HPV – „Impft auch die Jungs!“

Ein Beispiel der Krebs- Früherkennung ist die HPV-Testung (HPV ist ein Virus, der bei Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen kann.

Was hat Krebs mit Jungensprechstunde zu tun?

„Ich bin tief davon überzeugt, dass die HPV-Impfung von Jungen von großer Bedeutung ist – nicht nur wegen der Tatsache, dass Männer die Hauptübertragungsquelle für Hochrisiko- Papillomvirusinfektionen sind, sondern auch, weil sowohl im Oropharyngeal-Bereich wie auch im Anal- und externen Genitalbereich Krebserkrankungen auftreten, die zumindest zu einem großen Teil durch die gleichen Viren verursacht werden wie beim Gebärmutterhalskrebs.

Schließlich sollte auch noch betont werden, dass Genitalwarzen bei beiden Geschlechtern ein extrem unangenehmes Problem darstellen und zumindest eine der verfügbaren Impfungen auch einen Schutz gegen diese Warzen verleiht.“ Diese Worte darf ich Ihnen, verehrte Anwesende, im Namen von Herrn Prof. Dr. Harald zur Hausen, Medizin-Nobelpreisträger 2008, Entdecker der HP-Viren als Krebserreger und Vater der HPVImpfung, aus Heidelberg übermitteln.

Speziell zur Eröffnungs- Pressekonferenz dieses Kongresses hat er mir in einem Telefonat diese Botschaft gesendet: „In Deutschland erkranken pro Jahr mehr als sechstausend Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Zweitausend sterben an diesem Krebs. Das ist mit 30% eine viel zu hohe Rate.

Und wenn man sich vor Augen hält, in welchem Umfang die Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses behandelt werden, die ja immerhin etwa 100.000 Operationen pro Jahr in Deutschland erfordern, ist das schon eine sehr hohe Zahl.“ Seit Einführung der Mädchenimpfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr wurden laut Robert Koch-Institut bis zum Juni 2015 etwa 40% der Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren geimpft.

Um einen wirksamen Schutz vor der Übertragung und Erkrankung zu erreichen, müssten etwa 85% der Mädchen geimpft werden, wobei die homosexuellen Jungen als potentielle Überträger gar nicht erreicht würden. Die sogenannte Herdenimmunität verhindert – das wissen wir aus den Erfahrungen mit australischen Buschbränden – das Übergreifen der Viren auf andere analog einer Brandschneise das Übergreifen der Flammen; je breiter die Brandschneise, also je mehr Geimpfte, desto größer ist der Schutz. Aber die Australier können nicht nur Großbrände löschen: Neben den USA, Kanada und Österreich sind sie die einzige Nation, die das verstanden hat und selbstverständlich auch die Jungen impft. Aktuell hat übrigens der Humanarzneimittelausschuss der EMA (European Medicines Agency) empfohlen, einen weiteren HPV-Impfstoff zuzulassen.

Das neue Präparat schützt vor neun potenziell kanzerogenen HPV-Subtypen, die derzeit erhältlichen Vakzine nur vor vier (Gardasil) bzw. zwei (Cervarix) Subtypen und ist in den USA bereits für Mädchen und Jungen zugelassen. HPV (Human papilloma virus) verursacht als heute weltweit häufigster sexuell übertragbarer Erreger nicht nur die unangenehmen Feigwarzen und 80% der Gebärmutterhalskarzinome bei Frauen, sondern auch eine durch Diversifizierung der Sexualpraktiken steigende Zahl der geschlechtsunabhängigen Anal- und Mund-/Rachenkarzinome.

Bei konsequenter Durchimpfung wären neben etwa 80.000 Gebärmutterhalsoperationen bei Frauen, fast allen Feigwarzen eben auch viele oft nicht optimal behandelbare Krebserkrankungen des Anus und Mund-Rachenbereiches vermeidbar. Und was tun die Kostenträger in unserem reichsten Gesundheitssystem der Welt?

Trotzdem der Impfstoff für beide Geschlechter zugelassen ist und die AWMF-S-3-Leitlinie zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien die Impfung für Jungen einstimmig empfiehlt, übernehmen derzeit nur 15 von 133 Krankenkassen – überwiegend kleine, innovative BKKen – die Kosten für die Jungenimpfung. Und die Ärzte? Nur die offensichtlich fortschrittlichen Sachsen empfehlen die Impfung für Jungen über ihre Impfkommission.

Wie halten wir es da mit „Gender-Medizin“ bei dieser offenkundigen Diskriminierung des männlichen Geschlechtes? Das war wohl nichts… Niemand käme doch auf die Idee, bei z.B. den hochgefährlichen, sexuell übertragbaren Hepatitis-Formen B,C,D etc. eine wirksame Prävention nur der einen Hälfte der Risikogruppen zu empfehlen.

Urteil: komplett durchgefallen! Wo ist der Zusammenhang zur Jungensprechstunde?

Nun, mit diesem Konzept, den Jungen mit allen Fragen um die Pubertät die Urologen als Ansprechpartner zu empfehlen, können wir als Experten für sexuell übertragbare Erkrankungen als idealer Mediator für diesen nachhaltigen Beitrag zur Frauen- und Männergesundheit dienen. Also: Fordern wir alle gemeinsam die Kostenträger hörbar und unmissverständlich auf, ihre Pflicht zu tun und folgen der Botschaft von Harald zur Hausen als weltweit exponiertem Forscher: „Impft auch die Jungs!“

Statement von Dr. med. Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V., anlässlich der Pressekonferenz der 67. DGU-Konferenz


Krebszeitung

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