenomprojekt (DHGP) auf, in dem von 1995 bis 2004 grundlegende gene­tische Analysen für die Entschlüsselung des menschlichen Genoms und anschließend Funktionsanalysen durchgeführt wurden.

Bereits in der ersten Förderphase des NGFN von 2001 bis 2004 konnten die Wissenschaftler eindrucksvolle Ergebnisse erzielen: Sie entdeckten Krankheitsgene für Allergien, chronische Darmentzündungen, Alkoholsucht, Epilepsie, Parkinson und Sarkoidose. Internationale Beachtung fand auch die Entwicklung von neuen DNA-Chips, mit deren Hilfe man krankheitsrelevante Genveränderungen bei Nieren-, Brust- und Blutkrebs oder angeborenen Herzkrankheiten erkennen kann.

2003 wurden die Arbeiten des NFGN von einem internationalen Expertengremium evaluiert. Die Ergebnisse der Begutachtung waren Anlass für die zweite, aktuelle Förderphase, die noch bis Ende 2007 andauert. Die intensive Kooperation von Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen im NGFN bezeichneten die Experten als „interna­tional wegweisend“. Sie bescheinigten dem NGFN außerdem, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in einem der wichtigsten wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche gestärkt zu haben.


Krebszeitung

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