Brustzentrum Halle auf dem richtigen Weg

Brustkrebszellen - Quelle: Dr. Lutz Langbein, Deutsches Krebsforschungszentrum

Als erstes Zertifiziertes Brustzentrum in den neuen Bundesländern hat das Zentrum der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nun auch das erste Re-Audit – die jährliche Überprüfung – durch die Deutsche Krebsgesellschaft bestanden. Die Prüfer bescheinigen in ihrem Bericht der Einrichtung, ein „gelebtes Brustzentrum“ zu sein und sich auf dem richtigen, „vorbildlichen“ Entwicklungsweg zum Wohle der Patientinnen zu befinden, erklärt der Direktor des Brustzentrums, Professor Dr. Christoph Thomssen, zufrieden.

Vor einem Jahr wurde das Brustzentrum Halle als erstes in den neuen Bundesländern zertifiziert. In den vergangenen zwölf Monaten arbeiteten die Mitarbeiter der im Brustzentrum zusammengeschlossenen Kliniken engagiert daran, Diagnostik und Therapie weiter zu optimieren:

  • Verlagerung der radiologischen Mamma-Diagnostik (Mammographie,
    Biopsien) von der Magdeburger Straße in das Universitätsklinikum Kröllwitz, wo sich auch die Frauenklinik und die o­nkologische Klinik befinden, beide Partnerkliniken im Brustzentrum. „Dies bringt eine Zeitersparnis im Diagnostik-Prozess und macht noch schnellere Absprachen möglich“, sagt Oberärztin Dr. Anke Heinig, Leiterin des Bereichs Mammadiagnostik der Universitätsklinik und Poliklinik für Diagnostische Radiologie. Außerdem wird ein neues Mammographie-Gerät eingesetzt, ebenso ein neuer Biopsie-Tisch für die Vakuum-Biopsien. Kein anderes Brustzentrum verfügt über solch umfangreiche Erfahrungen mit dieser Untersuchungsmethode, die 1996 in Halle erstmals in Deutschland etabliert wurde. Bisher wurde bei mehr als 4000 Frauen eine Gewebeprobe entnommen.
  • Weitere Etablierung und Qualitätssicherung der Sentinel-Node-Biopsie:
    Dabei wird vor der Operation eine sehr geringe Menge eines Radionuklids in die Umgebung des Mammakarzinoms injiziert und anschließend mit einem Detektor der Lymphabfluss dargestellt. Der erste Lymphknoten, der das Radionuklid speichert, wird als „Wächterlymphknoten“ oder „Sentinel-Node“ bezeichnet. Er wird entfernt und während der Operation unter dem Mikroskop untersucht. Werden in diesem Lymphknoten keine Tumorzellen gefunden, wird auf die Operation der Achselhöhle verzichtet, da man davon ausgehen kann, dass dann auch die weiteren Lymphknoten frei von Tumorzellen sind. Falls sie von Metastasen befallen sind, schließt sich eine operative Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle an. „Durch dieses Verfahren kann den meisten Brustkrebs-Patientinnen dieser operative Eingriff und die damit verbundenen Beschwerden wie Lymphödeme erspart werden“, konstatiert Oberärztin Regina Große.
  • Durch bestimmte Zusatzuntersuchungen wird die Therapie immer individueller gestaltet.
    Dadurch kann die Chemotherapie effizienter eingesetzt – und damit auch die Belastung für die Patientinnen verringert werden. Teilweise kann auf die Gabe von Chemotherapeutika sogar verzichtet werden.
  • Die Brustrekonstruktion durch Eigengewebe ersetzt immer mehr den Wiederaufbau mit künstlichen Implantaten.
    Alle modernen Rekonstruktionsverfahren werden angeboten, von besonderem Interesse ist dabei die Nutzung des Bauchfetts (sog. TRAM-Flap-Technik).
  • Die klinische Forschung sowie die Grundlagenforschung wurden weiter vorangetrieben, um zum einen Diagnostik und Therapie zu verbessern und zum anderen die Ursachen für die Entstehung von Krebs zu untersuchen.

Der gute Ruf des Brustzentrums Halle reicht weit über die Stadt hinaus. Aus ganz Sachsen-Anhalt kommen Patientinnen an das Universitätsklinikum, aber auch aus anderen Bundesländern und sogar aus dem Ausland reisen Frauen an, um sich untersuchen und behandeln zu lassen. Im vergangenen Jahr suchten über 600 Frauen Rat in der Sprechstunde des Brustzentrums Halle.

„Das Brustzentrum Halle steht beispielsweise für eine besondere Expertise in der radiologischen Diagnostik“, zeigt der Leiter des Brustzentrums stolz auf das bisher Geleistete.

In der Universitätsklinik und Poliklinik für Diagnostische Radiologie wurden im vergangenen Jahr etwa 700 stereotaktisch gestützte Vakuumbiopsien durchgeführt. Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine gezielte Gewebeentnahme aus unklaren Herdbefunden in der Brust mittels einer Hohlnadel, die in lokaler Betäubung durchgeführt wird. Die Steuerung der Biopsienadel erfolgt dabei mit Hilfe von Ultraschall, Mammographie oder – eine Besonderheit der Technik in Halle – mittels Kernspintomographie (MRT). Wichtig sei, so Oberärztin Große, dass sich alle Beteiligten streng an die Leitlinien zur Behandlung von Brustkrebs halten. Für jede Patientin werde im Kollegenkreis Diagnostik, operative Maßnahmen und die Medikamententherapie in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen, dazu seien auch die niedergelassenen Kollegen eingeladen. Bedeutsam ist die psychologische Betreuung der Patientinnen.

Nur wenige Brustzentren verfügen wie in Halle über eine Psychologin, die sich nur um die Brustkrebs-Patientinnen kümmert. Ebenso wichtig ist die Arbeit mit der Kunsttherapeutin. Ziel sei es nun, auch spezielle Sportangebote für Krebskranke zu etablieren, sagt Professor Thomssen.

Die Deutsche Krebsgesellschaft fordert von den Zertifizierten Brustzentren, dass diese ihre Arbeit auf Grundlage international anerkannter Richtlinien (zum Beispiel Qualitätsmanagementsystem nach DIN ISO 9001) organisieren und kontinuierlich optimieren. Die Organisationsstruktur und die Optimierung von Diagnostik und Behandlung werden jährlich im Rahmen eines Re-Audits durch staatlich zugelassene Gesellschaften wie Nis-Zert und TÜV überprüft. Alle drei Jahre steht die Zertifizierung auf dem Prüfstand.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christoph Thomssen
Tel.: 0345 55-71847
Fax: 0345 55-71501
E-Mail: christoph.thomssen@medizin.uni-halle.de

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.medizin.uni-halle.de/

Pressemitteilung Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Ingrid Godenrath


Krebszeitung

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