Hautkrebs-Screening startet am 1.Juli

Hautnah betrachten - Hautkrebs früh erkennen - Quelle: Patientenratgeber der Deutschen Krebshilfe

Hautnah betrachten – Hautkrebs früh erkennen – Quelle: Patientenratgeber der Deutschen Krebshilfe

Berlin – Am 1. Juli 2008 startet das Angebot einer neuen Krebs-Früherkennungsuntersuchung: Alle gesetzlich Versicherten ab dem Alter von 35 Jahren haben dann alle zwei Jahre Anspruch auf eine qualitätsge­sicherte kostenlose Hautkrebsuntersuchung. „Die Einführung dieses Screenings ist eine große Chance im Kampf gegen den Hautkrebs“, be­tonte Professor Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. In Deutschland befinden sich derzeit mindestens 870.000 Hautkrebs-Patienten in medizinischer Behandlung. Seit 1980 hat sich die jährliche Neuerkrankungsrate für das maligne Melanom (.schwarzer Haut­krebs‘) verdreifacht. Bei Basalzellkarzinom und Spinozellulärem Karzinom (.heller Hautkrebs‘) treten heute sechs bis neun Mal mehr Neuerkrankun­gen auf als vor 35 Jahren. Die Ursache: ein geändertes Freizeitverhalten mit Sonnenurlauben rund um das Jahr sowie häufige Solarienbesuche. „Bisher hatte keine Generation ein so hohes Hautkrebsrisiko wie die der heute 35-Jährigen“, erklärte Professor Dr. Eckhard Breitbart, zweiter Vor­sitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP).

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat zum 1. Juli 2008 die Einführung eines bundesweiten qualitätsgesicherten Hautkrebs-Screenings für gesetzlich Versi­cherte ab 35 Jahren beschlossen. Deutschland führt damit weltweit als erstes Land eine flächendeckend organisierte, standardisierte Hautkrebs-Früherkennung ein. Rund 45 Millionen Versicherte (24 Millionen Frauen und 21 Mil­lionen Männer) haben künftig alle zwei Jahre ein Anrecht auf die Untersuchung. Diese wird als „standardisierte visuelle Ganzkörperuntersuchung“ durchgeführt. „Der Arzt schaut dabei mit dem bloßen, geschulten Auge, ohne Hilfsmittel, die ganze Haut vom Scheitel bis zu den Fußsohlen an“, betonte Breitbart, Außer­dem klärt der untersuchende Arzt dem Versicherten über die Möglichkeit der Nutzung von weiteren Krebs-Früherkennungsuntersuchungen auf.

Die Untersuchung auf Hautkrebs wird von speziell für das Screening fortgebildeten Haus- und Hautärzten durchgeführt. „Bisher haben sich rund 10.000 der 45.000 Hausärzte für das Hautkrebs-Screening qualifiziert“, so Dr. Diethard Sturm, Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung (IhF) im Deut­schen Hausärzteverband e. V., bei einer Pressekonferenz heute, am 19. Juni 2008, in Berlin. Die Fortbildung läuft auf Hochtouren: „Bis zum Ende des Jahres sollen 60 Prozent der berechtigten Ärzte für das Screening fortbildet werden. So kann ein wohnortnahes Angebot für die neue Früherkennungsleistung gesichert werden.“

Eine bevölkerungsbezogene Umfrage zum Thema Hautkrebs und Hautkrebs-Früherkennung, deren Ergebnisse im Rahmen der Pressekonferenz veröffent­licht wurden, zeigt, dass die Menschen sich mehr Aufklärung über Hautkrebs wünschen: „Rund 40 Prozent der Befragten hatten schon vom Hautkrebs-Screening gehört, 30 Prozent sind von ihrem Arzt auf präventive Gesundheits­leistungen angesprochen worden. Aber mehr als 75 Prozent erwarten aus­drücklich eine ausführliche Beratung durch ihren Arzt“, so Breitbart. Hier besteht also noch ein hoher Nachholbedarf von Seiten der Ärzte, denn gerade bei Prävention und Früherkennung fehlt es oft an ausreichender Ansprache der Versi­cherten.

Statement von Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe:

„Je früher eine Krebserkrankung entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Bereits in den Gründungsjahren der Deutschen Krebshilfe rief Frau Dr. Mildred Scheel die Bürger dazu auf, Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Seit fast 34 Jahren stellt unsere Organisa­tion dieses Thema immer wieder in den Mittelpunkt ihrer Informations- und Aufklärungsarbeit. Früh erkannt – heilbar, so lautet die Botschaft, mit der wir den Menschen die Angst vor dem Krebs nehmen möchten.

Die Ergebnisse des Hautkrebs-Screening-Modellprojektes von 2003/2004 in Schleswig-Holstein haben gezeigt, dass die Akzeptanz dieses Angebotes in der Bevölkerung hoch ist, denn Hautkrebs ist mit bloßem Auge erkennbar, die Untersuchung ist unkompliziert, schmerzfrei und wenig angst­besetzt. 366.000 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der bis dahin weltweit größten Studie zur Hautkrebs-Prävention teil. Mit diesem Projekt gelang es zudem erstmals, auch die Inanspruchnah­me der übrigen gesetzlichen Krebs-Früherkennungsuntersuchungen in Schleswig-Holstein zu stei­gern.

Die „Generalprobe“ in Schleswig-Holstein konnte eindruckvoll zeigen, dass mittels zielgruppen­spezifischer Information und direkter Ansprache durch die Ärzte das Interesse für Prävention und Gesundheitsförderung erhöht werden kann. Dies ist von besonderer Bedeutung, da die gesetzli­chen Krebs-Früherkennungsangebote immer noch viel zu wenig in Anspruch genommen werden. Männer und Frauen zeigen ein unterschiedliches Risikobewusstsein, wenn es um die Gesunderhal­tung ihres Körpers geht. Das sogenannte „starke Geschlecht“ zeigt sich diesbezüglich eher schwach: Nicht einmal 20 Prozent der Männer nutzen die Angebote der gesetzlichen Früherkennungsmöglichkeiten. Frauen nehmen es mit der Früherkennung wesentlich genauer als die Männer:

Fast die Hälfte aller Frauen nutzt die Angebote. Je älter die Frauen werden, umso seltener nehmen sie jedoch die Untersuchungen wahr – und dies, obwohl das Krebsrisiko gerade mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt.

Die Deutsche Krebshilfe hat das Modellprojekt in Schleswig-Holstein, dessen Evaluation und die Vorarbeiten zur Einführung des Hautkrebs-Screenings in den letzten fünf Jahren mit insgesamt 2,2 Millionen Euro gefördert. Sie hat damit die Grundlage gelegt für die Übernahme des Hautkrebs-Screenings in das Programm der Gesetzlichen Krankenkassen. Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses für die Einführung fiel im Frühjahr diesen Jahres. Nun brauchen wir Ihre Un­terstützung, um das Programm bekannt zu machen. Allen Interessieren, Ärzten, Apothekern und weiteren Gesundheitsmultiplikatoren stellt die Deutsche Krebshilfe kostenlose Informationsmate­rialien rund um das Thema Hautkrebs-Screening zur Verfügung. Die hohe Nachfragen nach diesen Informationen belegt das schon jetzt hohe Interesse der Bevölkerung sowie der Arzteschaft:

735.000 dieser Ratgeber, Faltblätter und Plakate wurden allein in den letzten zehn Wochen bei der Deutschen Krebshilfe angefordert. Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention werden wir das Hautkrebs-Screening in den kommenden Jahren weiterhin öffentlichkeits­wirksam begleiten.

An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass alle unsere Aktivitäten nur möglich sind, weil die Bevölkerung uns vertraut. Denn die Deutsche Krebshilfe finanziert ihre Arbeit ausschließ­lich aus freiwilligen Zuwendungen. Öffentliche Mittel stehen uns nicht zur Verfügung. Jedes unserer Projekte, auch die Erstellung und Distribution unserer Informationsmaterialien, können nur auf­grund des stetig fließenden Spendenstroms realisiert werden. Daher danke ich unseren Spendern und möchte Sie als Multiplikatoren herzlich bitten, durch Ihre Berichterstattung deutlich zu ma­chen, wie wichtig diese Spenden sind.“

Information und Aufklärung sind wichtig, um die Aufmerksamkeit der Bürgerin­nen und Bürger zu erhöhen. Denn früh erkannt, ist Hautkrebs fast zu 100 Pro­zent heilbar. Die neue Internetseite www.hautkrebs-screening.de  enthält um­fassende Informationen zu allen Fragen rund um das Screening. Ab Juli bietet sie allen am Screening interessierten Ärzten, Versicherten und Journalisten, regelmäßig aktuelle Informationen und einen Newsletter an.

Zum Thema Hautkrebs-Prävention und -Früherkennung bieten die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V. darüber hinaus weiteres kostenloses Informationsmaterial an. Ratgeber, Präventionsfaltblätter und Plakate können kostenlos bestellt werden bei:

Deutsche Krebshilfe,
Postfach 1467,
53004 Bonn

oder im Internet unter www.krebshilfe.de  heruntergeladen werden.

Infokasten: Hautkrebs

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 140.000 Men­schen neu an Hautkrebs, mindestens 22.000 davon am be­sonders gefährlichen Malignen Melanom, dem so genannten schwarzen Hautkrebs. Dieser führt bei rund 3.000 Betroffe­nen jährlich zum Tode. Die sehr viel häufigeren „weißen“ Hautkrebserkrankungen, wie das Basalzellkarzinom und das spinozelluläre Karzinom, bilden fast nie Metastasen und sind somit heilbar. Neben dem Leid der Betroffenen verursachen die steigenden Erkrankungszahlen des Hautkrebses auch hohe Kosten im Gesundheitssystem.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Sigrid Altdorf,
Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V.,
Cremon 11,
20457 Hamburg,

Telefon 040 2091- 134,
Fax 040 2091-161,
E-Maill: altdorf@unserehaut.de

Dr. Eva Kalbheim,
Deutsche Krebshilfe,
Buschstr. 32,
53113 Bonn,

Telefon 0228 72990-270,
Fax 0228 72990-11,
E-Mail: kalbheim@krebshilfe.de

Nicht invasiv und wenig belastend: Neue Hautkrebs-Früherkennung hat gute Startchancen

Professor Dr. Eckhard W. Breitbart, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V.

Professor Dr. Eckhard W. Breitbart, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V.

Berlin – Zentraler Bestandteil der Früherkennungsuntersuchung auf Haut­krebs ist die standardisierte visuelle Ganzkörperinspektion. „Die Untersuchung ist nicht invasiv, wenig belastend und kann vom Arzt ohne weitere Hilfsmittel mit dem bloßen Auge durchführt werden“, betonte Professor Dr. Eckhard W. Breitbart, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V. in Berlin.

Der untersuchende Arzt schaut den Versicherten dabei sorgfältig von der behaarten Kopfhaut bis zu den Fußflächen inklusive aller Hautfalten, der Mundschleimhäute und des äußeren Genitals an. Durch diese einfache, geschulte Untersuchung, kön­nen alle auffälligen Hautveränderungen sicher entdeckt werden, Denn der gefährli­che schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, kann am ganzen Körper auftreten. Zu der Untersuchung gehören die Frage nach Vorerkrankungen, die Feststellung möglicher individueller Risikofaktoren (Anamnese), die Befundmitteilung und eine präventive Beratung. Dabei erklärt der untersuchende Arzt auch, welche anderen gesetzlichen Krebsfrüherkennungs- und Gesundheitsuntersuchungen ab welchem Alter gemacht werden sollten und dokumentiert die Untersuchung (Befund). Abge­rechnet wird über die Chipkarte genauso wie bei jeder anderen gesetzlichen Ge­sundheitsleistungen ebenso entfällt die Praxisgebühr.

„Bösartige Veränderungen der Haut können jetzt früh, in einem gut behandelbaren Zustand entdeckt werden“, sagte Breitbart. In dem gemeinsam von der Arbeitsge­meinschaft Dermatologische Prävention und der Deutschen Krebshilfe durchgeführ­ten Projekt Hautkrebs-Screening in Schleswig-Holstein‘ 2003/2004 wurde die Unter­suchung erprobt. Die Fünf-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit nach Diagnosestel­lung beträgt in diesem frühen Erkrankungsstadium mehr als 90 Prozent. Bei einem spät entdeckten Melanom sinkt die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit auf unter 20 Prozent. In diesem Projekt konnte der Anteil der früh erkannten, nicht metastasierten (in situ) Melanome im Vergleich zu den Vorjahren deutlich von durchschnitt­lich rund 26 auf 43 Prozent gesteigert werden. „Diesen Erfolg führen wir auf die hohe Behandlungszufriedenheit und Beteiligung an der Untersuchung zurück“, so Profes­sor Eckhard Breitbart. Weit über 90 Prozent der Teilnehmer fühlten sich von ihrem Arzt gut behandelt und hatten das „Hautkrebs-Screening“ in guter Erinnerung. 366.000 Teilnehmer hatten dort das Früherkennungsangebot genutzt.

Hohe Behandlungszufriedenheit bedeutet immer auch gute Information: Eine umfas­sende Information der Versicherten forderten auch die Patientenvertreter, die die Ein­führung des neuen Hautkrebs-Screenings nachdrücklich im Gemeinsamen Bundesausschuss unterstützt haben: „Nur durch die aktive Aufklärung des Arztes kann man eine informierte Entscheidung treffen. Beim Hautkrebs-Screening spricht jetzt alles für einen guten Start: Es ist wenig belastend, kostenlos, niedrigschwellig, und durch die Fortbildung der Ärzte qualitätsgesichert,“ erklärte Elisabeth Fischer, Bundesar­beitsgemeinschaft (BAG) SELBSTHILFE, stellvertretend für 104 Patientenorganisa­tionen. Die aktive Ansprache und Beratung des Versicherten ist Teil der Fortbildung. Alle Inhalte der Fortbildung wurden vom Bundesausschuss festgelegt und von den Kassenärztlichen Vereinigungen zertifiziert.

Qualität und Erfolg des gesamten Screenings werden durch eine detaillierte Doku­mentation bei den Krebsregistern gesichert und durch wissenschaftliche Begleitstu­dien evaluiert: „Die lückenlose Erfassung der Hautkrebserkrankungen ist durch die Meldung an die Krebsregister gesichert, die der Hautarzt durchführt, wenn tatsäch­lich ein positiver Befund vorliegt,“ so Privatdozent Dr. Alexander Katalinic, Gesell­schaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland. Deutschland hat dann als erstes Land weltweit qualitätsgesicherte Daten für den Hautkrebs und damit die Möglichkeit zur Überprüfung der Erfolge des Programms.

Die neue Internetseite www.hautkrebs-screening.de  enthält umfassende Informatio­nen zu allen Fragen rund um das Screening. Ab Juli bietet sie allen am Screening interessierten Ärzten, Versicherten und Journalisten, regelmäßig aktuelle Informatio­nen an.

Statement zur Einführung des Hautkrebs-Screening

Dr. Diethard Sturm, Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie:

Dr. Diethard Sturm, Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie Dr. Diethard Sturm, Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie[/caption]

„Hautkrebs-Screening, bisher nur von Dermatologen im Rahmen von regionalen Verträgen einzelner Krankenkassen oder als iGeL angeboten, wird durch den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss für alle Versicherte der ge­setzlichen Krankenversicherungen über 35 Jahre zur Leistung innerhalb der Regelversorgung.

Das umfassende Projekt „Hautkrebs-Screening Schleswig-Holstein“ hat die Wirksamkeit und die Qualität bewiesen, die durch die Einbeziehung der Haus­ärzte erreicht werden kann. Die zweite Stufe beim Dermatologen wird in allen Zweifelsfällen einbezogen werden, aber die hausärztliche Siebfunktion ermög­licht eine hohe Erfassungsquote, ohne die Dermatologen mit der Menge der Patienten zu überfordern.

Für die Versicherten bietet die Einbeziehung des Hautkrebs-Screenings in die hausärztliche Versorgung und die angestrebte Kopplung der Untersuchung mit dem Check-up 35 eine Lösung ohne zusätzlichen Zeitaufwand wohnortnah in vertrauter Umgebung.

Die Suche nach auf Krebserkrankung verdächtigen Hautveränderungen wird mit der Aufklärung der Versicherten über die möglichen Schäden durch UV-Strahlung verbunden, ein weiterer Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung. Diese Beratung zum richtigen Umgang mit Sonne und Solarien wird zunächst den versicherten Anspruchsberechtigten unmittelbar erreichen, aber auch den Heranwachsenden zugute kommen. Insofern ist das Hautkrebs-Screening mehr als eine Suche nach Hautkrebs. Es ist zugleich eine umfassende Aufklärungs­kampagne, also eine primär präventive Maßnahme.

Die Vorbereitung der teilnehmenden Ärzte erfolgt in einer achtstündigen Fortbil­dung, ergänzt durch umfangreiches Schrift- und vor allem Bildmaterial. Das Konzept beinhaltet Fortbildung in Gruppen von bis zu 30 Ärzten mit großen An­teilen an Dialog, mit der Übung des Screenings an freiwilligen Probanden, Erör­terung und Übungen zum Patientengespräch, Übung anhand von Bildern neben der notwendigen Darlegung der theoretischen Grundlagen zur Entstehung, Diagnosesicherung und Prävention von der Hautkrebse. Abschließend belegt ein Wissenstest die erfolgreiche Teilnahme an der Maßnahme. Immerhin sind etwa 45.000 Hausärzte berechtigt, wenn sie eine den Vorschriften des GBA entsprechende Veranstaltung erfolgreich absolviert haben. Das von der Kom­mission Hautkrebs-Screening Deutschland erarbeitete, vom Zentralinstitutes für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) geprüfte Konzept wird von rund 300 dermatologischen und hausärztlichen Referenten nahezu im gesamten Bundesge­biet umgesetzt. Anfang April 2008 wurden die Referenten fortgebildet. Inzwi­schen laufen über die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder und das In­stitut für hausärztliche Fortbildung bundesweit die Veranstaltungen für die Hau­särzte.

Das Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) kann bundesweit Veranstaltun­gen anbieten. Vor knapp sieben Jahren gegründet, steht es für hausarztgerech­te, evidenzbasierte und produktneutrale Fortbildung und hat sich einen aner­kannten Platz bei den Hausärzten erarbeitet. Unterlagen für die Qualitätszirkel, Präsenzfortbildung von einstündigen bis Ganztagsveranstaltungen, Kurse und Kongresse weist die Bilanz auf. Mittlerweile wird mit Unterstützung von Partnern auch Fortbildung im Internet angeboten. Ein weiterer erfolgreicher Arbeitsbe­reich ist die Fortbildung von Fachangestellten in der hausärztlichen Betreuung, oft parallel zur hausärztlichen Fortbildung.

In fünf Jahren wird das Projekt evaluiert. Dann wird sich zeigen, ob ein bevölke­rungsweites Hautkrebs-Screening erfolgreich ist. Die Hausärzte sind diesbezüg­lich optimistisch und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit mit den Dermatolo­gen.

Dr. Diethard Sturm,
Facharzt für Allgemeinmedizin Chirotherapie
Weinkellerstraße 20,
09337 Hohenstein-Ernstthal
HBFSturm@aol.com

Über den Hautkrebs

Hautkrebs ist die weltweit am häufigsten auftretende Krebserkrankung. Die World Health Organisation (WHO) verzeichnet, bei konservativer Schätzung, jedes Jahr weltweit bereits rund 180.000 Maligne Melanome („schwarzer Hautkrebs“) und zwischen zwei bis drei Millionen nicht-melanozytäre („helle“) Hautkrebserkrankungen. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland erkranken etwa 15.000 Menschen pro Jahr an einem invasiven Malignen Melanom. Hinzu kommen noch die nicht invasiven (in situ) Melanome, so dass insgesamt von etwa 22.000 Neuerkrankungen pro Jahr für das Maligne Melanom ausgegangen werden kann. Für die nicht-melanozytären Hautkrebserkrankungen gibt es keine offiziellen Angaben für Deutschland. Nach Hochrechnungen erkranken etwa 120.000 Menschen jedes Jahr an diesen Hautkrebsformen.

In Deutschland hat sich in den letzten 25 Jahren die Erkrankungshäufigkeit (Inzidenz) des Malignen Melanoms verdreifacht. Die Häufigkeit des Basalzellkarzinoms (BCC) und spinozellulären Karzinoms (SCC) („heller Hautkrebs“) ist heute in Deutschland etwa sechsfach größer als vor 35 Jahren.

Allein im Jahr 2008 werden in Deutschland mehr als 140.000 Menschen neu an einem Hautkrebs erkranken rund 3.000 werden daran sterben. Etwa jeder zehnte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einem Hautkrebs. Die Tendenz ist steigend – in der Bundesrepublik und auch weltweit. Hautkrebs ist der häufigste Krebs in Deutschland.

Im Vergleich mit anderen Krebsarten (mit Ausnahme der nicht-melanozytären Hautkrebse) ist die Zunahme der Erkrankungsraten beim Malignen Melanom am stärksten ausgeprägt. Experten prognostizieren bis 2050 jährliche Steigerungerungsraten bei den Neuerkrankungen von bis zu 15 Prozent.

Diese Tendenz wird zusätzlich durch die Risikoverteilung und die demographische Entwicklung in der Bevölkerung verstärkt. Die heute bis zu 35-Jährigen haben ein deutlich höheres Melanomrisiko als jede Generation davor.

Hautkrebsneuerkrankungen in Deutschland

Neuerkrankungen insgesamt (inklusive in-situ-Karzinome)

Jährlich, ca.

Erwachsene

Gesamt

140.000

Basalzellkarzinom

90.000

Spinozelluläres Karzinom

28.000

Malignes Melanom

22.000

Quelle: Hochrechnungen des Krebsregisters Schleswig-Holstein 2004

Neuerkrankungen invasives Malignes Melanom im Vergleich

Neuerkrankungen malignes Melanom

Deutschland

16-20 Fälle je 100.000

Einwohner

Mitteleuropa

10-15 Fälle je 100.000

Einwohner

USA

16-21 Fälle je 100.000

Einwohner

Australien

40-50 Fälle je 100.000

Einwohner

Quelle: RKI/GEKID: Krebs in Deutschland 2003-2004, Häufigkeiten und Trends und International Agency for Research in Cancer, www-dep.iarc.fr

Die Inzidenz des malignen Melanoms nimmt zu und die Patienten werden immer jünger. Das belegen Ergebnisse des Projektes .Hautkrebs-Screening Schleswig-Holstein‘.

Gesellschaftliche Belastung durch Hautkrebs

Die epidemiologische Inzidenz (Neuerkrankungsrate pro Jahr) entspricht beim Hautkrebs nicht der Behandlungsinzidenz (Anzahl der Tumoren). Mehrfachtumoren, die insbesondere bei nicht-melanozytären Tumoren der Haut klinisch häufig vorkommen, werden bei der epidemiologischen Inzidenz nicht berücksichtigt. Tritt zum Beispiel ein Basalzellkarzinom bei einer Person mehrfach auf, etwa an Kopf und Schulter, werden diese Tumoren nur einmal berücksichtigt.

Die epidemiologischen Hautkrebserkrankungszahlen beinhalten keine Neuerkrankungen durch Zweittumoren, Rezidive oder Nachsorgebehandlungen. Bezieht man diese Zahlen in die Berechnung mit ein, zeichnet sich ein deutlich dramatischeres Bild ab: In Deutschland liegen die Behandlungszahlen – oder auch Gesamt-Neuerkrankungszahlen – dann bei 250.000 – 500.000 pro Jahr.

Hautkrebserkrankungen belasten die Gesellschaft erheblich. Trotz der geringen Sterblichkeit bei den nicht-melanozytären („hellen“) Hautkrebserkrankungen stellen diese eine große Belastung für die Betroffenen dar. Die häufige Lokalisation im Gesicht ist mit sozialer Stigmatisierung im Alltag verbunden. Plastische Rekonstruktionen insbesondere im Gesicht beeinträchtigen die Lebensqualität über einen langen Zeitraum.

Früherkennung: Der Krankheit zuvorkommen – Lebensqualität erhalten

In der Bundesrepublik gibt es seit 1971 gesetzliche Früherkennungsuntersuchungen für Krebs­erkrankungen. Voraussetzung für eine Früherkennung ist gemäß § 25 Abs. § SGB V, dass es sich um eine Krankheit handelt, die wirksam behandelt werden kann und deren Frühstadium durch diagnostische Maßnahmen genügend eindeutig erfassbar ist. Dies trifft auf Hautkrebs­erkrankungen zu.

Screening und Früherkennung

Ein Screening zielt auf die Entdeckung eines eindeutigen, eventuell symptomlosen Frühstadiums einer Krankheit. So kann eine Therapie frühzeitig einsetzen. Dadurch wird die Häufigkeit manifester bzw. fortgeschrittener Erkrankungen oder Krankheitsstadien reduziert. Therapie und damit verbundene Beeinträchtigungen werden verringert.

Die Prognose des Malignen Melanoms ist stark abhängig vom Erkrankungsstadium zum Zeitpunkt der Diagnose. Ein frühzeitig erkanntes Melanom im lokal begrenzten Stadium ohne Metastasierung (in situ) kann in der Regel problemlos mit einem kleinen operativen Eingriff entfernt werden. Dies   begünstigt insbesondere die Lebensqualität. Die Überlebenswahrscheinlichkeit fünf Jahre nach Diagnosestellung liegt bei 90 Prozent. Wird ein Melanom erst spät entdeckt können aufwandigere Behandlungen, gegebenenfalls mit Chemo-und Immuntherapie notwendig sein. Bei Melanomen im Spätstadium (metastasierende Melanome) sinkt die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit auf unter 20 Prozent.

Hautkrebs-Screening in Deutschland

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat mit der Richtlinien-Änderung vom 15. November 2007 die Einführung des Hautkrebs-Screenings flächendeckend als zweistufiges Massen-Screening zum 1. Juli 2008 beschlossen. Zielerkrankungen des Screenings sind das Basalzellkarzinom (BCC), das spinozelluläre Karzinom (SCC) und das Maligne Melanom (MM). Anspruchsberechtigt sind alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren. Die Einführung wurde auf Basis der Daten des Pilotprojektes ,Hautkrebs-Screening Schleswig-Holstein‘ (2003-2004) und der international zur Verfügung stehenden Literatur durchgeführt. Deutschland führt damit weltweit als erstes Land ein flächendeckend organisiertes, qualitätsgesichertes und standardisiertes Hautkrebs-Screening durch. Rund 45 Millionen Versicherte (24 Millionen Frauen und 21 Millionen Männer) haben ab dem 1. Juli 2008 alle zwei Jahre Anspruch auf die kostenfreie Untersuchung. (Krebsfrüherkennungs-Richtlinien – (Hautkrebs-Screening):

www.g-ba.de/informationen/beschluesse/516/

Qualitätsgesichertes Verfahren

Das Screening ist zweistufig angelegt. Die Versicherten können in der ersten Stufe zwischen einem qualifizierten Hausarzt oder Dermatologen wählen. In der zweiten Stufe, im Falle eines Verdachtes auf Hautkrebs, überweist der Erstuntersucher den Patienten dann zur weiteren Abklärung an einen Dermatologen. Bestätigt sich der Verdacht auf Hautkrebs, leitet der Dermatologe die Abklärung des Befundes in die Wege und berät bei einem positiven klinischen Befund den Patienten über die weiteren Behandlungsmöglichkeiten und ihre Folgen.

Die am Screening teilnehmenden Ärzte haben sich durch eine Fortbildung für das Hautkrebs-Screening zusätzlich qualifiziert. Konsentiert wurde die Fortbildung durch ein unabhängiges interdisziplinäres Fachgremium, die Kommission Hautkrebs-Screening Deutschland (bestehend aus Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Berufsverband der Deutschen Dermato­logen (BvDD),,Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO), Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Histologie (ADH), Deutsche Gesellschaft für Dermatochirurgie (DGDC), Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V., in Zusammenarbeit mit dem Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) im Deutschen Hausärzteverband) die von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V. koordiniert und kontinuierlich überprüft wird. Evaluiert wird die Fortbildung durch das Zentralinstitut für die Versorgung der Kassenärztlichen Vereinigungen in Berlin.

Standardisierte Untersuchung der Haut

Der Ablauf der Krebs-Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs (Hautkrebs-Screening) ist standardisiert. Im Zentrum der Früherkennungsuntersuchung steht die „standardisierte visuelle Ganzkörperinspektion“, bei der der untersuchende Arzt den Versicherten sorgfältig von der behaarten Kopfhaut bis zu den Fußflachen inklusive aller Hautfalten, der Mundschleimhäute und des äußeren Genitals untersucht. Die Untersuchung ist einfach und kann vom Arzt ohne weitere Hilfsmittel mit dem bloßen Auge (Blickdiagnostik) durchführt werden. Weiterhin gehören zur Untersuchung die gezielte Anamnese (Erhebung von Vorerkrankungen, Risikofaktoren) sowie die Befundmitteilung und eine präventive Beratung. Außerdem erklärt der untersuchende Arzt den Stellenwert des Gesamtprogramms der gesetzlichen Krebs-Früherkennungsuntersuchungen und dokumentiert den Befund.

Schaden und Nutzen

Wie bei jedem Screeningtest kann es auch beim Hautkrebsscreening keine hundertprozentige Sicherheit geben. Dies führt dazu, dass einige Teilnehmer fälschlicherweise als gesund oder krank eingestuft werden. Die Erfahrungen des Pilotprojektes ,Hautkrebs-Screening Schleswig-Holstein‘ (2003-2004) haben jedoch gezeigt, das die Sensitivität und Spezifizität, also der Anteil der Diagnosen (krank/gesund), die richtig sind sehr hoch ist.

www.hautkrebs-screening.de

www.krebshilfe.de

>www.unserehaut.de

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BLZ 370 501 98

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DE98 3705 0198 0000 909093
SWIFT/BIC: COLSDE33

Presseinformation der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention


Krebszeitung

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