Haut Tumor Centrum an der Berliner Charité eröffnet

(Berlin, 10.11.2004) Die Zahl der Patienten mit Hautkrebs steigt in den nächsten Jahren stark an. Prof. Dr. Wolfram Sterry, Direktor der Hautklinik der Berliner Charité, rechnet mit jährlich über 200.000 Neuerkrankungen allein in Deutschland.

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„Hautkrebs ist damit längst zu einer Volkskrankheit geworden“, erklärte Sterry anläßlich der Eröffnung des Haut Tumor Centrum Charité (HTCC). In dem neuen Therapiezentrum werden jährlich 20.000 Hautkrebspatienten aus Deutschland und ganz Europa nach dem aktuellsten Stand der Wissenschaft behandelt.

Das HTCC versteht sich als interdisziplinäres Netzwerk, in dem Kräfte aus Forschung und klinischer Praxis zum Wohle des Patienten gebündelt werden. Im HTCC werden alle Formen von Hauttumoren in eng aufeinander abgestimmten Bereichen versorgt. Hierzu zählen auch der Basalzellkrebs (Basaliom) und der Stachelzellkrebs (Spinaliom), die weltweit meist verbreiteten Hauttumore. Die Berliner Experten erwarten bei diesen Krebsformen einen besonders deutlichen Anstieg und halten künftig 150.000 bzw. 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland für wahrscheinlich.

Heller Hautkrebs auf dem Vormarsch

Basalzellkrebs und Stachelzellkrebs – auch „Heller Hautkrebs“ genannt – treten meist als kleine Knoten im Gesicht – an den so genannten „Sonnenterassen“ wie Glatze, Nase, Ohren, Lippen oder Augenlider – und an Händen und Unterarmen auf. Während der Basalzellkrebs in aller Regel nicht lebensbedrohlich ist, da er mit bloßem Auge erkannt und auch rechtzeitig behandelt werden kann, setzt der Stachelzellkrebs in bis zu 10 Prozent der Fälle Metastasen (Tochtergeschwülste) im Körper ab. Oftmals kommt es zu erheblichen Therapieverzögerungen, weil Arzt und Patient die Bedeutung der Hautveränderungen unterschätzen. Ein Krebs der Epidermis ist die Aktinische Keratose. Hieraus entwickelt sich in 10 bis 15 Prozent der Fälle ein in die Tiefe wachsender Stachelzellkrebs. Jeder zweite Erwachsene über 60 Jahren ist bereits von Aktinischer Keratose betroffen – jährlich wird künftig mit etwa 250.000 neuen Fällen gerechnet.

Schwarzer Hautkrebs

Noch wesentlich gefährlicher als die anderen Hautkrebserkrankungen ist der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom. Er beginnt bereits in einem sehr frühen Stadium, Metastasen zu setzen. Oft ist der Tumor nur wenige Millimeter dick, wenn er sich bereits in entfernte Organe abgesiedelt hat. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium gibt es noch immer keine ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten. Prof. Sterry schätzt, dass künftig etwa 20.000 Menschen in Deutschland jährlich vom schwarzen Hautkrebs betroffen sind.

Sonnenlicht als Hauptursache

Hauptursache für die deutliche Zunahme aller Hautkrebsarten ist nach Meinung der Berliner Spezialisten der intensive Kontakt der Haut mit Sonnenlicht. „Besonders während des Urlaubs setzen sich viele Menschen überdurchschnittlich intensiv der Sonne aus“, erklärt Prof. Eggert Stockfleth, Sprecher des HTCC. „Vor allem die Strahlenbelastung im Kindesalter sowie die intensive, zu Sonnenbränden führende Einstrahlung während des Urlaubs haben sich als besonders risikoreich erwiesen.“ So sind die Patienten bei der Diagnose im Schnitt immer jünger, obwohl die ultravioletten Strahlen der Sonne erst mit einer zeitlichen Verzögerung von zehn bis 30 Jahren die Tumorentstehung begünstigen. Darüber hinaus gilt trotzdem: Je älter der Mensch, desto häufiger erkrankt er an Hautkrebs. Ein weiterer wichtiger Krankheitsgrund: Ein dauerhaft geschwächtes Immunsystem, etwa bei organtransplantierten Patienten oder HIV-Kranken.

HTCC bietet moderne Behandlungsverfahren

Am Haut Tumor Centrum Charité werden bewährte Behandlungsmethoden verfeinert und neue Therapien entwickelt. So lautet etwa bei der Behandlung des schwarzen Hautkrebses eine zentrale Frage, wie das körpereigene Immunsystem gestärkt werden kann. Die Patienten erhalten im Rahmen multizentrischer Studien Zugang zu modernsten Behandlungsverfahren wie der Krebsimpfung, zu neuesten biologischen Therapien oder Chemotherapien, die mit immunstimulierenden Behandlungen kombiniert werden. Gerade in die Weiterentwicklung von lokalen Therapien gegen Hautkrebs (Imiquimod, Solaraze, photodynamische Therapie) wird ein Schwerpunkt der Klinik gelegt. „Die umfassende und bestmögliche Versorgung von Hautkrebspatienten ist schon seit Jahren wichtiges Anliegen und ein Schwerpunkt unserer Klinik“, erläutert Prof. Sterry. „Mit der Gründung des Haut Tumor Cen-trum Charité (HTCC) unter dem Dach des Tumorzentrums der Charité bündelt die Hautklinik diese Kräfte jetzt, um in der Zukunft eine noch bessere Versorgung der Patienten zu gewährleisten.“

Die Patienten selbst sind über zwei Organisationen, die Selbsthilfe Hautkrebs, www.selbsthilfe-hautkrebs.de
und den Bundesverband der Organtransplantierten e.V. (BDO), www.bdo-ev.de
aktiv ins das neue Haut Tumor Centrum Charité (HTCC) eingebunden.

Die Selbsthilfe Hautkrebs, die seit 6 Jahren eng mit der Hautklinik der Charité zusammenarbeitet, wird künftig monatlich Fortbildungsveranstaltungen gemeinsam mit Ärzten der Charité im HTCC organisieren und steht Hauttumorpatienten bei der Bewältigung ihrer Erkrankung hilfreich zur Seite.
Der BDO steht als Ansprechpartner für organtransplantierte Hauttumorpatienten zur Verfügung.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Eggert Stockfleth
Sprecher des Haut Tumor Centrum Charité (HTCC)
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Haut Tumor Centrum Charité
Schumannstr. 20/21
10117 Berlin
Tel.: 030 – 450 518 705, Fax: 030 – 450 518 935
Email: hauttumor-centrum@charite.de

Bildmaterial: HTCC, Prof. Dr. Wolfram Sterry, Prof. Dr. Eggert Stockfleth


Krebszeitung

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