Helfen. Forschen. Informieren

v.links n.rechts: Bernd Schmidt, Friedrich Carl Janssen, Prof. Dr. Otmar D. Wiestler, Gerd Nettekoven - Foto: D.HöwingDeutsche Krebshilfe

(Berlin, 6.7.2005 – DH) Nach neuesten Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich fast 400.000 Menschen neu an Krebs, 210.000 sterben pro Jahr an den Folgen dieser Erkrankung. Brustkrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs sind die häufigsten Krebsarten bei Frauen. Männer erkranken besonders häufig an Prostatakrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs. Experten schätzen, dass rund zwei Drittel aller Krebskrankheiten durch Verzicht auf das Rauchen, gesunde Ernährung, Sport und einen vorsichtigen Umgang mit der Sonne vermieden werden können.

Die Deutsche Krebshilfe zieht nach 30 Jahren Bilanz

v.links n.rechts: Bernd Schmidt, Friedrich Carl Janssen, Prof. Dr. Otmar D. Wiestler, Gerd Nettekoven - Foto: D.HöwingFrüh erkannt, haben viele Krebserkrankungen eine große Heilungschance. Hier setzt die Deutsche Krebshilfe an, die vor über 30 Jahren mit Unterstützung von Frau Dr. Mildred Scheel gegründet wurde, um den einzelnen Betroffenen zu helfen, die Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben und die Bevölkerung über die Entstehung, Früherkennung und über Präventionsmaßnahmen zu informieren.

Das Jahr 2004 war für die Deutsche Krebshilfe ein sehr erfolgreiches Jahr. Die Einnahmen der Deutschen Krebshilfe und ihrer Tochterorganisationen lagen bei insgesamt 78,1 Millionen Euro.
Den größten Einnahmeposten stellten 2004 die 413 Erbschaften und Vermächtnisse dar. Insgesamt erbrachten sie die Rekordsumme von 30,6 Milli­onen Euro. Was diesen Einnahmeposten betrifft, hat die Deutsche Krebshilfe damit im bundesweiten Vergleich weiterhin eine Spitzenposition inne. „Gerade dieser Posten zeigt einmal mehr, wie viel Vertrauen die Menschen in unsere Arbeit haben. Sie wollen mit ihren Lebensersparnissen den Kampf gegen den Krebs voran bringen und anderen Menschen helfen. Wir möchten uns hier besonders bei unseren Spendern bedanken, ohne die unsere Arbeit nicht möglich währe. Gelder aus Erbschaften und Vermächtnissen setzen wir überwiegend für die Krebsforschung ein“, betonte Friedrich Carl Janssen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

Rund 24,7 Millionen Euro erhielt die deutsche Krebshilfe im letzten Jahr aus Einzelspenden und Mit­gliedsbeiträgen. Aus Veranstaltungen und Aktionen zugunsten der Deutschen Krebshil­fe oder der Deutschen Kinder- Krebshilfe kamen 2,7 Millionen Euro hinzu. Die Ein­nahmen aus Kondolenzspenden lagen bei 3,8 Millionen Euro. Dazu kamen rund 800.000 Euro an Bußgeldern.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Deutsche Krebshilfe insgesamt 121 neue Projekte gefördert.
Die Projektaufwendungen setzten sich wie folgt zusammen:

20,4 Millionen Euro für klinische Maßnahmen,
15,0 Millionen Euro für Projekte aus der kliniknahen Grundlagenforschung,
3,1 Millio­nen Euro für Kinderkrebsprojekte,
2,0 Millionen Euro für die Krebs- Selbsthilfe,
4,8 Millionen Euro investierte sie für Informa­tion und Aufklärung.
5,3 Millionen Euro kamen 11.553 krebskranken Menschen zugute, die sich im letzten Jahr an den Härtefonds der Deutschen Krebshilfe wandten. Die Zahl der Anträge hat sich gegenüber dem Jahr 2003 um 20% erhöht. In Zeiten schwacher Wirtschaft, hoher Arbeitslosigkeit und wachsenden Kostendrucks im Ge­sundheitswesen ist dieser Trend nicht verwunderlich. Betroffen macht allen das Ausmaß der Not.

Eine Betroffene schrieb der Deutschen Krebshilfe: „Da ich durch meine Krebs-Erkrankung viel Gewicht verloren habe, konnte ich mir mit Ihrer Zuwendung neue Bekleidung anschaffen. Ich hoffe, dass Sie noch vielen krebskranken Menschen helfen können.“ Ich glaube, ein solcher Brief zeigt jedem, wie wichtig die Deutsche Krebshilfe für uns in Deutschland ist.

Das Jahr 2004 stand ganz im Zeichen des 30-jährigen Bestehens der Deutschen Krebs­hilfe. Unter dem Motto „Verantwortung für das Leben“ hat sie eine Kommunikations-Offensive gestartet, um auf ihre Ziele und Aufgaben hin­zuweisen.

Zahlreiche Prominente haben die Deutsche Krebshilfe dabei durch Auftritte in Funk und Fernsehen unterstützt und konnten die Menschen dazu motivieren, sich mit dem Thema Krebs auseinander zu setzen und Solidarität zu zeigen. Denn die Krankheit Krebs betrifft schon fast jede Familie in Deutschland

Sorge um die weitere Entwicklung der Krebsforschung

„Ohne Forschung gibt es in der Krebsbekämpfung keinen Fortschritt! Die Deutsche Krebshilfe ist nach wie vor der größte private Förderer der Krebsforschung in Deutschland: Mit Ausnahme von Studien, die von der Industrie finanziert werden, un­terstützt in Deutschland fast ausschließlich die Deutsche Krebshilfe die klinische For­schung in der o­nkologie. Das ist auf Dauer nicht tragbar“, so Janssen.

Und weiter:
„Die Deutsche Krebshilfe möchte mit dazu beitragen, die Versorgungsstrukturen in der o­nkologie in Deutschland zu verbessern. Der Medizinbetrieb und die Versorgungsket­te sind nach unserer Auffassung nicht optimal genug und damit nicht patientengerecht organi­siert. Nach der Evaluierung der Tumorzentren befassen wir uns derzeit mit Konzepten zur Neuausrichtung dieser Zentren beziehungsweise mit Überlegungen zur Etablierung o­nkologischer Spitzenzentren, die fachübergreifend arbeiten. Diese müssen unserer Bevölkerung flächendeckend zur Verfügung stehen.“

In klinischen Studien wird die Krebsbehandlung optimiert und an den jeweiligen Krank­heitsverlauf angepasst. Vor allem die so genannten Therapiestudien dienen der Verbes­serung in der Behandlung. Klinische Forschung in der o­nkologie, mit Ausnahme von Studien, die in den Aufgabenbereich der Industrie fallen, fördert in Deutschland fast ausschließlich die Deutsche Krebshilfe. Dies erfüllt die Deutsche Krebshilfe aus mehreren Gründen mit Sorge:

Nach der neuen Gesetzgebung, die durch die Novellierung des Arzneimittelgesetzes von 2004 in Kraft getreten ist, scheint die Durchführung und Finanzierung von Thera­pie-Optimierungsstudien erheblich erschwert. Ziel des neuen Arzneimittelgesetzes ist es, die Dokumentation und Qualität von klinischen Studien – und damit die Patienten­sicherheit – zu verbessern. Die Neuerungen im Arzneimittelgesetz bedeuten jedoch für Therapiestudien in der o­nkologie auch einen deutlich höheren Durchführungs- und Kostenaufwand. Für die Deutsche Krebshilfe als maßgeblichem Förderer von klinischen Studien wären sie damit im bisherigen Ausmaß nicht mehr finanzierbar.

Die Deutsche Krebshilfe hat daher die Politik aufgefordert, den nicht-kommerziellen Therapiestudien in der o­nkologie eine Sonderstellung einzuräumen. Diese Forderung fand Gehör: Derzeit setzt sich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinproduk­te dafür ein, unnötige Hürden abzubauen und die Bestimmungen für Therapie­optimierungsstudien zu erleichtern. Die Deutsche Krebshilfe appelliert zudem an die Kostenträger und den Bund, sich ebenfalls mehr an der Finanzierung von klinischen Studien zu beteiligen, um die Qualität in der Krebsbehandlung zu sichern und die Versorgung von Krebs-Patienten rasch und effizient weiter zu verbessern.

„Auch in Zukunft wird die Förderung der Krebsforschung ein wesentlicher Schwer­punkt unserer Arbeit bleiben. Dabei werden wir sowohl Einzelprojekte wie auch Ver­bund-Forschungsprojekte unterstützen. Unsere sechs Fachausschüsse setzen dabei immer wieder neue Prioritäten und entwickeln Förderkonzepte, die zum Teil auch in Ausschreibungen münden. Wir sind davon überzeugt, dass der Bedarf an Fördergelder für die Krebsforschung hoch bleiben wird“, so Professor Dr. Otmar Wiestier, Vorsitzender des Beirats der Deutschen Krebshilfe.

„Und gerade deshalb müssen wir die Politik und die Kostenträger mit in die Pflicht nehmen. Es kann nicht die Aufgabe einer gemeinnützigen Organisation sein, die klinische Forschung in Deutschland weitgehenst allein zu bestreiten.“

Weitere Forderungen und Aufgaben

„Die epidemiologische Krebsregistrierung ist in Deutschland nach wie vor unbefriedi­gend gelöst. Wir brauchen valide Zahlen über Neuerkrankungen, Heilungs- und Über­lebensraten. Bislang basieren all unsere Daten auf Schätzwerten — das muss sich än­dern, und hierzu wollen wir mit dazu beitragen, obwohl dies eigentlich die Aufgabe der Bundesländer ist. Wir appellieren erneut an alle Bundesländer, der Krebsregistrierung eine hohe Priorität einzuräumen“, fordert Janssen.

Zwei Drittel aller Krebserkrankungen wären vermeidbar durch Änderungen des Lebensstils. Prävention ist ein gesundheitspolitisches Schlagwort, doch es fehlen die Inhalte. Die Deutsche Krebshilfe sieht hier ein erhebliches Potential auf den Feldern Nichtrau­chen, gesunde Ernährung, Bewegung und UV-Schutz. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass der überaus sinnvolle Ansatz des Präventionsgesetzes gebremst worden ist und alle Beratungen über dieses Gesetz auf den Herbst vertagt wurden. Die Deutsche Krebshilfe will aber die Verhandlungen darüber auch mit einer neuen Bundesregierung weiter vorantreiben.

Früh erkannt, sind die meisten Krebserkrankungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit heilbar. Doch nach wie vor geht nur die Hälfte der Frauen und nicht einmal ein Fünftel der Männer zu den jährlichen Früherkennungsuntersuchungen. Dies muss sich ändern und auch hier will die Deutsche Krebshilfe zu einem Umdenken beitragen. Ihr Fachausschuss ‚Krebs-Früherkennung‘ wird sich mit Konzepten beschäftigen, um das gesetzliche Krebs-Früherkennungsprogramm weiterzuentwickeln und die Menschen dazu zu motivieren, die Untersuchungen wahrzunehmen.

Gerade in der heutigen Zeit – bei der Kostenproblematik im Gesundheitswesen – ist den Krebs-Selbsthilfeorganisationen mehr als je zuvor große Bedeutung beizumessen. Die Krebs-Selbsthilfe stellt ein wichtiges Modul innerhalb der Versorgungskette chronisch kranker Menschen dar. Die Deutsche Krebshilfe fördert fast alle großen Krebs-Selbsthilfeverbände schon seit mehr als zwei Jahrzehnten ideell und finanziell. Sie will damit erreichen, dass die Krebs-Selbsthilfe innerhalb der Ärzteschaft, aber auch im Gesundheitssystem allgemein und in der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit noch mehr Akzeptanz erfährt. Darum hat sie vor kurzem gemeinsam mit den Selbsthilfe-Verbänden den 16. November 2005 zum ersten ‚Tag der Krebs-Selbsthilfe‘ ausgerufen. Er soll künftig jährlich stattfinden und der Selbsthilfe zu einem noch höherem Stellenwert verhelfen.

Vieles hat die Deutsche Krebshilfe seit Ihrem Bestehen vor über 30 Jahren auf den Weg gebracht, vieles erreicht. Die neuen Anforderungen und Ziele zeigen aber, dass hier noch vieles getan werden muss, damit ein Umdenken in der Gesundheitspolitik, wie auch der Förderung der Krebsforschung in den politischen Parteien geschieht. Aber auch das Engagement der zahllosen Patienten, die in der Selbsthilfe ehrenamtlich tätig sind, muss hier stärker von der öffentlichen Hand, der Ärzteschaft und den Krankenkassen gefördert werden. Denn sie betreuen nicht nur Betroffene und deren Angehörige, sondern helfen mit der Deutschen Krebshilfe zusammen mit, die Bevölkerung über die Erkrankung Krebs, deren Vermeidung und über Früherkennungsmaßnahmen aufzuklären.

Weitere Informationen:
Deutsche Krebshilfe e.V.
Postfach 14 67
53004 Bonn
Fax: 0228-72 99 0 11
E-Mail: deutsche@krebshilfe.de
www.krebshilfe.de

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Pressemitteilung Deutsche Krebshilfe e. V.


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