Allianz für Tumor-Zentren

Von links: Prof. Bamberg, Friedrich Carl Janssen, Gerd Nettekoven

Von links: Prof. Bamberg, Friedrich Carl Janssen, Gerd Nettekoven(Berlin) Das Motto der Deutschen Krebshilfe – für die immer der Krebs-Patient im Fokus ihrer Arbeit steht— lautet „Helfen. Forschen. Informieren,“. Damit ist klar umrissen, aufweichen Feldern unse­re Organisation aktiv ist: unmittelbare Hilfe für Betroffene, Förderung der Krebsforschung, Infor­mation und Aufklärung der Bevölkerung. Unser permanentes Ziel ist die Verbesserung der Ver­sorgung krebskranker Menschen, und zwar auf allen Ebenen – der Diagnostik, der Therapie, der psychosozialen Betreuung. Als einen der wichtigsten Arbeitsschwerpunkte in den nächsten Jahren sehen wir die Etablierung optimaler Versorgungsstrukturen und -prozesse. Wir sind sicher, dass wir damit die onkologische Versorgung in Deutschland weiter nach vorne bringen und gewährleis­ten können, dass Krebs-Patienten bundesweit bestmöglich behandelt werden.

Gemeinsame Pressekonferenz Deutsche Krebshilfe / Deutsche Krebsgesellschaft

Beim 24. Deutschen Krebskongress im Jahr 2000, also vor genau acht Jahren, prangerte der damalige Kongresspräsident, Herr Professor Weißbach, an, dass die Tumorzentren in Deutschland den Ansprüchen einer modernen Onkologie zum größten Teil nicht standhalten würden. Darauf hin formierte sich auf Initiative der Deutschen Krebshilfe eine Allianz: Deutsche Krebshilfe, Deutsche Krebsgesellschaft und Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (ADT) beschlossen, die Arbeit der Tumor-Zentren gemeinsam zu evaluieren.

Die Deutsche Krebshilfe setzte sich zum Ziel, die in der Evaluation aufgedeckten Defizite zeitnah durch eine Neuausrichtung der Zentren zu beseitigen. Wir nahmen die Evaluation zum Anlass, ein Förderprogramm zur Etablierung ‚Onkologischer Spitzenzentren‘ auf den Weg zu bringen. Diese Zentren sollen nach unseren Vorstellungen künftig neue Standards in der Diagnostik, Behandlung und Betreuung von Krebserkrankungen etablieren, Krebs-Patienten nach weitgehend einheitlichen Prozessen versorgen und die Krebsforschung, insbesondere die translationale Forschung, voran bringen. Die Ziele des Förderschwerpunktprogramms sind ehrgeizig. Die Zentren müssen

  • für alle Tumorpatienten eine zentrale Anlaufstelle vorhalten (alle Tumorpatienten gehen grundsätzlich durch eine „Tür“),
  • den Behandlungsablauf für jeden Tumorpatienten in einem interdisziplinären „Tumor Board“ definieren,
  • leitliniengerechte bzw. evidenzbasierte Behandlungskonzepte anbieten, die Krankenhäuser sowie die niedergelassene Ärzteschaft in der Region einbinden,
  • die klinische Forschung eng mit der Krankenversorgung verzahnen,
  • ein klinisches Krebsregister vorhalten und die Patientendaten auch in ein epidemiologisches Krebsregister einbringen,
  • psychosozial-onkologische und palliativmedizinische Strukturen vorhalten bzw. aufbauen und mit der Krebs-Selbsthilfe zusammenarbeiten.

Wir haben das Förderprogramm ‚Onkologische Spitzenzentren‘ im Frühjahr 2006 erstmals ausgeschrieben. Im Frühjahr 2007 beschloss der Vorstand der Deutschen Krebshilfe, nach eingehender internationaler Begutachtung der Bewerber, für zunächst drei Jahre folgende Zentren mit einer Million Euro pro Jahr und Zentrum zu fördern:

  • das Universitäts KrebsCentrum Dresden,
  • das Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer – Comprehensive Cancer Center Freiburg,
  • das Centrum für Integrierte Onkologie Köln/Bonn und
  • das Südwestdeutsche Tumorzentrum / Comprehensive Cancer Center Tübingen.

Parallel dazu entstand in Heidelberg das „Nationale Centrum für Tumorerkrankungen“, das ebenfalls von der Deutschen Krebshilfe unterstützt wird.

Mittlerweile läuft der „Second Call“ für weitere Spitzenzentren. Noch bis zum 2. Mai können sich alle Zentren, die sich den Ansprüchen unseres Schwerpunktprogramms stellen, um eine Förderung bewerben. Die Deutsche Krebshilfe plant, bis zum Jahr 2009 insgesamt 10 onkologische Spitzenzentren in Deutschland zu etablieren und zu fördern. Dieses Programm ist eine Langzeitinitiative.

Die Deutsche Krebshilfe sieht in der Deutschen Krebsgesellschaft einen wichtigen und entscheidenden Partner, um Impulse aus diesem Programm in die Fläche zu bringen. Hierzu hat die Deutsche Krebsgesellschaft eine Initiative zur Etablierung und Zertifizierung von so genannten Organzentren (beispielsweise Brustzentren und Darmzentren) entwickelt. Auf diese Initiative wird Herr Professor Bamberg gleich im Anschluss noch näher eingehen.

Nach den Vorstellungen der Deutschen Krebshilfe soll in den ‚Onkologischen Spitzenzentren‘ verstärkt translationale Forschung durchgeführt werden. Darunter versteht man die Verzahnung von Forschung und Klinik, also die Übertragung von Ergebnissen der grundlagenorientierten Krebsforschung in die klinische Krebsmedizin, unter anderem im Rahmen von klinischen Studien. Ergebnisse aus Forschungsprojekten sollen rasch dem Patienten zu Gute kommen. Insbesondere sollen in den Spitzenzentren aber die Standards für eine optimale onkologische Versorgung erarbeitet werden – einschließlich der Definition und regelmäßigen Überarbeitung von optimalen Versorgungsprozessen.
Spitzenzentren und Organzentren werden allerdings in Deutschland noch keine flächendeckende Versorgung auf höchstem Niveau gewährleisten können.

Eine solche Versorgungsstruktur würde für die 420.000 jährlich neu an Krebs erkrankenden Menschen nicht ausreichen. Daher denken unsere beiden Organisationen, die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft, gemeinsam darüber nach, wie das angestrebte hohe Versorgungsniveau tatsächlich in die Fläche gebracht werden kann. Hierfür erscheint uns die Etablierung so genannter ‚Klinischer Krebszentren‘ – unterhalb der Ebene der ‚Spitzenzentren‘ – notwendig und zwingend. In diesen Zentren soll grundsätzlich nur die Krankenversorgung stattfinden, und beispielsweise nicht die Forschung im Vordergrund stehen. Dieses Vorhaben möchten Deutsche Krebshilfe und Deutsche Krebsgesellschaft gemeinsam angehen. Für die Deutsche Krebshilfe ist es eine wichtige Voraussetzung, dass die versorgungsrelevanten Kriterien, die von namhaften Experten der Onkologie für unsere Spitzenzentren erarbeitet wurden, auch für die ‚Klinischen Krebszentren‘ gelten werden. über die Zertifizierung dieser Zentren und den Part der Deutschen Krebsgesellschaft wird Herr Professor Bamberg gleich im Anschluss sprechen.

Die Deutsche Krebshilfe beabsichtigt in Abstimmung mit der Deutschen Krebsgesellschaft, ein gezieltes Förderprogramm für zertifizierte ‚Klinische Krebszentren‘ aufzulegen. Mit diesem Programm sollen wichtige und innovative Module der Zentren unterstützt werden. Ein Feld der Förderung könnte zum Beispiel die klinische Krebsregistrierung sein.

Meine Damen und Herren, Sie sehen, wie ambitioniert unser Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre ist. Wir sind aber fest davon überzeugt, dass die Etablierung optimaler Strukturen und Prozesse mittelfristig dazu führen wird, die Patientenversorgung in Deutschland in der Fläche erheblich zu verbessern.
Die Deutsche Krebshilfe sieht bei ihren Strukturvorstellungen im übrigen die enge Einbindung der niedergelassenen Ärzteschaft in die Versorgungsprozesse als zwingend notwendig an.

Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Deutscher Krebshilfe und Deutscher Krebsgesellschaft halten wir für unabdingbar, um eine solche Strukturveränderung dauerhaft zu schultern und um langfristig in Deutschland zu einer Optimierung der Versorgungssituation krebskranker Menschen zu kommen. Wir haben daher gemeinsam beschlossen, das skizzierte Strukturprogramm partnerschaftlich und im Sinne eines Langzeitprogramms anzugehen.

Unverzichtbar ist auch die Unterstützung durch die Politik. Wir möchten die Gesundheitspolitik eng einbinden, um unserem Programm Nachhaltigkeit zu verleihen. In Kürze werden wir gemeinsam – Deutsche Krebshilfe, Deutsche Krebsgesellschaft — in einem Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium sowohl die Zielsetzung als auch eine mögliche Rollenverteilung bei der Etablierung des erläuterten Langzeitprogramms besprechen.

Meine Damen und Herren, ich erwähnte bereits, dass in den Zentren der Krebsmedizin eine „leitliniengerechte Behandlung“ durchgeführt werden soll. Dies ist derzeit leider noch keine Selbstverständlichkeit. Wir wissen, dass Krebs-Patienten landein, landaus unterschiedlich therapiert werden. Das darf nicht sein. Die Diagnostik und Behandlung der Krankheit Krebs muss in jedem Fall auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse erfolgen. Auf das „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen/Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), das wir im Januar der Öffentlichkeit vorgestellt haben, wird Herr Professor Bamberg ebenfalls eingehen. Dieses Programm ergänzt die von mir soeben erläuterten Strukturinitiativen optimal und auch hier sind grundlegende Veränderungen nur durch eine enge Zusammenarbeit der wichtigsten Organisationen, die auf dem Gebiet der Onkologie tätig sind, möglich.

Statement vom Friedrich Carl Janssen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe


Krebszeitung

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