Hormone und Brustkrebs

Die Entwicklung von Brustkrebs wird von weiblichen Sexualhormonen wie den Östrogenen beschleunigt. Das Verständnis der genauen Mechanismen ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Brustkrebs-Therapie. Aus diesem Grund erforscht die Arbeitsgruppe Treeck am Lehrstuhl für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uni Regensburg die Bedeutung verschiedener Rezeptoren, die das Östrogensignal aufnehmen und weiterleiten.

Diese Rezeptoren, auch Östrogenrezeptoren genannt, befinden sich im Zellinneren und steuern das Wachstum von Brustkrebszellen. Daher sind sie auch heute bereits Ziele einer gerichteten Brustkrebs-Therapie mit sogenannten Antiöstrogenen, die dieses Wachstum hemmen können.

Allerdings haben nicht alle Brustkrebs-Patientinnen Karzinome, deren Zellen Östrogenrezeptoren aufweisen. Daher wird vor dem Einsatz einer Antiöstrogentherapie überprüft, ob diese Rezeptoren vorhanden sind.

Östrogenrezeptoren sind also wichtig für die Therapie von Frauen mit Brustkrebs.

Auf der anderen Seite gibt der Nachweis dieser Rezeptoren im Tumor auch Aufschluss über die Prognose, also den erwarteten Krankheitsverlauf von Brustkrebs-Patientinnen. Hierbei gilt, dass das Fehlen von Östrogenrezeptoren mit einer eher ungünstigen Prognose für die Patientin verbunden ist. Auch aus diesem Grund wird heute bei jeder Brustkrebs-Patientin der sogenannte Hormonrezeptorstatus bestimmt.

In der letzten Zeit wurde allerdings ein weiterer Östrogenrezeptor (ER-beta) entdeckt, dessen Bedeutung für Therapie und Prognose beim Brustkrebs nicht verstanden wird. Ausserdem wurden mehr als 40 Varianten dieser Rezeptoren entdeckt. Bei einigen dieser Varianten wurde bereits gezeigt, dass sie eine andere, zum Teil sogar gegensätzliche Funktion, in Brustkrebszellen ausüben. In der heutigen klinischen Routine wird weder das Vorhandensein von ER-beta noch dieser Varianten untersucht.

In Brustkrebszellen ist nicht nur jeweils einer dieser Rezeptortypen vorhanden, sondern immer eine Kombination verschiedener Rezeptoren (auch Rezeptor-Profil genannt). Diese Kombination unterscheidet sich jedoch bei verschiedenen Brustkrebs-Patientinnnen. Das Ziel des von der Wilhelm-Sander Stiftung geförderten Projektes der Arbeitsgruppe Treeck ist es nun, die Bedeutung verschiedener Hormonrezeptor-Profile für die Prognose und Therapie beim Brustkrebs zu untersuchen. Da die verschiedenen Rezeptortypen nicht nur unterschiedliche Effekte auf die Brustkrebszelle ausüben, sondern auch noch miteinander interagieren, ist es wichtig, nicht nur -wie bisher- das Vorhandensein eines Rezeptortyps zu untersuchen, sondern alle für Prognose und Therapie relevanten Rezeptoren.

Diese Untersuchung soll es ermöglichen, jeder Patientin eine maßgeschneiderte Therapie, zugeschnitten auf ihr individuelles Rezeptorprofil, zukommen zu lassen. Ein weiteres Resultat des nun angelaufenen Projektes soll es sein, Rezeptoren zu identifizieren, die sich als Zielmoleküle für neue Therapeutika eignen könnten, um die Therapie von Frauen mit Brustkrebs noch weiter zu verbessern.

Kontakt:

PD Dr. rer. nat. Oliver Treeck, Lehrstuhl für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg.

Telefon: 0941-7827520,
E-mail: treeck@caritasstjosef.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 90.000 €.

Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: www.sanst.de

Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung, Bernhard Knappe


Krebszeitung

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