Brustkrebs-Buch: Überleben Glücksache

Brustrekonstrukion - Quelle: AVISO med

„Der Medizinbetrieb reibt mich auf!“, schreibt Sibylle Herbert, 46, in ihrem Buch „Überleben Glücksache – Was Sie als Krebspatient in unserem Gesundheitswesen erwartet“. Das Buch ist soeben im Scherz Verlag erschienen. Anlässlich einer Podiumsdiskussion kommentierte Wilfried Jacobs, Vorstandsmitglied der Deutschen Krebshilfe, am 24. Februar 2005, in Berlin: „Brustkrebskranke Frauen leiden doppelt: an ihrer Krankheit und am Medizinbetrieb.“ Die Deutsche Krebshilfe fordert umfassende Veränderungen der Ablaufstrukturen im Medizinbetrieb, um die Situation krebskranker Menschen zu verbessern.

Deutsche Krebshilfe fordert Verbesserungen im Medizinbetrieb

Alltag im Medizinbetrieb:
eine Brustkrebs-Patientin muss um Kopien ihrer Befund-Unterlagen kämpfen, muss sich Informationen beschaffen, um den Arzt zu verstehen, muss sich mit den Krankenkassen auseinandersetzen bei der Hilfsmittelversorgung. „Auf der Strecke bleibt letztlich der Patient“, konstatiert die Autorin in dem Erfahrungsbericht „Überleben Glücksache“.

Die Autorin und Journalistin Sibylle Herbert erkrankte 2002 an Brustkrebs. Sie wurde operiert und erhielt eine Chemo- und Strahlentherapie. Ihre Erfahrungen im Medizinbetrieb veröffentlichte sie nun – zusammen mit sehr persönlichen Berichten der behandelnden Ärzte: „25 Prozent meiner Zeit benötige ich für die Dokumentation“, berichtet der Internist. „Ich als niedergelassene Ärztin weiß gar nicht mehr, welche Rolle ich eigentlich noch spiele. Ich habe nur noch die Aufgabe, Überweisungen auszustellen und frage mich, ob eine Beratung durch mich noch gewünscht wird“, sagt die niedergelassene Frauenärztin.

Und der Strahlentherapeut: „Wenn ich mir vorstelle, da ist eine Frau allein, die hat niemanden, der sie unterstützt, der aktiv wird – die bekommt bei manchen niedergelassenen Ärzten nicht einmal mehr einen Termin als Kassenpatientin. Da hört es doch auf.“

„Die offensichtlichen Kommunikations- und Strukturprobleme im Medizinbetrieb müssen von allen Beteiligten gemeinsam schnellstens Lösungen zugeführt werden“, so Wilfried Jacobs in Berlin. „Die Deutsche Krebshilfe setzt sich ein für die Qualitätssicherung in der Versorgungskette, die von der Diagnose über die Therapie bis hin zur Nachsorge reicht. Wir fordern aber auch, dass der Patient in die Abläufe des Medizinbetriebs eingebunden und aktiv am Therapieprozess beteiligt wird.“

Bereits im Jahre 2003 veröffentlichte die Deutsche Krebshilfe eine Studie, in der die Defizite bei der Versorgung von Brustkrebs-Patientinnen dokumentiert und analysiert wurden. Seither arbeitet die Deutsche Krebshilfe gemeinsam mit Fachgesellschaften, Patientenvertretern und Gesundheitspolitikern daran, ein Paket mit Verbesserungsvorschlägen umzusetzen. Schwerpunkte dabei sind die rasche Einführung des qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings zur Früherkennung von Brustkrebs, eine umfassende Aufklärung über Brustkrebs, beginnend schon bei jungen Frauen, die Erstellung von Leitlinien für die Diagnostik und Therapie, patientinnengerechte Aufklärung im Verlauf der Behandlung, Überprüfung der Angebote im Bereich der Nachsorge sowie eine von der pharmazeutischen Industrie unabhängige Krebs-Selbsthilfe.

„Wir wollen erreichen, dass die betroffenen Frauen kompetent und einfühlsam begleitet werden und dass nicht nur ihre körperliche Erkrankung, sondern auch ihre seelische Belastung wahr genommen wird“, so Wilfried Jacobs. „Und was für Frauen mit Brustkrebs gilt, ist in ähnlicher Form für alle Krebs-Patienten von Bedeutung.“

Infokasten: Brustkrebs
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen: Jedes Jahr erkranken über 48.000 Frauen in Deutschland neu daran, und etwa 18.000 Frauen sterben an dieser Krankheit. Doch die Heilungschancen sind gut, wenn der Tumor rechtzeitig erkannt wird. Die Ursachen für eine Brustkrebserkrankung sind nach wie vor unklar. Risikofaktoren sind das Alter, frühes Eintreten der Regelblutung und spät einsetzende Wechseljahre, Alkohol, Übergewicht und Rauchen. Etwa fünf bis zehn Prozent der Brustkrebsfälle sind erblich bedingt.
Bonn, 25. Februar 2005 www.krebshilfe.de

Pressemitteilung der Deutschen Krebshilfe


Krebszeitung

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