Evidenzbasierte Leitlinie zum Gebärmutterhalskrebs erschienen

Querschnitt durch eine Gewebeprobe eines Gebärmutterhalstumors. Die Krebszellen enthalten hohe Mengen an LEDGF-Protein (braune Färbung). Quelle: Miriam Reuschenbach, Universitätsklinikum Heidelberg

Berlin, 10.10.2014. Das Leitlinienprogramm Onkologie hat im Oktober 2014 erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) vorgelegt. Die neue Leitlinie löst die bislang geltende konsensbasierte S2k-Leitlinie ab und entspricht den höchsten, international einheitlich definierten Ansprüchen an eine Leitlinie. Sie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) und soll die Versorgung beim Gebärmutterhalskrebs weiter verbessern. Empfehlungen zu Prävention von Gebärmutterhalskrebs, die in der alten S2k-Version noch enthalten waren, sind Gegenstand einer weiteren S3-Leitlinie, die derzeit erarbeitet wird.

Noch in den 1970er-Jahren war das Zervixkarzinom die häufigste Krebserkrankung der Frau, mittlerweile nimmt es mit einem Anteil von 2,1 Prozent den 12. Rang in der Liste aller Krebsneuerkrankungen bei Frauen ein. Dieser Rückgang lässt sich unter anderem durch ein erfolgreiches Früherkennungsprogramm erklären, das seit 1971 gesetzlich geregelt ist. Die sogenannten Pap-Abstriche, die im Rahmen dieses Früherkennungsprogramms vom Frauenarzt vorgenommen werden, tragen dazu bei, dass Vor- und Frühstadien der Krebserkrankung rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden. Unter den Patientinnen mit einem diagnostizierten Zervixkarzinom haben sich jedoch die Sterblichkeitsraten in den letzten Jahren nicht weiter verbessert, trotz technischer Fortschritte und innovativer Therapieansätze.

„Wir sehen beim Gebärmutterhalskrebs eine Vielzahl von differenzierten Behandlungsmöglichkeiten. Das heißt, es besteht eine große Bandbreite an verwendeten Therapiestandards, folglich variiert auch die Therapiequalität. Indirekt könnte dies ein Grund dafür sein, dass sich in Bezug auf die Überlebensraten der Patientinnen in den letzten Jahren kein entscheidender Fortschritt nachweisen lässt“, erklärt Prof. Matthias W. Beckmann, einer der beiden Koordinatoren der neuen Leitlinie. „Aus diesem Grund haben wir uns zu einem Upgrade der vorherigen S2K-Leitlinie auf das höhere S3-Niveau entschlossen.“

Bei der Leitlinienentwicklung stießen die Experten allerdings auf eine Studienlage, die bei einigen Fragestellungen so unzureichend war, dass keine evidenzgestützten Empfehlungen ausgesprochen werden konnten; das betrifft vor allem operative und strahlentherapeutische Verfahren. In solchen Fällen griffen die Experten auf eine methodisch einwandfreie Evidenzrecherche zurück. „Bei knapp 5.000 Erkrankungsfällen pro Jahr ist das wirtschaftliche Interesse, verschiedene Therapiemöglichkeiten in hochwertigen, sogenannten prospektiv randomisierten Studien zu untersuchen und im direkten Vergleich zu bewerten, eher gering“, führt Prof. Peter Mallmann, ebenfalls Leitlinienkoordinator, aus. „Die Leitlinienarbeit hilft uns, die Wissenslücken aufzuspüren, die vorrangig in Studien untersucht werden sollten, um die Krebsversorgung zu verbessern. Im Interesse unserer Patientinnen benötigen wir aber auch intelligente Konzepte für eine entsprechende Finanzierung dieser Studien.“

Das Leitlinienprogramm Onkologie

Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Leistungserbringer und Patienten zur angemessenen Vorgehensweise bei speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und die Deutsche Krebshilfe e.V. haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung und Fortschreibung und den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen. Mehr unter leitlinienprogramm-onkologie.de

Die Deutsche Krebsgesellschaft

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) ist mit mehr als 7.200 Einzelmitgliedern das größte onkologische Experten-Netzwerk im deutschsprachigen Raum. Ziel der fachübergreifenden Arbeit der DKG ist eine flächendeckende, qualitätsgesicherte Versorgung und die Sicherstellung von Innovation in der modernen Krebsmedizin. Die DKG hat es sich außerdem zur Aufgabe gemacht, durch Zertifizierung die Qualität der Krebsversorgung zu überprüfen, damit die Betroffenen sicher sein können, nach bestem Kenntnisstand behandelt zu werden. Mehr unter www.krebsgesellschaft.de

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich auf die Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin gründet. Sie fördert das gesamte Fach und ihre Subspezialitäten, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter zu entwickeln und zu stärken. Sie garantiert damit die ständige Erneuerung diagnostischer und therapeutischer Richtlinien und Empfehlungen. Mehr unter www.dggg.de

Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie

Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) ist eine selbstständige Gemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft. Die AGO verfolgt die Förderung der Wissenschaft und Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung von Medizinern in dem Themen- und Aufgabenbereichen der gynäkologischen Onkologie einschließlich der Mammatumoren. Der Verein befasst sich mit allen klinischen, wissenschaftlichen und organisatorischen Anliegen auf diesem Gebiet. Mehr unter www.ago-online.de

Pressekontakt:
Dr. Katrin Mugele
Kuno-Fischer-Straße 8, 14057 Berlin
Tel: (030) 322 9329 60
E-Mail: mugele@krebsgesellschaft.de
www.krebsgesellschaft.de

Pressemitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft, Dr. Katrin Mugele


Krebszeitung

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