Dyadische Kommunikation und Belastungen bei Patienten mit Krebs und deren Angehörigen

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Krebserkrankungen betreffen meist nicht nur den Patienten alleine, sondern auch Partner, Familie und Freunde. Angehörige machen sich ebenfalls Sorgen und sind verunsichert, sie müssen sich mit einer möglicherweise veränderten Zukunftsperspektive auseinandersetzen und praktische Aufgaben zusätzlich übernehmen. Zudem sind sie Berater und Begleiter über den oft langen Behandlungsprozess. Neben der zeitlichen Belastung spielt auch der emotionale Austausch eine wichtige Rolle. Obwohl die Versorgung von Angehörigen eine zentrale Aufgabe psychoonkologischer Tätigkeit darstellt, fehlt es in Deutschland noch an konkreten Zahlen zum Versorgungsbedarf und Versorgungsangeboten speziell für diese Personengruppe.

Auch Angehörige von Krebspatienten leiden

Man weiß inzwischen, dass Angehörige von Krebspatienten ähnlich stark belastet sind wie die Patienten selbst. Eine große Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 40% der Partner erhöhte Angstwerte aufweisen und dass Angst das vorherrschende Gefühl bei Angehörigen ist, mehr noch als eine depressive Stimmung. In einer Studie der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg wurde nun neben Belastungen auch die krankheitsbezogene Kommunikation zwischen den Paaren untersucht. An der Studie nahmen insgesamt 189 an Krebs Erkrankte unterschiedlicher Tumorentitäten mit deren Angehörigen (83% Ehepartner, ansonsten erwachsene Kinder mit einem erkrankten Elternteil) teil. Rekrutiert wurden die Angehörigen über die Patienten, die sich zum Zeitpunkt der Befragung zur Behandlung oder Nachsorge in einer ambulanten oder stationären Abteilung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) des Universitätsklinikums Heidelberg befanden. Auch hier fand sich zunächst ein hoher Prozentsatz erhöhter Angstwerte bei Angehörigen (36%).

Offene Kommunikation über die Erkrankung tut vor allem dem Angehörigen gut

Bei 16%, also bei jedem sechsten Paar, gaben Angehörige an, dass der Patient nicht über die Krankheit oder Nebenwirkungen der Behandlung sprechen will. Ein offenes Gespräch über die Erkrankung und die Beschwerden ist für Angehörige jedoch wichtig, denn Unausgesprochenes lässt Ängste und Fantasien aufkommen, die in der Regel wesentlich belastender sind als das konkrete Wissen um die Situation des Erkrankten. So zeigt die Studie, dass Angehörige umso mehr unter Ängsten leiden, je weniger der Patient von sich preisgibt. Demgegenüber stellt es für den Patienten selbst keine besondere Belastung dar, er meint, durch das Nicht-Sprechen die Angehörigen sogar zu entlasten. Zudem befürchtet er überfürsorglich behandelt zu werden; diese Patienten wollen also nicht nur als Kranke gesehen werden.

Psychoonkologie kann helfen, einander zu verstehen

Aus diesem Forschungsprojekt ziehen wir das Fazit, dass das In-Gang-Bringen einer offenen Kommunikation  über die Krebserkrankung ein möglicher Ansatzpunkt zur Reduktion von Belastungen bei Angehörigen ist. Manchmal bedarf es dazu eines unbeteiligten Dritten, der mit der speziellen Situation vertraut ist und ein solches Gespräch unparteiisch initiiert und begleitet, damit eine Entlastung möglich wird. So sind bei etwa 30% der Gespräche in unserer psychoonkologischen Ambulanz am Nationalen Tumorzentrum in Heidelberg Angehörige mit dabei und werden ebenfalls bei der Bewältigung der Krankheit unterstützt. Zusätzlich besteht auch individuell für Angehörige die Möglichkeit, in Einzelgesprächen über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen, besonders wenn dies mit dem Patienten nicht möglich ist, weil es für diesen eine Überforderung bedeuten würde. Es bleibt aber eine Herausforderung, den Belastungen der breiten Masse von Angehörigen Krebskranker gerecht zu werden.

Vortrag:

H. Sklenarova, M.W. Haun, A. Brechtel, J. Huber, M. Thomas, E.C. Winkler, W. Herzog, M. Hartmann:
Dyadic communication and distress in cancer patients and their caregivers. Symposium: Psychoonkologische Versorgung – State of the Art

Statement von Dipl. Psych. Mechthild Hartmann, Universitätsklinikum Heidelberg


Krebszeitung

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