Harnblasenkrebs

Neuerkrankungsrate Harnblasenkrebs 2004 - Bild: Detlef Höwing

Neuerkrankungsrate Harnblasenkrebs 2004 - Bild: Detlef Höwing Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts erkrankten in Deutschland im Jahr 2004 etwa 28.750 Menschen neu an Harnblasenkrebs und 6.194 Menschen starben an dieser Krebsart. Das sind etwa 4.000 Erkrankte mehr, als zur Jahrtausendwende. Damit ist der Krebs der Harnblase (Urothelkarzinom) nach dem Prostatakrebs die zweithäufigste urologische Krebsart bei Männern und liegt bei Frauen noch vor dem Gebärmutterhalskrebs. Bei einem drittel der neu Erkrankten ist bei der Erstdiagnose der Krebs bereits in ein invasives Wachstumsstadium eingetreten und damit schwer oder gar nicht mehr behandelbar. Trotz dieser alarmierenden Zahlen ist in der Öffentlichkeit wenig über diese Krebsart bekannt.

Die Risiken zu erkranken

Harnblasenkrebs ist eine Krebsart, die oft bei solchen Menschen auftritt, die während ihres Lebens häufig mit krebserregenden Stoffen zu tun hatten. Dabei kann der Zeitpunkt bis zum Ausbruch der Krankheit Jahrzehnte zurückliegen. Leider wissen immer noch zu wenige Menschen über die Risiken Bescheid, die zu Harnblasenkrebs führen können.

Der wichtigste Risikofaktor für Blasenkrebs ist das langjährige Rauchen. Ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs haben wegen des häufigen Umgangs mit krebsauslösenden Substanzen außerdem:

  • Industrie- und Bauarbeiter,
  • Beschäftigte, die mit Teerprodukten in Kontakt kommen,
  • Berufskraftfahrer und Tankstellenbedienstete,
  • Feuerwehrleute,
  • Druckereibeschäftigte,
  • Maler, Lackierer,
  • Beschäftigte der Kunststoff- Ver- bzw. Bearbeitung,
  • Frisöre.

Ein weiterer Risikofaktor kommt fast nur bei Frauen zum Tragen: Haare färben. Wer etwa 15 Jahre lang regelmäßig die Haare mit dauerhaften Mitteln gefärbt hat, bei dem verdreifacht sich die Blasenkrebsgefahr. Und wer in Afrikanischen Gewässern baden geht, dem droht neben der Bilharziose (auch Schistosomiasis), eine bakterielle Infektionskrankheit, auch der Harnblasenkrebs. Auch eine familiäre Disposition führt zu einem erhöhten Harnblasenkrebsrisiko.

Harnblase der Frau und des Mannes - Bild: Detlef Höwing

Harnblase der Frau und des Mannes – Bild: Detlef Höwing

Männer sind nach der veröffentlichten Schätzung des Robert-Koch Instituts (RKI) etwa drei Mal so häufig betroffen als Frauen, wobei rauchende Frauen stärker gefährdet sind als Männer. Aber eine Früherkennungsuntersuchung erhalten sogar Risikogruppen nur selten, denn sie gibt es bei den gesetzlichen Krankenkassen erst gar nicht. Denn bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Urinuntersuchungen von der Früherkennungsliste gestrichen. Fatal, wie es sich jetzt bei den ständig steigenden Neuerkrankungszahlen zeigt. Hier würde ein risikoadaptiertes Screening der betroffenen Bevölkerungsgruppen helfen.

Denn ein Drittel der Betroffenen leidet bereits an einem invasiven Tumor, wenn die Diagnose gestellt wird. Das beeinträchtigt die Heilungs- und Überlebenschancen erheblich. Experten wie der Urologe Professor Arnulf Stenzl von der Universitätsklinik Tübingen fordern seit längerem, Menschen mit erhöhtem Risiko routinemäßig auf Harnblasenkrebs hin zu untersuchen.

Und: „Wir können die Diagnostik des Harnblasenkarzinoms nur durch eine struktuelle Neuorientierung verbessern. Ein risikoadaptiertes Screening ist in der Krebsvorsorge sicherlich eines der wichtigsten Punkte, um Kosten- und Nutzeneffektivität zu erhalten. Damit hätte man eine Vermeidungspotenz von 3.000 bis 5.000 Menschen pro Jahr, die bei Diagnosestellung nicht mit einem invasiven Blasentumor diagnostiziert werden“, so Dr. med. Gerson Lüdecke, Urologe.

Dr. Lüdecke hat einen RisikoCheck für das Internet entwickelt, mit dem jeder kostenlos unter: http://riskcheck-bladder-cancer.info sein persönliches Risiko, an Harnblasenkrebs zu erkranken, ermitteln kann. Er rät zudem allen Frauen, Blutbeimengungen im Urin sehr ernst zu nehmen. Sie sind das wichtigste Symptom für ein Karzinom der Harnblase. Außerdem können Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang auf einen Tumor deuten. Diese Beschwerden sind auch typisch für die bei Frauen häufig auftretende Blasenentzündung. Es besteht daher die Gefahr, dass sogar Ärzte die Symptome zunächst falsch beurteilen und dadurch wertvolle Zeit vergeht, bis die Behandlung des Karzinoms beginnt.

Möglichkeiten der Früherkennung

Für eine günstige Prognose ist es entscheidend, dass das Harnblasenkarzinom rechtzeitig erkannt wird. Doch Frühsymptome gibt es bei dieser Erkrankung nicht. Der Tumor kann jahrelang unbemerkt wachsen. „Symptome treten beim Blasenkrebs erst auf, wenn der Tumor zerfällt und es blutet, oder wenn der Tumor sich im Blasenausgang verfängt“, erklärte dazu Prof. Dr. med. Jens Erik Altwein.

„Eine Früherkennungsuntersuchung bei Risikopatientinnen kann die Anzahl der durch Blasenkrebs verursachten Todesfälle senken. Blasenkrebs kann bereits zehn, 20 oder sogar 30 Jahre unbemerkt in der Harnblase wachsen und sich dann in einem fortgeschrittenen Stadium plötzlich mit Beschwerden melden. Eine spezifische Früherkennungsuntersuchung von Risikopatienten beim behandelnden Arzt ist von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Therapie und das Überleben der Patienten. Denn bei rechtzeitiger Behandlung sind die Heilungschancen gut“, erläutert Dr. Lüdecke.

Frauen, wie auch Männer, die ein Risiko haben, an Harnblasenkrebs zu erkranken, sollten sich also regelmäßig bei ihrem Arzt im Zuge der Krebsvorsorge auch auf das Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms untersuchen lassen.

Hier reicht es nicht aus, lediglich mittels Urin-Teststreifen auf Blut im Urin hin zu untersuchen. Denn Blutbeimengungen im Urin können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Bei Blut im Urin ist hier unbedingt die weitere urologische Abklärung erforderlich, um die Ursachen heraus zu finden.

Wenn der Arzt bei der Urinuntersuchung Blut im Urin oder erhöhte Werte des UBC Rapid Test festgestellt hat, bedeutet dies noch längst nicht, dass ein Harnblasenkarzinom vorliegt. Denn die Ursachen können auch andere sein. Nun aber ist die urologische Abklärung der Ursachen unbedingt erforderlich.

Der Urologe wird dann erneut umfassende Urinuntersuchungen veranlassen, bei denen Entzündungsparameter, Blut im Urin, eine mikroskopische Untersuchung auf abgestorbenes Zellmaterial (Zytologie) und auf Wunsch erneut der UBC Rapid Test ermittelt werden.

Darüber hinaus sollte eine Sonografie des Abdomens (Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes) erfolgen, bei der ein Hauptaugenmerk auf das Harnableitungssystem (Nieren, Harnleiter, Harnblase) gelegt werden wird. Tumoren in der Harnblase sind nämlich oft schon in der Sonografie sichtbar.

Als Goldstandard in der Diagnostik des Harnblasenkarzinoms hat sich die Blasenspiegelung (Zystoskopie) durchgesetzt, die immer dann erfolgt, wenn ein Verdacht auf Harnblasenkrebs vorliegt. Der Urologe wird entweder mir einem starren (oft bei Frauen angewendet) oder einem flexiblen Endoskop (bei Männern), das durch die Harnröhre eingeführt wird, die Harnblase dahingehend untersuchen, ob hier krankhafte Veränderungen vorliegen, die einer weiteren Abklärung durch Abtragung und pathologischen Untersuchung der suspekten Areale bedürfen. Während dieser Untersuchung können auch krankhafte Veränderungen in der Harnröhre erkannt werden.

Fazit

  • Nicht jeder Mensch hat das Risiko, an Harnblasenkrebs zu erkranken.
  • Jeder sollte deshalb sein Risiko kennen, das mit dem RisikoChek von Dr. med. Gerson Lüdecke ermittelt werden kann (http://riskcheck-bladder-cancer.info).
  • Bereits bei einem mittleren Risiko sind dringend regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen ab dem 40. Lebensjahr auf Harnblasenkrebs hin zu empfehlen.
  • Bei Urin im Blut, erhöhten UBC Rapid Test oder positiven UBC Rapid Test, Schmerzen beim Wasserlassen oder anderen Symptomen des harnableitenden Systems, ist unbedingt die weitere urologische Abklärung nötig.
  • Keine Testung oder Untersuchung alleinig kann ein Harnblasenkarzinom sicher diagnostizieren. Nur die unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden zusammen führen zu gesicherten Ergebnissen.
  • Harnblasenkrebs ist frühzeitig erkannt gut heilbar.

Autor: Detlef Höwing

Wissenschaftliche Mitarbeit:
Prof. Dr. med. Manfred Beer, Chefarzt der Urologie des Franziskus-Krankenhaus Berlin,
Dr. med. Jörg Neymeyer, OA Urogynäkologie des Franziskus-Krankenhaus Berlin,
Dr. med. Gerson Lüdecke, Facharzt für Urologie, Giessen,
Dr. med. Frank König, F.E.B.U., Berlin,
PD Dr. med. Frank Christoph, F.E.B.U., OA der Klinik für Urologie der Charité Berlin Mitte,

Hilfreich zum Thema:

Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.:
Hotline: 0208 62196041
http://www.blasenkrebs-shb.de/selbsthilfe/

Selbsthilfe Harnblasenkrebs e.V.:
Hotline: 0178 2777132
www.selbsthilfe-harnblasenkrebs.de

Blasenkrebs RisikoChek:
http://riskcheck-bladder-cancer.info
www.blasenkrebs.net

Blasenkrebs Online-Forum:


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