Diagnostik des Harnblasenkrebs

Blasenspiegelung (Zystoskopie) beim Mann mit einem flexiblen Zystoskop - Bild: Detlef Höwing

Im letzten Artikel haben wir über die Risiken, die zu Harnblasenkrebs führen können, aufgeklärt und über mögliche Vorsorge- und Früherkennung berichtet, der ein Mittel darstellt, frühzeitig Blasenkrebs zu erkennen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns nun mit den diagnostischen Möglichkeiten, Harnblasenkrebs (auch Blasenkrebs oder medizinisch Urothelkarzinom genannt) zu erkennen.

Symptome

Harnblasenkrebs wird oftmals zu spät erkannt, da Symptome der Erkrankung oft sehr spät auftreten und von Arzt wie Patient falsch gedeutet werden können, da gleiche Symptome auch auf weniger gefährliche Erkrankungen hinweisen können. Gerade der Anteil der zu spät diagnostizierten Frauen ist sehr hoch, da bestimmte Frauenleiden die gleiche Symptomatik haben können.

Die Symptome im Einzelnen:

  • Häufig auftretende Infekte oder Entzündungen der Harnblase
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang
  • Harninkontinenz
  • Harnverhalt
  • Sichtbare oder nicht sichtbare Blutbeimengungen im Urin (Makro- oder Mikrohämaturie)
  • Zellklumpen im Urin

Wenn diese Symptome auftreten, ist unbedingt der Arztbesuch bei einem Urologen zu empfehlen, der den Ursachen auf den Grund gehen wird. Bei Blutbeimengungen im Urin ist auf jeden Fall ein Harnblasenkrebs auszuschließen, so die Empfehlung der internationalen Leitlinien zum Harnblasenkrebs

Schmerzen entstehen oft erst sehr spät in weit fortgeschrittenen Stadien oder wenn ein Harnleiter (von der Niere zur Harnblase) oder die Harnröhre durch einen Tumor verlegt ist. In diesem Fall können die Schmerzen auch in den Flanken oder im Rücken sein, wegen der Stauung oder Entzündung der betroffenen Niere.

Diagnostik

Die wichtigste visuelle Untersuchung beim ersten Besuch beim Urologen ist die Sonografie (Ultraschall-Untersuchung) der Harnblase, der Nieren und des gesamten Unterbauchs, wo schonend für den Patienten schnell der erste Befund auf ein mögliches Vorliegen eines Harnblasenkrebs gestellt werden kann.

Blut- und Urin-Laboruntersuchungen können den Verdacht erhärten. Eine mikroskopische Untersuchung des Urins (Urinzytologie) ist oft wenig hilfreich, weil Tumorzellen selten im Urin zu finden sind. Nur bei den aggressiven Harnblasenkarzinomen (schlecht differenzierten) ist die Treffsicherheit höher. Wenn also keine Tumorzellen im Urin gefunden werden, ist dies kein Beweis gegen das Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms. Als zusätzliche Urinuntersuchung ist der UBC Rapid Test zu empfehlen, der preiswert ist und dem Urologen ein zusätzliches diagnostisches Mittel an die Hand gibt, den Verdacht auf ein Vorliegen eines Harnblasenkrebs zu erhärten. Eine weitere mögliche diagnostische Urin-Untersuchung steht mit dem UroVysion-Test zur Verfügung. Dies ist eine aufwendige Labortestung mit zytogenetischen Hintergrund, bei der die bei Harnblasenkrebs häufigen chromosomalen Veränderungen durch Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) mit hoher Sensitivität nachgewiesen werden können.

Die weitergehende Untersuchung ist die Spiegelung der Harnblase (Zystoskopie), die in einer urologischen Klinik oder beim Urologen vorgenommen wird. Unter Lokalanästhesie oder Narkose wird ein starres Rohr durch die Harnröhre in die Harnblase vorgeschoben. Über eine Optik kann das Innere der Harnblase angesehen werden. Wenn der Urologe einen Tumor in der Harnblasenwand sieht, kann er abschätzen, welche Wandschichten der Tumor durchdringt und auch Proben entnehmen, die dann mikroskopisch untersucht werden. Der Arzt kann auch die Mündungen der beiden Harnleiter sehen und erkennen, ob Blut aus einem der beiden Harnleiter kommt. Über eine Zystoskopie kann auch eine Tumoroperation erfolgen, wenn der Tumor noch klein genug ist bzw. sich in einem Anfangsstadium befindet. Dabei wird mit einer elektrischen Schlinge der Tumor entfernt, zerkleinert und später ausgespült. Diese Operation wird transurethrale Resektion genannt (TUR).

Blasenspiegelung (Zystoskopie) beim Mann mit einem flexiblen Zystoskop - Bild: Detlef Höwing

Blasenspiegelung (Zystoskopie) beim Mann mit einem flexiblen Zystoskop – Bild: Detlef Höwing

Entwickelt zur besseren Detektion von Harnblasenkrebs, insbesondere dem Carcinoma in situ (Cis), kann eine HEXVIX®-Zystoskopie Läsionen nachweisen, die mit der Standard-Weißlicht-Zystoskopie allein unter Umständen nicht gesehen werden. Nach der Instillation (Einbringen eines Medikamentes in die Harnblase) wird HEXVIX® in ein photoaktives Porphyrin umgewandelt, welches sich in rasch vermehrenden Zellen (z.B. Tumoren) anreichert. Unter Blaulicht fluoreszieren diese Zellen rot. Deshalb wird dieses Verfahren auch Fluoreszenz-Diagnostik oder auch Photodynamische Diagnostik (PDD) genannt. Dieses Phänomen macht die HEXVIX®-Zystoskopie zu einer hochsensitiven diagnostischen Methode.

Die zusätzliche HEXVIX®-Zystoskopie im Vergleich zur alleinigen Standard-Weißlicht-Zystoskopie hat die folgenden Vorteile: verbunden. Die Europäischen Leitlinien empfehlen ausdrücklich die Anwendung der Fluoreszenz-Zystoskopie z.B. mit Hexaminolävulinsäure hydrochlorid (HEXVIX®) während der Zystoskopie und TUR der Harnblase.

  • Nachweis von etwa 30 % mehr Patienten mit Harnblasenkrebs
  • Nachweis von etwa 67 % mehr Cis-Läsionen
  • adäquatere Behandlung jedes fünften Patienten mit nachgewiesenem Harnblasenkrebs

HEXVIX® wird in Verbindung mit Zystoskopen eingesetzt, die mit Filtern ausgerüstet sind, die sowohl eine Standard-Weißlicht-Zystoskopie als auch eine Blaulicht-Fluoreszenz-Zystoskopie im Wechsel erlauben. Das Verfahren lässt sich problemlos zusätzlich zur Standard-Weißlicht-Zystoskopie durchführen und ist mit keinen zusätzlichen Komplikationen verbunden. Die Europäischen Leitlinien empfehlen ausdrücklich die Anwendung der Fluoreszenz-Zystoskopie z.B. mit Hexaminolävulinsäure hydrochlorid (HEXVIX®) während der Zystoskopie und TUR der Harnblase.

Hexvix-Zystoskopie - Bild: Detlef Höwing

Hexvix-Zystoskopie – Bild: Detlef Höwing

Bei dem diagnostischen Vorgehen ist unter anderem eine Stadieneinteilung des Harnblasenkarzinoms wichtig, weil von dem Stadium die Therapie und die Prognose abhängt. Auch hier ist die beste Untersuchung die Zystoskopie und Probenentnahme (TUR). Die Proben werden im Anschluss daran pathologisch hinsichtlich der Stadieneinteilung und der Eindringtiefe untersucht. Nach diesem pathologischen Befund richtet sich dann die weiteren Therapieoptionen.

Stadieneinteilung des Harnblasenkrebs:

(p) Ta = nichtinvasiver papillärer Tumor
(p) Cis = Carcinoma in situ („flacher aggressiver Tumor“)
(p) T1 = Tumor infiltriert oberflächlich die Blaseninnenwand
(p) T2 = Tumor infiltriert Muskulatur
(p) T3 = Tumor infiltriert Fett-Bindegewebe
(p) T4 = Tumor infiltriert benachbarte Organe

Eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) wird bei jedem Patienten sinnvoll sein, bei dem ein Harnblasenkarzinom festgestellt wird. Hinsichtlich der Stadieneinteilung sind sie der Harnblasenspiegelung (Zystoskopie) jedoch deutlich unterlegen, weil beide Untersuchungen die verschiedenen Schichten der Harnblasenwand nicht befriedigend darstellen können. Von der Beteiligung der verschieden Schichten der Harnblasenwand ist nämlich die Stadieneinteilung maßgeblich abhängig. Vom MRT und CT kann jedoch eine Beteiligung von Nachbarorganen (Darm, Gebärmutter, Prostata, Samenblasen, Beckenbodenmuskulatur oder Lymphdrüsenbefall) festgestellt werden. Die Beteiligung der Nachbarorgane wird bei einer Blasenspiegelung nämlich nicht erkannt.

Tumorarten der Harnblase

Obwohl bei Tumoren der Harnblase überwiegend Urothelkarzinome vorliegen, gibt es auch andere Tumorarten, von denen die Harnblase betroffen sein kann:

  • Adenokarzinome
  • Urachuskarzinome
  • Plattenepithelkarzinome
  • Neuroendokrine Tumoren der Harnblase
  • Papillome

Bis auf Papillome der Harnblase, sind alle diese Tumorarten bösartig. Aber auch die Papillome der Harnblase bedürfen je nach Stadium der Erkrankung eine intensive,

individuelle Therapie und lebenslange Kontrolluntersuchungen. Auch die Heilungsprognose richtet sich nach der Tumorart und in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet und ob bereits ein Lymphknotenbefall oder eine Fernabsiedelung in einem anderen Organ vorliegt.

In der nächsten Ausgabe berichten wir über die Therapie von Harnblasenkrebs. Zum einen werden wir über die Therapieoptionen beim oberflächlichen Harnblasenkrebs berichten zum anderen über die Therapiemöglichkeiten von bereits infiltrierten (in die Harnblasenwand eingedrungenen) Tumoren berichten.

Autor: Detlef Höwing

Wissenschaftliche Mitarbeit:

Prof. Dr. med. Manfred Beer, Chefarzt der Urologie des Franziskus-Krankenhaus Berlin,
Dr. med. Jörg Neymeyer, OA Urogynäkologie des Franziskus-Krankenhaus Berlin,
Dr. med. Gerson Lüdecke, Facharzt für Urologie, Giessen,
Dr. med. Frank König, F.E.B.U., Berlin,
PD Dr. med. Frank Christoph, F.E.B.U., OA der Klinik für Urologie der Charité Berlin Mitte,

Hilfreich zum Thema:

Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.:
Hotline: 0208 62196041
http://www.blasenkrebs-shb.de/selbsthilfe/

Selbsthilfe Harnblasenkrebs e.V.:
Hotline: 0178 2777132
www.selbsthilfe-harnblasenkrebs.de

Blasenkrebs RisikoChek:
http://riskcheck-bladder-cancer.info
www.blasenkrebs.net

Blasenkrebs Online-Forum:
www.forum-blasenkrebs.net


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