Dickdarmkrebs muss nicht sein – dank Früherkennung

Frankfurter Klinikärzte appellieren beim bundesweiten Darmkrebsmonat für mehr Aufmerksamkeit gegenüber Risiken des Dickdarmkrebs und effektive Vorsorgemöglichkeiten. Jedes Jahr erkranken 60.000 Bundesbürger am kolorektalen Karzinom (Dickdarmkrebs). Alarmierend neben dieser Zahl der Neuerkrankungen ist die Sterberate mit jährlich ca. 30.000 Todesfällen. Unverständlich reagieren deshalb besonders Gastroenterologen auf diese erschreckenden Zahlen. Denn effektive diagnostische Methoden und Therapieverfahren zur Vorbeugung einer Darmkrebserkrankung gibt es, bei rechtzeitiger Diagnose liegt die Heilungschance sogar bei fast 100 Prozent.

Die Bevölkerung auf die fatalen Folgen einer Darmkrebserkrankung hinzuweisen und für die hervorragenden Früherkennungseffekte einer Routineuntersuchung mittels Darmspiegelung oder Okkulttest für den Nachweis von verstecktem Blut im Stuhl zu sensibilisieren, war Ziel des 1. Frankfurter Pressefrühstücks im Rahmen des bundesweiten Darmkrebsmonats März 2006, das Professor Dr. W. F. Caspary und Professor Dr. Dr. J. Stein vom Fachbereich Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe- Universität Frankfurt am Main, veranstalteten.

Unter dem Motto „Dickdarmkrebs früh erkennen – Dickdarmkrebs ganz verhindern“ trafen sich mit den Veranstaltern Professor Caspary und Professor Stein weitere Gastroenterologen des Universitätsklinikums Frankfurt, des St. Marienkrankenhauses und der Direktor der Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie, Professor Dr. W. O. Bechstein. Es standen außerdem auf dem Podium der Gastroenterologe Professor Dr. A. Dignaß und Professor Dr. K.-H. Fuchs, Gefäß- und Thoraxchirurg (Markus-Krankenhaus Frankfurt), sowie Vertreter der Netzwerkprojekte zur Darmkrebsbekämpfung, der Stiftung LebensBlicke e.V. und des Hessischen Qualitätsnetzes Gastroenterologie. In der Bibliothek der Medizinischen Klinik I klärten die Experten interdisziplinär über Ursachen und Folgen des Dickdarmkrebs auf, stellten bewährte Früherkennungsmethoden vor und informierten über Stand und Ausblick der Darmkrebsforschung.

Risikogruppen können frühzeitig erkannt werden
Darmkrebs entsteht meist aus zunächst gutartigen Schleimhautwucherungen (Polypen), die sehr langsam wachsen. Grundsätzlich können sie bei jedem Menschen, auch bei gesunder Lebensführung, auftreten. Aus solchen Wucherungen der Darmschleimhaut entsteht ohne Behandlung innerhalb von etwa zehn Jahren Darmkrebs. Da gutartige Polypen zum Bluten neigen, können sie mittels eines Stuhlbluttests, der auch okkultes (nicht sichtbares) Blut im Stuhl erkennt, leicht festgestellt werden.

Besteht nach positivem Stuhlbluttest ein Verdacht auf Darmkrebs, muss eine Darmspiegelung auch vor dem 55. Lebensjahr durchgeführt werden. Die Darmspiegelung ist eine sichere Untersuchung, die den Patienten nicht oder nur gering belastet. Sie ermöglicht die Entfernung von einzelnen Polypen. Je nach Stadium können kolorektale Polypen in vielen Fällen restlos entfernt werden.

Neue endoskopische Verfahren wie die Chromo- und Zoomendoskopie helfen dem Gastroenterologen den Darmkrebs noch früher und effizienter zu erkennen. Die Doppelballon-Enteroskopie – d. h. die komplette Endoskopie des Dünndarms – ist nach Meinung des Gastroenterologen Dr. J. Trojan vom Universitätsklinikum Frankfurt, Spezialist für Dickdarmkarzinome und Anlaufstelle für Patienten mit erblichem Darmkrebs, für die Darmkrebsfrüherkennung nicht geeignet, da im Dünndarm weniger als 5 Prozent der gastrointestinalen Tumorerkrankungen entstehen. Auch er betont, dass die Zahl der Neuerkrankungen sich aber um ein deutliches Maß verringern ließe, würden sich besonders auch Menschen mit erblicher Vorbelastung in der Familie einer gezielten Vorsorgeuntersuchung unterziehen. „Diese Risikogruppe hat ein um bis zu 20-fach erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken“, erklärte Dr. Trojan beim Pressegespräch.

Eklatant niedrige Akzeptanz von Vorsorgeuntersuchungen
Würden sich mehr Menschen – vor allem die Risikogruppe der über 50-Jährigen – konsequent einer Dickdarmkrebsvorsorgeuntersuchung unterziehen, ließe sich diese Krankheit nachweislich um 70 bis 90 Prozent verhindern. „Keine Krebsart, außer dem Hautkrebs, kann so effektiv durch Vorsorgeuntersuchungen verhindert werden wie der Dickdarmkrebs“, erklärte Professor Dr. J. Stein während des Pressegesprächs. Nur wenige Frauen und Männer nutzen die Früherkennungsangebote der Gesetzlichen Krankenkassen.

Gesetzlich Krankenversicherte ab 55 Jahren können an zwei Darmspiegelungen (Koloskopie) im Abstand von zehn Jahren teilnehmen. Nur 3 Prozent der 55-Jährigen nutzen diese unkomplizierte Früherkennungsmethode. Die Wiederholungsuntersuchung nach 10 Jahren tragen die Krankenkassen. Zudem wird seit 1976 die Vorsorgeuntersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl erstattet. Diese nehmen aber nur 16 Prozent der Männer und von 32 Prozent der Frauen wahr. „Es ist den Behörden nicht gelungen, die Bevölkerung für die Nutzung der Früherkennung wachzurütteln“, konstatierte Gastroenterologe Professor Dr. W. F. Caspary.

Umso wichtiger, so das Credo der Podiumsteilnehmer, sei eine intensive Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit von Seiten der Kliniken und Förderinstitutionen, um Patienten und niedergelassene Ärzte auf die umfangreichen und ständig weiterentwickelten Versorgungsmöglichkeiten der Kliniken in der Diagnose und Behandlung von Darmkrebserkrankungen aufmerksam zu machen. Denn die Rhein-Main-Region verfügt mit national und international anerkannten Gastroenterologen in den Frankfurter Kliniken über ein exzellentes, die Fachbereiche effektiv zusammenführendes Versorgungsnetz in Diagnose, Operation, Therapie sämtlicher Darmkrebserkrankungen und Immunerkrankungen des Magen-Darm- Traktes. Das, so Professor Dr. Dr. J. Stein, nicht zuletzt durch die Gründung eines bundesweit einmaligen „Kompetenznetzes-Darm“ zwischen 14 gastroenterologischen Praxen und ausgewählten Kliniken des Rhein- Main-Gebietes ein weiteres Qualitätsmerkmal erhält.

Mittlerweile verwenden die Kliniken schonende Operationsmethoden wie die minimal-invasive laparoskopische Methode beim Dickdarmkrebs, mit deren Hilfe ein offener Eingriff vermieden werden kann. „Beim tief sitzenden Mastdarmkrebs kann heute zunehmend so operiert werden, dass sogar ein permanenter künstlicher Darmausgang vermieden werden kann – insbesondere nach Vorbehandlung mit Strahlen- und Chemotherapie“, so der Chirurg Professor Dr. W. O. Bechstein vom Universitätsklinikum Frankfurt auf dem Podium.

Netzwerkprojekte und Foren wie der Förderverein LebensBlicke e.V. und das Hessische Qualitätsnetz Gastroenterologie sind wichtige Stützen in der breiten Aufklärung über den Darmkrebs, die wirksam über Prävention und Gesundheitsvorsorge speziell bei Darmerkrankungen aufklären. Die Stiftung LebensBlicke e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zahl der Darmkrebstoten in Deutschland bis zum Jahr 2010 zu halbieren und so ca. 15.000 Menschenleben pro Jahr zu retten.

Pressemitteilung Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M., Ricarda Wessinghage


Krebszeitung

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