GIST – Eine „neue“ Krankheit

Seit fünf Jahren erst gibt es die Diagnose: Gastrointestinale Strumatumoren (GIST). Was vorher in die Weichteil-Sarkome klassifiziert wurde, ist nun als eigenständige Krankheit erkannt, die zwar selten, aber dennoch in den Mittelpunkt des o­nkologischen Interesses gelangt ist. Erst im März 2004 wurden Standards zur Diagnose und Behandlung der Tumorart definiert. In diesem Monat eröffnet das Klinikum der Universität München eine Spezialambulanz.

Erste interdisziplinäre Spezialambulanz für GIST

GIST ist eine seltene und aggressive Tumorart im Magen-Darmtrakt. Jedes Jahr gibt es in Deutschland 2.000 Neuerkrankungen (weltweit 10.000), eine Gesamtzahl der Erkrankungen ist derzeit nicht solide ermittelbar, da die Diagnose noch nicht lange routinemäßig eingesetzt wird und das Wissen über die Krankheit leider oft noch begrenzt ist. Nicht selten wird an einem Patienten „herum“therapiert, bis er an einen GIST-erfahrenen Arzt gelangt. Überwiegend betroffen sind Menschen zwischen 55 und 65 Jahren, Männer häufiger als Frauen.

Symptome
Ein Drittel der Patienten ist bei der Erstdiagnose asymptomatisch, und kleine Tumoren werden meist zufällig bei endoskopischen Routineuntersuchungen gefunden. GIST wachsen schnell, so dass ein Druck- und Völlegefühl im Magen-Darmtrakt erste klinische Zeichen sind. Bei großen Tumoren tritt zudem oft eine Anämie auf. Gastrointestinale Blutungen sind bei etwa 20 % der Patienten das erste Symptom und können lebensbedrohlich sein. Die Metastasen von GIST finden sich meist in der Leber und dem Bauchfell. GIST kann bei Patienten, die bislang mit einer falschen Krebsdiagnose gelebt haben, „rückwirkend“ diagnostiziert werden.

Lokalisation

GIST können vom Rachen bis zum Rektum vorkommen; die häufigste Lokalisation ist der Magen (50%), gefolgt von Dünndarm (30%) und Dickdarm (10%).

Diagnose

Zwingend ist die histologische Untersuchung und kontrastmittelverstärkte Computertomographie, bei besonderen Fragestellungen wird zudem die Kernspintomographie oder das PET-CT eingesetzt.

Therapie
Operable Tumoren werden immer chirurgisch entfernt. Da sich GIST gegen
Chemo- und Strahlentherapie als weitgehend resistent erwiesen hat, war die Entdeckung des Tyrosinkinaseinhibitors Imatinib ein Meilenstein in der wissenschaftlich jungen Beschäftigung mit der Tumorart. Imatinib hemmt ein Enzym (Tyrosinkinase kit) und somit die Vervielfältigung eines Gens, die Tumorzellen erhalten keinen Wachstumsstimulus mehr. Durch das seit Mai 2002 zugelassene Medikament Imatinib (Glivec®) konnte eine Therapie entwickelt werden, die für GIST-Patienten Erfolg versprechend ist. „Bei Inoperabilität oder Metastasierung ist die orale Therapie mit Imatinib heute Standard“, so Dr. med. Marcus Schlemmer. „Überlebten diese Patienten bisher etwa ein Jahr, sehen wir heute schon längere Lebenszeiten und eine verbesserte Ansprechrate.“

Vorher war die Diagnose eines GIST mit Fernmetastasen gleichbedeutend mit einer nicht therapierbaren Krebserkrankung. „Heute kann auch bei einer lokal fortschreitenden Erkrankungen die Kombination aus Operation und Glivec® ansprechen“, ergänzt Privatdozentin Dr. Christiane Bruns.

Am Klinikum der Universität München wird zum 16. September 2005 die erste interdisziplinäre Spezialambulanz in Deutschland eröffnet. In einer Zusammenarbeit der Medizinischen Klinik III (Direktor: Professor Dr. Wolfgang Hiddemann) und der Chirurgischen Klinik (Direktor: Professor Dr. Karl-Walter Jauch) haben nun betroffene Patienten die Möglichkeit, anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse gleichzeitig von Chirurgen und Internisten beraten und therapiert zu werden.

Sprechzeiten der Spezialambulanz:
Freitags von 12 bis 13 Uhr Dr. Marcus Schlemmer und Privatdozentin Dr. Christiane Bruns
Medizinische Klinik III und Chirurgische Klinik – Klinikum der Universität München
Marchionistraße 15
81377 München
Telefon 089-7095 – 3505

Bei Rückfragen:Marcus.Schlemmer@med.uni-muenchen.de

Pressemitteilung Klinikum der Universität München, S. Nicole Bongard


Krebszeitung

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