DNA-Impfung gegen Gliome

Die neue Ausgabe des International Journal of Cancer (IJC) berichtet, dass eine DNA-Impfung das Immunsystem zur Bekämpfung von Gliomen, Tumoren des zentralen Nervensystems, anregt. Geimpfte Mäuse bildeten Immunzellen, die den Tumor attackierten. Weitere Themen im aktuellen Heft sind der Zusammenhang zwischen einer Infektion mit dem Aidserreger und Krebs in der afrikanischen Bevölkerung sowie ein neues Verfahren zum Nachweis möglicher Biomarker bei Krebserkrankungen. Die Druckversion des IJC, Band 122 (10), erscheint am 15. Mai 2008.

Neue Ausgabe des International Journal of Cancer, Band 122 (10), erschienen

Die Behandlung von Gliomen, Tumoren des zentralen Nervensystems, ist kompliziert: Operation und Bestrahlung bergen ein hohes Risiko, gesunde Hirnregionen in Mitleidenschaft zu ziehen; für eine Chemotherapie besteht das Problem, dass nicht alle Medikamente die Blut-Hirn-Schranke passieren.

Eine mögliche Alternative ist die Immuntherapie, bei der das Immunsystem angeregt wird, gegen den Tumor vorzugehen. Ueda und Kollegen testeten in einer aktuellen Studie, ob sich das für Gliome typische Antigen SOX6 eignet, eine Immunantwort gegen den Tumor auszulösen. Dazu impften sie Mäuse, die zuvor ein Gliom entwickelt hatten, mit DNA, die die genetische Information für das Antigen SOX6 enthielt. Die Impfung löste die Bildung von Immunzellen aus, die den Tumor attackierten. Darüber hinaus besserte sich der klinische Zustand der so behandelten Mäuse.

Eine Reihe bösartiger Tumoren, beispielsweise das Kaposi-Sarkom, treten bei Aidspatienten besonders häufig auf. In einer aktuellen Studie untersuchten Stein und Kollegen den Zusammenhang zwischen HIV-Infektion und Krebsrisiko in der dunkelhäutigen Bevölkerung von Johannesburg. Die Auswertung der Daten aus zehn Jahren ergab, dass für HIV-1-positive Patienten ein etwa 50 Mal höheres Risiko besteht, an einem Kaposi-Sarkom zu erkranken als für die Durchschnittsbevölkerung. HIV-Patienten erkranken auch etwa sechs Mal häufiger an einem Non-Hodgkin-Lymphom als gesunde Personen. Für Tumoren des Anogenitalbereichs, für Gebärmutterhalskrebs, Plattenepithelkarzinome und Hodgkin-Lymphome ist die Rate 1,5- bis 2,5-fach erhöht. In den Industrienationen sind diese Zahlen um eine Zehnerpotenz größer. Bei den übrigen untersuchten Krebserkrankungen unterschieden sich HIV-Patienten nicht vom Durchschnitt der Bevölkerung.

Die Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) reduzierte in anderen Ländern die Häufigkeit von Tumoren, die mit einer HIV-Infektion in Verbindung stehen. Ob in den kommenden Jahren eine ähnliche Entwicklung in Südafrika stattfinden wird, wo HAART auch nach und nach verfügbar wird, bleibt abzuwarten.

Biomarker helfen, Krankheiten zu diagnostizieren und ihren weiteren Verlauf genauer abzuschätzen. Amerikanische Forscher haben jetzt ein besseres Verfahren entwickelt, krebstypische Proteine – mögliche Biomarker für Krebserkrankungen – in Gewebeproben nachzuweisen. Sie entwickelten Hühner-Antikörper gegen die beiden Proteine HER2 und Telomerase, die als Biomarker bei Brust- beziehungsweise Prostatakrebs dienen. Mit den Hühner-Antikörpern lassen sich die Krebsproteine präziser nachweisen als mit bisher verwendeten Antikörpern. Das Verfahren kann dazu eingesetzt werden, mögliche Biomarker-Kandidaten zu überprüfen, damit diese schneller für die klinische Anwendung verfügbar werden.

Ueda et al. Induction of protective and therapeutic antitumor immunity by a DNA vaccine with a glioma antigen,
SOX6
DOI: 10.1002/ijc.23366

Stein et al. The spectrum of human immunodeficiency virus-associated cancers in a South African black population: Results from a case-control study,
1995-2004
DOI: 10.1002/ijc.23391

Xiao et al. Quantitation of HER2 and telomerase biomarkers in solid tumors with IgY antibodies and nanocrystal detection
DOI: 10.1002/ijc.23320

Weitere Artikel sind unter folgendem Link verfügbar:
www3.interscience.wiley.com/journal/117939172/issue

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Pressemitteilung des dkf


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