Blick durchs Mikroskop: Der rote Farbstoff ist ein spezieller Tumorzell-Marker, das Skelett der zum Teil riesigen Tumorzellen ist in grün dargestellt, die Zellkerne in blau.  © Aufnahme: Roman Reinartz/Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Uni Bonn
Blick durchs Mikroskop: Der rote Farbstoff ist ein spezieller Tumorzell-Marker, das Skelett der zum Teil riesigen Tumorzellen ist in grün dargestellt, die Zellkerne in blau.
© Aufnahme: Roman Reinartz/Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Uni Bonn

Bei Glioblastomen handelt es sich um unheilbare, bösartige Hirntumore. Meistens überleben die Betroffenen nur wenige Monate. Jeder Tumor ist dabei auffallend verschiedenartig, weshalb sie sich nur schwer behandeln lassen. Forscher der Universität Bonn haben nun eine vollkommen neue Methode entwickelt, die zu maßgeschneiderten zweistufigen Therapien führen soll. An Tumorproben eines Patienten testen sie im Labor, welche Substanzen die verschiedenartigen Krebszellen zunächst vereinheitlichen und dann wirksam abtöten. Die Studie ist bereits vorab online veröffentlicht und erscheint demnächst in der Druckausgabe des Fachjournals „Clinical Cancer Research“.

Glioblastome zählen zu den häufigsten und bösartigsten Hirntumoren. „Charakteristisch ist, dass die Tumorzellen eine große Verschiedenartigkeit aufweisen“, sagt Prof. Dr. Björn Scheffler vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn, der seit kurzem auch am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg forscht und eine Professur am Universitätsklinikum Essen innehat. Die Zellen in einem solchen Hirntumor können sehr unterschiedliche Eigenschaften wie zum Beispiel hinsichtlich der Größe der Zellen oder der Zahl der Zellkerne aufweisen. Weil die verschiedenen Krebszellen innerhalb eines Tumorgewebes auch unterschiedliche Abwehrmethoden gegen Therapiemaßnahmen entwickeln, gestaltet sich die Behandlung der Patienten außerordentlich schwierig. Nach einer operativen Entfernung, Bestrahlung und Chemotherapie kehrt diese Tumorart häufig wieder, Medikamente wirken dann meist nicht mehr.

Ein Team um Prof. Scheffler aus Forschern des Universitätsklinikums Bonn, des Life & Brain Zentrums, des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung, der Tufts University Boston/Massachusetts und weiterer Institute in den USA hat nun einen neuen Weg entwickelt, wie sich solch komplexe Hirntumore absehbar besser bekämpfen lassen. Aus Gewebe- und Zellproben von fünf Glioblastom-Patienten gewannen die Wissenschaftler insgesamt 33 individuelle, vermehrungsfähige Krebszellen, die im Labor zu sehr unterschiedlichen Tumoren heranwuchsen. Für jeden Patienten standen somit mehrere Testsysteme zur Verfügung, um die unterschiedlichen Facetten eines Tumors repräsentativ und separat untersuchen zu können.

Für jede individuelle Krebszelle werden 180 Wirkstoffe getestet

Um für jede einzelne dieser 33 Tumor-Facetten die beste Therapie zu finden, testeten die Forscher rund 180 verschiedene Wirkstoffe. Dabei machten die Wissenschaftler eine überraschende Beobachtung: „Ein und derselbe Wirkstoff konnte dafür sorgen, dass die meisten Tumor-Facetten abstarben“, berichtet Erstautor Roman Reinartz aus Prof. Schefflers Team. Die Krebszellen einzelner anderer Tumor-Facetten des gleichen Patienten überlebten die Behandlung allerdings und konnten sich sogar viel stärker vermehren. „Diese zunächst resistenten Tumor-Facetten ließen sich mit anderen Wirkstoffen dann viel wirksamer bekämpfen.“

Die Verschiedenartigkeit der Tumorzellen erfordert den Einsatz von kombinierten Therapiemaßnahmen. Wie viele Medikamente wären aber nötig, um alle Facetten eines Tumors wirksam zu bekämpfen? „Im besten Falle zwei“, erläutert Reinartz. Statt wie bisher auf zeitgleiche Anwendung von kombinierten Chemotherapien zu setzen, wollen die Forscher künftig nämlich schrittweise vorgehen. Und so könnte die Therapie der Zukunft aussehen: Um den Tumor an der Weiterverbreitung im Gehirn zu hindern, werden wie bisher Teile operativ entfernt. An den gewonnenen Gewebeproben könnten künftig Labortests durchgeführt werden, um das Ansprechverhalten der verschiedenen Tumor-Facetten zu katalogisieren. Für jeden Patienten könnte dann die geeignete Kombinationsbehandlung entworfen werden, die im ersten Schritt aus der Vielzahl unterschiedlicher Tumorzellen eine Anhäufung gleichartiger Krebszellen machen würde. Im zweiten Schritt könnte genau die Substanz herausgesucht werden, die die schärfste Waffe gegen die speziell angereicherte Tumor-Facette darstellt.

Wissenschaftler bringen Ordnung ins Chaos

Bislang verhindert die Verschiedenartigkeit der Krebszellen bei einem Glioblastom die erfolgreiche Behandlung, weil sich womöglich einige der resistenten Tumor-Facetten unter Chemotherapie verstärkt vermehren. Mit ihrer Methode bringen die Wissenschaftler nun Ordnung ins scheinbare Chaos. „Wie bei einem Auto, das in seine Einzelteile zerlegt und auf Schäden geprüft wird, untersuchen wir die verschiedenen Krebszellen“, vergleicht Prof. Scheffler die Vorgehensweise. Wenn die Eigenschaften der Zellen des Tumors bekannt seien, könne mit diesem Wissen das komplexe System in die richtige Richtung gelenkt werden.

Mit Förderung durch das Lichtenberg-Programm der VolkswagenStiftung haben die Forscher um Prof. Scheffler an der Universität Bonn rund acht Jahre die Eigenschaften und Mechanismen der Glioblastome untersucht. „Unsere Strategie kann die Therapiechancen künftig absehbar erheblich verbessern, weil der Weg über die Tumorproben uns eine sehr genaue Vorhersage für die maßgeschneiderte Behandlung der Patienten erlaubt“, sagt Prof. Scheffler. Die Forscher haben diese Schritte bereits an Mäusen erfolgreich nachvollzogen. Um die Therapie auch für Menschen verfügbar zu machen, ist jedoch noch weitere Forschung erforderlich.

Publikation: Functional Subclone Profiling for Prediction of Treatment-Induced Intratumor Population Shifts and Discovery of Rational Drug Combinations in Human Glioblastoma, Journal “Clinical Cancer Research”, DOI: 10.1158/1078-0432.CCR-15-2089

Kontakt für die Medien:

Prof. Dr. Björn Scheffler
Institut für Rekonstruktive Neurobiologie
Life & Brain/Universität Bonn
Tel. 0228/6885473
E-Mail: bscheffler@uni-bonn.de

Pressemitteilung
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Johannes Seiler,
26.09.2016


Krebszeitung

--Download Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome als PDF-Datei --


Krebsforscher der UMG entdecken neuen Ansatzpunkt für Behandlung von Prostatakrebs. Veröffentlichung in EMBO reports.

Lokalisation von CHD-Protein an DNA-Brüchen (in rot, u.l.) im Zellkern (mit blau gefärbt, o.l.) von Prostatakarzinomzellen. Copyright: umg/johnsen
Lokalisation von CHD-Protein an DNA-Brüchen (in rot, u.l.) im Zellkern (mit blau gefärbt, o.l.) von Prostatakarzinomzellen.
Copyright: umg/johnsen

(umg) Ein Karzinom der Prostata ist in Deutschland die häufigste Krebs-Neuerkrankung bei Männern. Trotz aller Fortschritte bei seiner Behandlung suchen Ärzte und Forscher weiterhin nach noch besseren Behandlungsmöglichkeiten.

Einen möglichen neuen Ansatzpunkt hat eine Gruppe von Forschern aus Deutschland und Dänemark unter der Leitung von Prof. Dr. Steven Johnsen, Leiter des Schwerpunkts Translationale Krebsforschung an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), entdeckt. Die Forscher fanden heraus, dass eine besonders häufige genetische Veränderung, der Verlust von CHD1, die betroffenen Tumorzellen für bestimmte Therapieformen empfindlich macht. Dies eröffnet erstmals die Möglichkeit, Veränderungen am Gen CHD1 als potentielle Biomarker für eine gezielte Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs zu nutzen. Die Ergebnisse der Studie sind in dem renommierten Fachjournal EMBO reports veröffentlicht.

Originalpublikation: Loss of CHD1 causes DNA repair defects and enhances prostate cancer therapeutic responsiveness. Vijayalakshmi Kari, Wael Mansour, Sanjay K. Raul, Simon J. Baumgart, Andreas Mund, Marian Grade, Hüseyin Sirma, Ronald Simon, Hans Will, Matthias Dobbelstein, Ekkehard Dikomey, Steven A. Johnsen. 10.15252/embr.201642352.
www.embo.org/news/press-releases/2016/a-gene-defect-as-a-potential-gateway-for-targeted-prostate-cancer-therapy

Das CHD1-Gen ist in 15 bis 27 Prozent aller Prostatatumore mutiert. Eine solche Mutation bedeutet für die Patienten häufig, dass der Tumor besonders aggressiv wächst. Die Forscher entdeckten nun, dass Zellen mit verringerten Mengen an CHD1-Protein ein besonderes Handicap aufweisen: Sie sind kaum noch in der Lage, Schäden an ihrem Erbgut zu reparieren. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass das CHD1-Protein die DNA um Bruchstellen herum auflockert und damit den Zugang von Reparaturproteinen ermöglicht. Wenn also das CHD1-Protein aufgrund des Gendefektes fehlt, bleiben die Bruchstellen für den Reparaturmechanismus unzugänglich. Es ist so, als könnte der „gelbe Engel“ des ADAC wegen eines Staus nicht zu einem liegen gebliebenen Auto gelangen.

Ein solcher Reparaturdefekt kann für Patienten mit Prostatakrebs eine schlechte Nachricht sein: Denn er kann dazu führen, dass weitere Mutationen und Veränderungen des Tumorerbguts entstehen und der Tumor noch aggressiver wächst. Der Reparaturdefekt bedeutet aber auch eine besondere Chance im Hinblick auf die Behandlung. Denn Prostatakrebszellen mit wenig CHD1-Protein erwiesen sich als besonders empfindlich gegenüber Chemotherapeutika, die DNA-Brüche verursachen.

„Noch sind dies Befunde aus der Grundlagenforschung. Aber ärztliche Kolleginnen und Kollegen sind sehr daran interessiert, gemeinsam mit uns die Befunde in die klinische Anwendung zu führen. Wir stehen dazu bereits mit einem Pharmaunternehmen in Kontakt“, sagt Prof. Johnsen, der Seniorautor der Publikation.

Anknüpfen wollen die Göttinger Krebsforscher mit ihren weiteren Untersuchungen an die Erkenntnisse von anderen Studien, in denen bereits gezeigt wurde, dass auch Zellen anderer Tumoren ebenfalls Defekte in genau dem Reparatur-Signalweg aufweisen, der beim Verlust des CHD1-Gens bei Prostatakrebs fehlgeschlagen ist. Dabei handelt es sich um den Weg der sogenannten „homologen Rekombination“ (HR). Bekannt ist zudem, dass solche Krebszellen der Brust und der Eierstöcke empfindlich auf sogenannte PARP-Inhibitoren reagieren. Unter der Therapie mit PARP-Inhibitoren sterben Krebszellen durch nicht-reparierte DNA-Schäden ab, weil sie häufig keine anderen Reparaturmechanismen als Alternative haben. Normale Zellen des Körpers dagegen verfügen über weitere Mechanismen, um DNA-Schäden zu reparieren, selbst wenn sie mit solchen Medikamenten behandelt werden.

Ein vielversprechender PARP-Inhibitor, Olaparib, ist als Medikament für die Behandlung von bestimmten Eierstocktumoren bereits zugelassen. Einige andere, ähnliche Substanzen werden zur Zeit im Hinblick auf ihre Wirksamkeit in verschiedenen Krebsarten getestet. Hierzu gehören auch Tumore der Prostata. In einer bereits veröffentlichten Studie wurde unter der Behandlung mit Olaparib das Überleben von Patienten mit metastasierenden Prostatatumoren verlängert. Dies galt insbesondere dann, wenn sie genetische Veränderungen im HR Reparatur-Signalweg aufwiesen.

„Wünschenswert wären nachträgliche Analysen am CHD1 Gen in Patientenproben mit metastasierenden Prostatatumoren. Vielleicht kann CHD1 als Biomarker dienen. Möglicherweise könnten wir in Zukunft auf diese Art gerade diejenigen Patienten finden, denen wir mit PARP-Inhibition eine bessere und gezielte Therapie anbieten können“, sagt Prof. Johnsen.

Link zur zitierten Studie: DNA-Repair Defects and Olaparib in Metastatic Prostate Cancer, N Engl J Med 2015;373:1697-708. DOI: 10.1056/NEJMoa1506859
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1506859#t=article

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg August Universität
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie
Schwerpunkt Translationale Krebsforschung
Prof. Steven A. Johnsen, Ph.D. (Mayo Graduate School)
Telefon 0551 / 39-20830
Email: steven.johnsen@med.uni-goettingen.de
www.chirurgie-goettingen.de/
www.epigenesys.eu/index.php/fr/about-us/associate-members/864-steven-a-johnsen

Pressemitteilung
Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität, Stefan Weller,
22.09.2016


Krebszeitung

--Download Prostatakrebs: Genmutation als Chance zur Behandlung als PDF-Datei --


68. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.

In Sachsens größter Stadt werden in wenigen Tagen über 7000 internationale Fachbesucher zur 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) erwartet. Der DGU-Kongress ist die wichtigste Wissenschafts- und Fortbildungs-Plattform der Urologie in Deutschland und weltweit die drittgrößte urologische Fachtagung. Vertreter der Fachpresse und der Publikumsmedien sind herzlich zur Eröffnungs-Pressekonferenz am 29. September 2016, 13.00 bis 14.30 Uhr im Congress Center Leipzig, Raum 11, Ebene 2 eingeladen.

DGU-Pressesprecher Prof. Dr. med. Christian Wülfing freut sich, die Medienvertreter im CCL zu begrüßen und wird die Pressekonferenz moderieren.

Vor Ort wird zunächst DGU- und Tagungspräsident Prof. Dr. med. Kurt Miller, der den diesjährigen Kongress der Fachgesellschaft unter das Motto „Ökonomie – Medizin – Qualität“ gestellt hat, ebendieses Dilemma beleuchten. Außerdem wird der Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik Charité auf der Pressekonferenz die Verleihung des Medienpreises Urologie 2016 vornehmen.

Nachfolgend steht Neues zur Nierenlebendspende auf dem Programm: Erste roboter-assistierte Transplantationen in zwei deutschen Transplantationszentren sorgten jüngst für Aufsehen. Darüber hinaus kann der 2. DGU-Vize-Präsident, Univ.-Prof. Dr. med. Paolo Fornara, als Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer Aktuelles zur geplanten Richtlinie zur Lebendspende berichten.

Kontrolliertes Abwarten, Totaloperation oder Bestrahlung? Im Schnitt alle neun Minuten muss ein Prostatakrebspatient in Deutschland, gemeinsam mit seinem Urologen, eine Therapieentscheidung treffen. Die neue internetbasierte „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ der PatientenAkademie der Urologen unterstützt bei der Entscheidungsfindung. Projektleiter PD Dr. med. Dr. phil. Johannes Huber präsentiert in Leipzig erste Evaluationsergebnisse, wie das Beratungsportal bei Patienten und Urologen ankommt.

Mit der amerikanischen „PLCO-Studie“ hat sich in diesem Sommer eine der wichtigsten Studien zur Früherkennung des Prostatakarzinoms als fehlerhaft erwiesen: Vor allem in der Öffentlichkeit bedarf es nun einer Neueinschätzung des bisher so umstrittenen PSA-Testes, wie DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg auf der Pressekonferenz erläutern wird.

Die Themen der DGU-Pressekonferenz im Überblick:
Donnerstag, 29. September 2016, 13.00 bis 14.30 Uhr, CCL, Raum 11, Ebene 2

Nierenlebendspende: Was gibt es Neues?
Roboter-assistierte Transplantationen und Richtlinie Lebendspende
Univ.-Prof. Dr. med. Paolo Fornara, Halle

Wie kommt die „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ bei Patienten und Urologen an?
Erste Evaluationsergebnisse zum neuen Beratungsportal der PatientenAkademie
PD Dr. med. Dr. phil. Johannes Huber, Dresden

Aktuelle Erkenntnisse zur PLCO-Studie erfordern Neueinschätzung des PSA-Testes
Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, Rostock

Darüber hinaus erwartet die Medienvertreter vor Ort ein Statement zur Berufspolitik von Dr. med. Axel Schroeder, dem Präsidenten des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V.

Hinweis: Während des gesamten DGU-Kongresses vom 28. September bis 1. Oktober 2016 haben Journalisten Gelegenheit zur Recherche und für Interviews mit den Vertretern der deutschen Urologie. Auf dem traditionellen Pressegespräch am Freitag, 30. September, 13.00 bis 14.00 Uhr stellen sich DGU-Präsident Prof. Miller, DGU-Pressesprecher Prof. Wülfing und der auf dem Kongress neu gewählte DGU-Generalsekretär den Fragen der Journalisten.

Weitere Informationen:
DGU-Kongress-Pressestelle
Bettina-C. Wahlers
Sabine M. Glimm
Grandkuhlenweg 5-7
22549 Hamburg
Tel.: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7


Weitere Informationen:

https://www.dgu-kongress.de/akkreditierung.html (Akkreditierung für Medienvertreter)
http://www.urologenportal.de
http://www.dgu-kongress.de


Krebszeitung

--Download Einladung zur DGU-Pressekonferenz am 29. September 2016 in Leipzig als PDF-Datei --


Punktgenaue Behandlung mit stereotaktischer Strahlentherapie

Mannheim – Haben sich bei einer Krebserkrankungen einige wenige Metastasen gebildet, können diese mithilfe einer neuartigen Strahlentherapie behandelt werden. Mit der stereotaktischen Bestrahlung können Radioonkologen sehr hohe Strahlendosen genau auf den Tumor richten und ihn zerstören. Das umgebende gesunde Gewebe wird dabei geschont. Für welche Krebspatienten und Krebsarten die stereotaktische Bestrahlung Vorteile bringt, diskutieren die Experten auf der 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) vom 16. bis 19. Juni 2016 in Mannheim.

„Wenn der Krebs gestreut hat, standen in der Vergangenheit oft nur Systemtherapien wie beispielsweise die Chemotherapie zur Verfügung. Dabei zirkulieren gegen den Krebs wirkende Substanzen im Blutstrom und erreichen die Zellen überall im Körper. „Das kann effektiv sein, geht aber auch oft mit starken Nebenwirkungen einher“, weiß Professor Dr. med. Stephanie E. Combs, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Klinikum rechts der Isar in München. Bei bestimmten Patienten, die nur an wenigen Stellen im Körper Metastasen des Tumors haben – „Oligometastasierung“ (von griechisch oligo – wenig) genannt – ist eine Behandlung an der befallenen Stelle vorteilhaft.

Das wird durch eine besondere Bestrahlungsmethode, die stereotaktischen Strahlentherapie (Stereotaxie) möglich. Sie wird individuell für den Patienten geplant und häufig mit moderner Bildgebung kombiniert. Im Bestrahlungsplan legen die Strahlentherapeuten millimetergenau festgelegt, welche Bereiche behandelt werden sollen. Die Behandlungsgeräte richten die Strahlen von mehreren Seiten auf den Tumor, das umgebende Gewebe wird geschont. „Wir können damit eine sehr hohe Strahlendosis direkt auf den befallenen Bereich bringen. Beim umliegenden gesunden Gewebe ist die Dosis dann sehr viel geringer.“ So sinkt zum Beispiel bei der Bestrahlung von Hirnmetastasen das Risiko auf neurokognitive Einschränkungen, betont die Münchener Expertin. „Die Hochpräzisionsstrahlentherapie ist mit einer chirurgischen Behandlung vergleichbar, beispielsweise bei kleinen Metastasen in der Lunge“, so Professor Combs.

Bei anderen Erkrankungen, wie etwa einem Prostatakarzinom mit wenigen Knochenmetastasen, kann die Stereotaxie die Krankheit zurückdrängen und eine Hormontherapie hinauszögern. Insgesamt kann die Strahlentherapie unabhängig von der zugrunde liegenden Tumorerkrankung eingesetzt werden, zum Beispiel auch bei Brustkrebs.

Voraussetzung für den Einsatz der stereotaktischen Bestrahlung sind präzise Informationen über die Größe und Ausbreitung der Metastasen. „Erst wenn diese Informationen belegen, dass die Strahlentherapie eine Erfolgschance hat, wird die Behandlung durchgeführt“, erklärt Professor Combs.

Professor Dr. med. Frederik Wenz, Tagungspräsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim sieht in der stereotaktischen Bestrahlung besonders die Vorteile für die Patienten: „Mit der stereotaktischen Strahlentherapie behandeln wir nicht nur effektiv, sondern nebenwirkungsarm. Und wir erhöhen die Heilungschancen, auch wenn der Krebs gestreut hat.“

Literatur:

Rieber J, Streblow J, Uhlmann L, Flentje M, Duma M, Ernst I, Blanck O, Wittig A, Boda-Heggemann J, Krempien R, Lohaus F, Klass ND, Eble MJ, Imhoff D, Kahl H, Petersen C, Gerum S, Henkenberens C, Adebahr S, Hass P, Schrade E, Wendt TG, Hildebrandt G, Andratschke N, Sterzing F, Guckenberger M. Lung Cancer. Stereotactic body radiotherapy (SBRT) for medically inoperable lung metastases—A pooled analysis of the German working group “stereotactic radiotherapy”. Lung Cancer. 2016 Jul;97:51-8. Abstract.

Sterzing F, Brunner TB, Ernst I, Baus WW, Greve B, Herfarth K, Guckenberger M. Stereotactic body radiotherapy for liver tumors Principles and practical guidelines of the DEGRO Working Group on Stereotactic Radiotherapy. Strahlenther Onkol. 2014 Oct;190(10):872-81. Abstract.

Kocher M, Wittig A, Piroth MD, Treuer H, Seegenschmiedt H, Ruge M, Grosu AL, Guckenberger M. Stereotactic radiosurgery for treatment of brain metastases. A report of the DEGRO Working Group on Stereotactic Radiotherapy. Strahlenther Onkol. 2014 Jun;190(6):521-32.Abstract.

Professor Dr. med. Stephanie E. Combs: Redemanuskript zur DEGRO-Pressekonferenz vom 16. Juni 2016

Terminhinweise:

Pressekonferenz anlässlich der 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie

Termin: Donnerstag, 16. Juni 2016, 11:00 bis 12:00 Uhr

Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum 3.9

Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

 

Vortragssitzung

VO3 - Oligometastasierung

Vorsitz: C. Petersen (Hamburg), O. Kölbl (Regensburg), N. Ebert (Dresden)

Termin: Donnerstag, 16.06.2016, 11:00 bis 12:30 Uhr, Raum Gustav Mahler II

Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum Gustav Mahler II

Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

Weitere Informationen zur Tagung und das wissenschaftliche Programm finden Sie im Internet.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Pressemitteilung der DEGRO-Kongress-Pressestelle, Dagmar Arnold/Lisa Ströhlein


Krebszeitung

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Phase-III-Studie mit Alecensa (Alectinib) von Roche zeigte bessere Wirksamkeit als Crizotinib bei japanischen Patienten mit bestimmter Art von Lungenkrebs

  • Erste direkte Vergleichsstudie von Alecensa mit Crizotinib bei Patienten mit fortgeschrittenem ALK-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) 

Wie Roche (SIX: RO, ROG; OTCQX: RHHBY) bekannt gab, hat das Medikament Alecensa® (Alectinib), ein oral verabreichter Hemmstoff der anaplastischen Lymphomkinase (ALK), bei japanischen Patienten mit fortgeschrittenem oder rezidivierendem ALK-positiven nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod (progressionsfreies Überleben, PFS) um 66 Prozent reduziert, verglichen mit Crizotinib (Hazard Ratio [HR]=0,34, 99%-KI: 0,17-0,70, p<0,0001). Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) wurde bei den Patienten, die mit Alecensa behandelt wurden, noch nicht erreicht (95%-KI: 20,3 Monate-nicht erreicht), während es bei Patienten unter der Therapie mit Crizotinib 10,2 Monate betrug (95%-KI: 8,2-12,0). Dies waren die Resultate einer vorgegebenen Zwischenanalyse der Phase-III-Studie J-ALEX bei Patienten, die zuvor noch nicht mit einem ALK-Inhibitor behandelt wurden. In der Gruppe mit Alecensa traten weniger Nebenwirkungen als in der Crizotinib-Gruppe auf. Das Sicherheitsprofil von Alecensa entsprach dem in früheren Studien, und es gab keine neuen oder unerwarteten Nebenwirkungen.

„Dies ist die erste klinische Studie, die zeigt, dass die Patienten mit Alecensa länger ohne Fortschreiten ihrer Erkrankung lebten als mit Crizotinib“, so Sandra Horning, Chief Medical Officer und Leiterin der globalen Produktentwicklung. „Wir halten diese Wirksamkeits- und Sicherheitsresultate für einen klinisch bedeutsamen Fortschritt für Patienten mit ALK-positivem Lungenkrebs und werden diese Daten mit den Gesundheitsbehörden, einschliesslich der FDA in den USA, erörtern.“

Die offizielle Vorstellung der J-ALEX-Daten findet am Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) am Montag, 6. Juni 2016, von 12:09 bis 12:21 Uhr Ortszeit statt (Abstract Nr. 9008).

Alecensa erhielt im Dezember 2015 von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) die beschleunigte vorläufige Zulassung für die Behandlung von Patienten mit ALKpositivem NSCLC, deren Erkrankung unter Crizotinib weiter fortschritt oder die Crizotinib nicht vertragen. Zurzeit läuft die weltweite randomisierte Phase-III-Studie ALEX zum Vergleich von Alecensa mit Crizotinib als Erstlinientherapie für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, deren Tumor mit dem von Roche Tissue Diagnostics entwickelten immunhistochemischen (IHC) Begleittest VENTANA ALK (D5F3) CDx Assay als ALK-positiv charakterisiert wurde. Diese Studie ist Teil des Engagements von Roche, die aktuelle vorläufige Zulassung für Patienten mit ALK-positivem metastasierendem NSCLC, deren Erkrankung unter Crizotinib fortschreitet oder die Crizotinib nicht vertragen, in eine reguläre Zulassung als Initialtherapie umzuwandeln.

Über die Studie J-ALEX

Die von Chugai durchgeführte Studie J-ALEX ist eine offene, randomisierte Phase-III-Studie zum Vergleich der Wirksamkeit und Sicherheit von Alecensa und Crizotinib bei Patienten in Japan. Die Studie J-ALEX rekrutierte 207 Patienten mit ALK-positivem fortgeschrittenem oder rezidivierendem NSCLC, die zuvor noch nicht mit einem ALK-Inhibitor behandelt worden waren. Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 in die Gruppe mit Alecensa oder die Crizotinib-Gruppe randomisiert. Die Studie ergab folgende Resultate:

  • Alecensa reduzierte das Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod (PFS) um 66 Prozent, verglichen mit Crizotinib (HR=0,34, 99%-KI: 0,17–0,70, p<0,0001).
  • Das mediane PFS wurde in der Gruppe mit Alecensa noch nicht erreicht (95%-KI: 20,3 Monate-nicht erreicht), während es in der Crizotinib-Gruppe 10,2 Monate betrug (95%-KI: 8,2–12,0).
  • Nebenwirkungen der Grade 3-4 traten in der Crizotinib-Gruppe häufiger auf als in der Gruppe mit Alecensa (51 Prozent gegenüber 27 Prozent).
  • Die häufigste Nebenwirkung, die unter Alecensa mit einer Häufigkeit von > 30 Prozent auftrat, war Verstopfung (36 Prozent). Die häufigsten Nebenwirkungen unter Crizotinib waren Übelkeit (74 Prozent), Durchfall (73 Prozent), Erbrechen (59 Prozent), Sehstörungen (55 Prozent), Geschmacksveränderung (Dysgeusie; 52 Prozent), Verstopfung (46 Prozent) und ein Anstieg der Leberenzyme Alanintransaminase (ALT, 32 Prozent) und Aspartattransaminase (AST, 31 Prozent).

Über Alecensa (Alectinib)

Alecensa (RG7853/AF-802/RO5424802/CH5424802) ist ein oral anwendbares Medikament, das aus den Chugai Kamakura Research Laboratories stammt und für Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC), deren Tumore als ALK+ identifiziert werden, entwickelt wird. Ein ALK+ NSCLC wird oft bei jüngeren Patienten diagnostiziert, die wenig oder überhaupt nicht geraucht haben. Es findet sich fast immer bei Patienten mit einem Adenokarzinom, einer bestimmten Art von NSCLC. Alecensa ist in den USA zur Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem (metastasierendem) ALK-positivem NSCLC zugelassen, deren Erkrankung unter der Behandlung mit Crizotinib weiter fortschritt oder die Crizotinib nicht vertrugen.

In den zwei Phase-II-Schlüsselstudien NP28761 und NP28673 liess Alecensa bei bis zu 44 Prozent der Patienten mit ALK-positivem NSCLC, deren Erkrankung unter Crizotinib fortschritt, die Tumoren schrumpfen. Ausserdem zeigte Alecensa eine Aktivität in Hirnmetastasen, was darauf hindeutet, dass das Medikament möglicherweise im Gehirn aufgenommen wird. Das Gehirn wird von der Blut-Hirn-Schranke geschützt – einem Netzwerk von eng miteinander verbundenen Zellen, die das Innere der Blutgefässe im Gehirn und im Rückenmark auskleiden. Einer der Mechanismen, mit dem die Blut-Hirn-Schranke das Eindringen von Molekülen in das Gehirn verhindert, besteht darin, die Stoffe aktiv aus der Blut-HirnSchranke auszuschleusen. Dieser Prozess wird als ‘active efflux’ (aktive Ausschleusung) bezeichnet. Das aktive Ausschleusungssystem erkennt Alecensa jedoch nicht, sodass das Medikament in das Hirngewebe eindringen und sich dort verteilen könnte.

In den weltweiten Phase-III-Studien mit Alecensa wird auch ein von Roche Diagnostics entwickelter diagnostischer Begleittest geprüft. Alecensa wird in Japan von Chugai Pharmaceutical, das zur RocheGruppe gehört, vermarktet.

Über Roche und Lungenkrebs

Lungenkrebs ist ein Schwerpunkt der Forschung und Investition von Roche, und wir setzen uns dafür ein, neue Therapieansätze, Medikamente und Tests zu entwickeln, die Patienten mit dieser tödlichen Erkrankung helfen können. Unser Ziel ist eine wirksame Behandlungsmöglichkeit für jeden Patienten mit Lungenkrebs. Wir verfügen bereits über drei zugelassene Medikamente zur Behandlung bestimmter Formen von Lungenkrebs und erforschen mehr als zehn weitere Medikamente, die sich gezielt gegen die häufigsten genetischen Treiber von Lungenkrebs richten oder das Immunsystem zur Bekämpfung der Erkrankung stimulieren

Pressemitteilung der Roche Pharma AG


Krebszeitung

--Download ASCO 2016 - Fortschritt bei spezieller Form von Lungenkrebs als PDF-Datei --


Interview mit Professor Alwin Krämer, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Moekulare Hämatologie/Onkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Heidelberg, zu Epidemiologie, Risikofaktoren, Behandlung und Prognose von Leukämien, Lymphomen und Myelom anlässlich des Weltblutkrebstages 2016 am 28.5.2016.

Herr Professor Krämer, was versteht man unter Blutkrebs?

Krämer: Blutkrebs im engeren Sinne sind natürlich Leukämien, weißes Blut zu Deutsch. Akute Leukämien bezeichnen Erkrankungen, die sehr fulminant auftreten, einen sehr raschen klinischen Verlauf nehmen und unbehandelt auch sehr schnell zum Tode führen. Im Gegensatz dazu nehmen chronische Leukämien meist einen eher langsamen Verlauf, zeigen häufig nur milde Symptome und führen auch unbehandelt über längere Zeiträume nicht zwingend zum Tode. Darüber hinaus gibt es die Lymphome, Lymphknotenkrebs, einhergehend mit Lymphknotenschwellungen an verschiedenen Stellen des Körpers. Das Myelom ist eine Krebsform, die von sogenannten Plasmazellen ausgeht, die typischerweise im Knochenmark ansässig sind. Durch deren Entartung kommt es an einzelnen Stellen im Knochenmark zu einer herdförmigen Vermehrung dieser Plasmazellen, verbunden mit Knochenbrüchen und Veränderungen der Blutbildung.

Wie häufig ist Blutkrebs und wer erkrankt daran?

Krämer: Die einzelnen Blutkrebsarten sind im Vergleich zu den häufigen soliden Tumorformen wie Brustkrebs, Darmkrebs oder Lungenkrebs sehr seltene Erkrankungen. Die meisten davon treten genau wie solide Tumoren mit zunehmendem Alter häufiger auf. Eine Ausnahme hiervon stellt die akute lymphatische Leukämie dar, an der auch viele Kinder erkranken. Auch beim Hodgkin-Lymphom ist eine zweigipfelige Altersverteilung mit einem Peak bei jungen Erwachsenen und einem im fortgeschrittenen Erwachsenenalter zu beobachten.

Gibt es Risikofaktoren für die Erkrankung? Und weiß man, warum ausgerechnet bei der akuten lymphatischen Leukämie besonders häufig Kinder erkranken?

Krämer: Bei Leukämien weiß man, dass Strahlung, aber auch Chemikalien wie Benzol, Zigarettenrauch und vorausgegangene Chemotherapien gegen andere Tumorerkrankungen das Risiko deutlich erhöhen. Im Laufe des Lebens sammeln sich, möglicherweise verstärkt durch diese Faktoren, Mutationen im Erbgut blutbildender Zellen im Knochenmark an, die dann irgendwann zum Auftreten einer Leukämie führen. Bei der kindlichen akuten lymphatischen Leukämie sind derartige Mutationen schon vor der Geburt, also im Mutterleib nachweisbar und führen bereits kurz nach der Geburt zum Auftreten dieser Erkrankung. Bei Lymphomen gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass auch Viruserkrankungen beteiligt zu sein scheinen. Insbesondere beim Hodgkin-Lymphom ist eine Assoziation mit dem Epstein-Barr-Virus beschrieben. Wie die Infektion am Auftreten dieses Lymphoms beteiligt ist, ist nach wie vor unklar.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Krämer: Klassisch behandelt man Blutkrebs zunächst mit Chemotherapie. Hierbei werden verschiedene Chemotherapeutika mit unterschiedlichem Angriffspunkt miteinander kombiniert. Schon mit diesen Therapieformen kann man einen Großteil der Patienten gut behandeln und zum Teil heilen. Bei einem weiteren Teil der Patienten kann die Erkrankung damit über lange Zeiträume zwar nicht geheilt aber gut kontrolliert werden. Darüber hinaus haben insbesondere bei Blutkrebs zielgerichtete Therapien ihre ersten Erfolge gezeigt und entfalten hier auch nach wie vor die größte Wirksamkeit. Paradigmatisch ist hier der Wirkstoff Imatinib zu nennen, der für die chronische myeloische Leukämie vor mittlerweile fast zwanzig Jahren entwickelt wurde. Mit diesem Medikament, das man in Tablettenform einnimmt, und das sehr gut verträglich ist, ist es gelungen, eine Erkrankung, die vor der Entwicklung dieses Medikaments innerhalb von nur wenigen Jahren in nahezu allen Fällen zum Tode geführt hat, wenn auch nicht zu heilen, so doch über viele Jahre und sogar Jahrzehnte in Remission zu halten. Mittlerweile weiß man sogar, dass man bei einem Teil der Patienten das Medikament absetzen kann. Imatinib wirkt auch bei einem Teil der Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie. Mittlerweile sind eine ganze Reihe von Medikamenten, die ähnlich wie Imatinib zielgerichtet gegen mutierte Proteine bei Leukämien und Lymphomen wirken, in klinischer Erprobung.

Das zweite große Schlagwort derzeit sind Immuntherapien.

Krämer: Bezüglich immuntherapeutischer Ansätze dominieren derzeit zwei Strategien das Feld: Einerseits sogenannte CAR-T-Zellen, wo es mit genetisch veränderten T-Zellen insbesondere bei Patienten mit kindlicher akuter lymphatischer Leukämie gelungen ist, auch dann noch Therapieerfolge zu erzielen, wenn andere Behandlungsformen erfolglos waren. Die mittlerweile insbesondere bei soliden Tumoren sehr erfolgreich angewendete zweite Form der Immuntherapie sind Checkpoint-Inhibitoren, also Medikamente, die eine gegen Tumorzellen gerichtete Immunreaktion des Körpers aktiviert. Diese Strategie hat bereits zu großen Erfolgen insbesondere beim Melanom und bei Lungentumoren geführt und wird jetzt auch bei anderen Tumorarten einschließlich zahlreicher Blutkrebsformen untersucht.

Eine Therapie, die ganz speziell bei Blutkrebs eingesetzt wird, ist die Stammzelltransplantation.

Krämer: Bei der Stammzelltransplantation gibt es zwei Konzepte. Bei der autologen Stammzelltransplantation entnimmt man aus dem Knochenmark oder aus dem Blut patienteneigene blutbildende Stammzellen, um sie dem Patienten im Anschluss an eine hochdosierte Chemotherapie zurückzugeben, was die Erholung der Blutbildung und der Knochenmarkfunktion ermöglicht. Myelome und Lymphome stellen derzeit die Domäne dieser autologen Blutstammzelltransplantation dar. Davon zu unterscheiden ist die allogene Blutstammzelltransplantation. Dabei nimmt man Stammzellen von einem Spender, der in bestimmten immunologischen Merkmalen mit dem Patienten übereinstimmt. Hierfür insbesondere geeignet sind Geschwister des Patienten, bei denen in 25 Prozent der Fälle eine komplette Übereinstimmung in den untersuchten Merkmalen besteht. Wenn sich kein passender Bruder oder Schwester findet, gibt es in Deutschland und international sehr große Spenderdateien von Menschen, die sich freiwillig zu einer Blutstammzellspende bereitgefunden haben. Dort kann in den allermeisten Fällen ein passender Spender identifiziert werden. Bei dieser Form der Transplantation helfen die Stammzellen des Spenders, immunologisch nach einer Chemotherapie verbliebene Tumorzellen im Patienten abzutöten. Dieses Verfahren wurde schon in den 1960er-Jahren entwickelt und wird nach kontinuierlicher Weiterentwicklung und Verbesserung seitdem in zunehmender Zahl bei vielen Blutkrebsarten angewandt.

Sie selbst sind Arzt im Universitätsklinikum Heidelberg, aber auch Forscher im Deutschen Krebsforschungszentrum. Woran arbeiten Sie?

Krämer: Wir beschäftigen uns zum einen mit Mechanismen der Entstehung von Tumorerkrankungen im Allgemeinen und der akuten myeloischen Leukämie (AML) im Besonderen. Hierbei gilt es zu erwähnen, dass es Formen der AML gibt, welche genetisch stabil sind, deren Chromosomen im Vergleich zu einem gesunden Individuum also unverändert aussehen. Diese treten insbesondere bei jüngeren Patienten auf und gehen mit einer verhältnismäßig guten Prognose einher. Davon zu unterscheiden sind AML-Formen, die insbesondere bei älteren Patienten auftreten und deren Chromosomen erhebliche strukturelle und zahlenmäßige Abweichungen aufweisen. Diese Erkrankungen haben eine sehr schlechte Prognose. Zu verstehen, wie diese Chromosomenveränderungen entstehen und wodurch sie hervorgerufen werden, ist ein Teil unseres Forschungsgebiets. Auf der anderen Seite sind wir derzeit dabei, ein neues zielgerichtetes Medikament gegen eine Mutation, die sowohl bei akuten myeloischen Leukämien als auch bei verschiedenen soliden Tumoren auftritt zu entwickeln. Dieses Enzym heißt Isocitrat-Dehydrogenase. Hier versuchen wir gemeinsam mit der Firma Bayer und dem Kollegen Andreas von Deimling aus der Neuropathologie ein Medikament zu entwickeln, das zielgerichtet dieses veränderte, mutierte Protein trifft und damit die Tumorformen mit dieser Mutation behandelbar macht.

Könnte es sein, dass man eines Tages zu einer Therapie kommt, die zunächst die Krebszellen genau analysiert und dann einen Cocktail zusammenstellt von zielgerichteten Medikamenten, der wesentlich besser verträglich wäre als die Chemotherapie?

Krämer: Bei der chronischen myeloischen Leukämie geht das ja schon. Und es gibt eine relativ seltene Unterform der akuten myeloischen Leukämie, bei der es mittlerweile ebenfalls möglich ist, die Erkrankung ohne Chemotherapie durch eine Kombination von zwei zielgerichteten Substanzen zu heilen. Die Behandlung ist prinzipiell im wesentlichen ambulant durchführbar und in der Lage, die weit überwiegende Mehrzahl der Patienten, 95 Prozent, von der Erkrankung zu heilen. Die Hoffnung ist natürlich, dass sich das auf andere Formen von Leukämien und Lymphomen übertragen lässt.

Wird das nicht sehr teuer?

Krämer: Ja, das wird sehr teuer. Die Therapiekosten mit diesen neu entwickelten Medikamenten sind immens. Deswegen ist es eben so wichtig, dass man zunächst einmal in großen und gut kontrollierten klinischen Studien die Wertigkeit jeder einzelnen dieser neuen Substanzen überprüft.

Wenn man die verschiedenen Blutkrebsarten insgesamt vergleicht mit den soliden Tumorarten, sieht es doch eher positiv aus?

Krämer: Das ist sicher richtig. Natürlich gibt es sehr viele unterschiedliche Formen von Blutkrebs. Selbst bei den einzelnen Erkrankungsarten gibt es noch einmal viele Unterformen, die bezüglich ihrer Prognose und Behandelbarkeit alle sehr unterschiedlich sind. Aber zusammenfassend kann man sicher sagen, dass Blutkrebserkrankungen eine deutlich bessere Prognose haben als die meisten metastasierten soliden Tumoren. Das trifft insbesondere für die kindlichen Blutkrebsformen, aber auch für zahlreiche Blutkrebsformen des Erwachsenen zu.

Herr Professor Krämer: Vielen Dank für das Gespräch.

Zahlen zu Blutkrebs:
Insgesamt erkranken pro Jahr ca. 500.000 Erwachsene in Deutschland an Krebs. Davon erkranken jedes Jahr 38.200 Erwachsene an „Blutkrebs“.

Leukämien (6.800 Männer, 5.300 Frauen)
Morbus Hodgkin (1.300 Männer, 900 Frauen)
Non-Hodgkin-Lymphom (9.400 Männer, 7.900 Frauen)
Multiples Myelom (3.600 Männer, 3.000 Frauen)

Quelle: Krebs in Deutschland, 2013, Robert Koch Institut.

Insgesamt erkranken pro Jahr ca. 2.000 Kinder in Deutschland an Krebs. Davon erkranken jedes Jahr etwa 880 an „Blutkrebs“, rund 600 an Leukämien und 280 an Lymphomen.

Quelle: Deutsches Kinderkrebsregister. www.kinderkrebsregister.de

Weitere Informationen zum Thema Leukämien und Lymphome bietet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums auf seinen Internetseiten www.krebsinformationsdienst.de, per Email an krebsinformationsdienst@dkfz.de
oder per Telefon kostenlos unter 0800 4203040.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter www.dkfz.de/pressemitteilungen

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Internationale Studie belegt Wirksamkeit

Wissenschaftler des Ulmer Universitätsklinikums unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Stilgenbauer (Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin III) haben in einer internationalen Studie die Wirksamkeit eines neuen Medikaments bei einer besonders aggressiven Form der Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL) nachgewiesen. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat für das Medikament aufgrund dieser Studie die Erstzulassung erteilt. Eine solche Erstzulassung in den USA durch eine in Deutschland geführte Studie ist selten. Die Studienergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift Lancet Oncology erschienen und stellen einen Durchbruch in der Behandlung dar.

In Leukämiezellen (hier lila) wird durch das neue Medikament der Signalweg zum natürlichen Absterben wieder freigemacht.  Foto: Universitätsklinikum Ulm
In Leukämiezellen (hier lila) wird durch das neue Medikament der Signalweg zum natürlichen Absterben wieder freigemacht.
Foto: Universitätsklinikum Ulm

Das Medikament sorgt dafür, dass die Krebszellen sich nicht mehr mit Hilfe eines bestimmten Eiweißstoffs (B-Zell-Lymphom-2-Protein, BCL-2) vor dem natürlichen Absterben schützen können. Der Signalweg für das natürliche Absterben der Krebszellen wird durch Venetoclax, so der Name des Medikaments, wieder frei. Die Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III ist als zentrales Referenzlabor der Deutschen CLL-Studiengruppe weltweit ein Zentrum für die Erforschung der Chronischen Lymphatischen Leukämie und hat große Erfahrung in der Entwicklung und Durchführung internationaler Studien zur Erforschung der Wirkungsweise neuer Krebsmedikamente.

„80 Prozent der 106 bereits durch eine andere Krebstherapie behandelten Patienten mit der besonders aggressiven Form der CLL, der 17p-Deletion, sprachen auf das Medikament an. Bei fast allen verbesserten sich die Blutwerte durch die Therapie deutlich. Die Patienten hatten Nebenwirkungen, die aber geringer ausfielen als bei herkömmlicher Chemotherapie und zum Teil durch den schnellen Abbau der Krebszellen verursacht wurden“, erläutert der Erstautor der Studie, Prof. Dr. Stephan Stilgenbauer. Eine Erstzulassung durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) ist für neue Medikamente eine wegweisende Entscheidung, für Europa ist die Zulassung ebenfalls beantragt. Venetoclax ist ein oraler Inhibitor des B-Zell-Lymphom-2-Proteins, der von der Firma AbbVie entwickelt wurde.

„Das Besondere an dem neuen Medikament ist, dass es in zentrale Vorgänge eingreift, die bei sehr vielen Krebsarten vorkommen. Es gibt daher gute Chancen, dass die jetzt gezeigte Wirksamkeit bei der CLL auch für andere Krebsarten genutzt werden kann. Es laufen bereits Studien für andere Leukämieformen und für Brustkrebs“, betont Prof. Dr. Hartmut Döhner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin III. Prof. Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor des Ulmer Universitätsklinikums, ergänzt: „Die Erforschung von Krebserkrankungen, von den Grundlagen ihrer Entstehung bis zur Wirksamkeit neuer Therapien, ist eine wichtige Aufgabe der deutschen Universitätskliniken. Vor 60 Jahren gab es bei Leukämie keine Aussicht auf Heilung, heute hat ein erheblicher Teil der Leukämiepatienten Aussicht, geheilt zu werden. An diesem medizinischen Fortschritt für die Menschen arbeitet das Ulmer Universitätsklinikum mit.“

Titel der Originalpublikation: Stephan Stilgenbauer et. al.: Venetoclax in relapsed or refractory chronic lymphocytic leukaemia with 17p deletion: a multicentre, open-label, phase 2 study.

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Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-ulm.de/innere3 - Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III
http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(16)30019-5/fullte... - Originalpublikation Lancet Oncology
http://www.dcllsg.de/ - Deutsche CLL Studiengruppe

Pressemitteilung
Universitätsklinikum Ulm, Petra Schultze, 19.05.2016


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Kein Anlass für Entwarnung

Darmstadt, den 19. Mai 2016 – „Gutes Wetter!“ für den Sommer, für den Urlaub, für Freizeitaktivitäten im Freien. Mit diesem Wunsch verbinden viele für die bevorstehenden Sommermonate vor allem Sonnenschein. Die Sonne gilt als Garant für Wohlbefinden. Tatsächlich hat Sonne durchaus positive Auswirkungen auf den Körper.

Angesichts der weiterhin hohen Erkrankungsraten beim Hautkrebs empfiehlt die Hautärztin Prof. Dr. med. Christiane Bayerl gezielte Sonnenschutzmaßnahmen. Verbraucher sollten die Beratungsaktionen rund um den Tag des Sonnenschutzes, die u. a. von Gesundheitsämtern, Sportvereinen und Apotheken angeboten werden, nutzen.

www.tag-des-sonnenschutzes.de

Logo: Tag des Sonnenschutzes - Quelle: Haut.de
Logo: Tag des Sonnenschutzes - Quelle: Haut.de

„Ultraviolette Strahlen des Sonnenlichts aktivieren die Atmung, regen Durchblutung, Stoffwechsel und Drüsentätigkeit an und stimulieren die Abwehrkräfte des Körpers gegen Infektionen. Blutdruck und Cholesterinspiegel werden gesenkt. Mit Hilfe der UV-B-Strahlung des Sonnenlichts wird Vitamin-D gebildet“, so Frau Prof. Christiane Bayerl.

Die Hautärztin stellt im Interview mit haut.de klar, dass es beim Sonnenvergnügen nach wie vor gilt, „das richtige Maß zu finden, damit die positiven Wirkungen nicht durch negative, wie Hautschädigungen oder Hautkrebserkrankungen, überschattet werden.“

Vor dem Hintergrund der Erkrankungsraten zu Hautkrebs gibt die Expertin keine Entwarnung. Es bestehe immer noch erhöhter Handlungsbedarf in der Aufklärung und Information über die Gefahren der UV-Strahlen der Sonne, insbesondere im Bereich der Freizeitaktivitäten und Urlaubspräferenzen. „Hautkrebs ist nach wie vor die häufigste onkologische Erkrankung.

Jährlich erkranken in Deutschland am Schwarzen Hautkrebs ca. 30.000 Personen. Die epidemiologischen Daten für die weißen Hautkrebsformen liegen für das Basaliom (Basalzellkarzinom) bei 150.000 und das Plattenepithelkarzinom bei 80.000 Erkrankten.“

„Möglichst viel Sonnenschutz auftragen!“, diesen Merksatz sollten Verbraucher unbedingt beherzigen, so Bayerl. „Beim Cremen werden oft bestimmte Hautstellen wie die Ohren, der Nacken, der Haaransatz, 2 die Handrücken und am Strand die Fußrücken und Fußknöchelregion vergessen. Dieses Vergessen wird dann häufig mit Sonnenbrand und den hautschädigenden Folgen bestraft.“

Zum wirksamen Schutz vor schädlichen Folgen von „Zuviel UV-Strahlung“ gehören neben Sonnenschutzcremes auch eine angemessene Kleidung einschließlich Kopfbedeckung sowie das Meiden der Sonne in der Mittagszeit.

Die Initiative „Sonnenschutz? - Sonnenklar!“ stellt auch in diesem Jahr wieder kostenfrei Informationsmaterial zur Verfügung und koordiniert die bundesweit stattfindenden Beratungsaktionen, an denen sich u. a. Apotheken, Sportvereine und Gesundheitsämter aktiv beteiligen.

http://www.sonnenschutz-sonnenklar.info
Tipps zum notwendigen Lichtschutzfaktor bieten Smartphone-Apps:

LSF Tipp für iPhone
https://itunes.apple.com/de/app/lsf-tipp/id619767884

LSF Tipp für Android
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.healthmedia.lsftipp

 


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Bakterien der Art Staphylococcus aureus sind in der Regel gefürchtete Krankheitserreger. Bisweilen finden sich allerdings im Blut von Patienten abgeschwächte Varianten. Forscher der Universität Würzburg haben jetzt eine dafür verantwortliche Mutation identifiziert.

Staphylococcus aureus von: en.wikipedia.org
Staphylococcus aureus von:
en.wikipedia.org

Das Bakterium Staphylococcus aureus besiedelt beim Menschen bevorzugt die Haut und die Nasenschleimhaut und macht sich dort normalerweise nicht bemerkbar. Gelingt es ihm aber, ins Körperinnere einzudringen, drohen den Betroffenen lebensgefährliche Konsequenzen in Form von Abszessen, einer Blutvergiftung, einer Lungenentzündung oder einer Entzündung der Herzinnenwand. Wie es der Erreger schafft, sein gefährliches Werk zu verrichten, ist trotz intensiver Forschung noch immer weitgehend unverstanden. Jetzt ist es Wissenschaftlern der Universitäten Oxford und Würzburg gelungen, ein Phänomen zu erklären, dass die Wissenschaft ebenfalls vor Rätsel gestellt hat. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PNAS stellen sie ihre Ergebnisse vor.

Enge Verwandte mit deutlichen Unterschieden

„Neueste Studien haben gezeigt, dass sich in manchen Fällen Staphylococcus-Bakterienstämme im Blut von Patienten deutlich von denen unterscheiden, die sich in deren Nase nachweisen lassen“, erklärt Professor Thomas Rudel, Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie an der Universität Würzburg und gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Dr. Martin Fraunholz einer der Hauptautoren der Studie. „Das ist ein überraschender Befund, weil beide Bakterientypen genetisch eng miteinander verwandt sind“, so Rudel.

Die wichtigsten Unterschiede: Die Fähigkeit dieser Bakterien im Blut, menschliche Immunzellen zu zerstören, ist deutlich schwächer – verglichen mit ihren Verwandten aus der Nasenschleimhaut. Gleichzeitig geht diese Veränderung mit dem Befund einher, dass solche Bakterien vermehrt in den Blutkreislauf einschwemmen, deutlich länger überleben und damit eine sogenannte Bakteriämie verursachen.

Mutation in einem Gen sorgt für die Unterschiede

Bei der Suche nach den Verantwortlichen für diesen Verlust an gefährlichen Eigenschaften wurden die Forscher bei einem bestimmten Gen fündig – sein wissenschaftlicher Name: rsp. Dieses Gen kodiert einen Transkriptionsfaktor, also ein Protein, das eine zentrale Rolle übernimmt, wenn Gene abgelesen und Proteine gebildet werden. „Ist das Gen mutiert, verändern sich die Eigenschaften der Bakterienpopulation der Nase: Ihre Toxizität nimmt drastisch ab. Das hat zur Folge, dass Bakterien, in denen rsp mutiert ist, zwar effizient von Fresszellen des menschlichen Immunsystems aufgenommen werden, diese jedoch erst mit einer gewissen Verzögerung zerstören“, so Rudel. Da diese Immunzellen mobil sind, können sie als „Trojanische Pferde“ die Bakterien im Menschen verbreiten, oft mit fatalen Folgen.

Bei Staphylococcus-Stämmen der Haut fanden die Wissenschaftler übrigens keine vergleichbaren Veränderungen. Das lässt ihrer Meinung nach den Schluss zu, dass die neuen Eigenschaften nur bei einer Infektion der Blutbahn von Vorteil sind, nicht aber bei einem Befall der Haut oder anderer weicher Gewebe.

„Unsere Befunde sprechen dafür, dass spontane Mutationen dafürverantwortlich sind, wenn das Regulationssystem, basierend auf dem rsp- Transkriptionsfaktor, seine Funktion verliert”, fasst Thomas Rudel die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie zusammen. In der Folge davon sinkt die Sterblichkeit zu Beginn einer Infektion, und die veränderten Bakterien können tief in Gewebe eindringen und dort schwere Krankheiten verursachen. Für die Wissenschaftler ist diese Entdeckung aus einem Grund besonders spannend: Sie zeigt, dass nur geringe Änderungen in der Erbsubstanz der Bakterien das Krankheitsbild und der Krankheitsverlauf drastisch verändern. Diese sogenannten Mutationen in den Bakterien können sogar während der Besiedlung des Menschen entstehen.

Stichwort „Staphylococcus aureus“

Staphylococcus aureus lässt sich mit „goldenes Traubenkügelchen“ übersetzen. Der Name rührt daher, dass sich die Zellen gerne zu traubenförmigen Haufen zusammenschließen und in der Masse goldgelb escheinen. Nach aktuellen Untersuchungen tragen etwa 25 bis 30 Prozent aller Menschen den Keim mit sich. In der Regel bereitet er ihnen keine Probleme. Erst wenn ihr Immunsystem geschwächt ist, breitet sich der Krankheitserreger aus.

In den Medien hat eine spezielle Variante dieser Bakterien in den vergangenen Jahren zweifelhaften Ruhm erlangt: Der Typ „Methicillin resistenter Staphylococcus aureus“ – kurz: MRSA – breitet sich immer stärker in Krankenhäusern und Altenheimen aus. Was ihn so tückisch macht: Er ist gegen die meisten Antibiotika resistent – selbst gegen die stärksten Mittel, die erst dann zum Einsatz kommen, wenn gängige Therapeutika durchgängig versagt haben.

Natural mutations in a Staphylococcus aureus virulence regulator attenuate cytotoxicity but permit bacteremia and abscess formation. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1520255113

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Rudel, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T: (0931) 31-84401,
E-Mail: Thomas.Rudel@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Dr. Martin Fraunholz, T: (0931) 31-83242, martin.fraunholz@uni-
wuerzburg.de

Pressemitteilung
Julius-Maximilians-UniversitätWürzburg, Gunnar Bartsch, 16.05.2016


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Internationale Studie mit Beteiligung des LungenTumorZentrums Universität Göttingen erprobt neue Immuntherapie zur Behandlung von metastasiertem Lungenkrebs. Publikation in renommierter Fachzeitschrift „The Lancet“.

Die Abbildung zeigt schematisch den Antikörper Atezolizumab, der den PD-Liganden (PD-L1) blockiert. So werden bestimmte Immunzellen (zytotoxische Lymphozyten) wieder aktiviert, den Tumor anzugreifen.  Schema: privat
Die Abbildung zeigt schematisch den Antikörper Atezolizumab, der den PD-Liganden (PD-L1) blockiert. So werden bestimmte Immunzellen (zytotoxische Lymphozyten) wieder aktiviert, den Tumor anzugreifen.
Schema: privat

(umg) Krebszellen können das Immunsystem gezielt in die Irre führen. Normalerweise attackiert das Immunsystem neu entstandene bösartige Zellen und verhindert so, dass Menschen an Krebs erkranken. Wenn es den Krebszellen gelingt, bestimmte Signale (PD-L1) zu zeigen, wird das Immunsystem inaktiviert und der Krebs kann ungehindert wachsen. In den letzten Jahren wurden Therapieansätze entwickelt, die das Immunsystem reaktivieren können, so dass der eigene Körper den Krebs wieder angreift. In einer internationalen klinischen Studie haben Forscher jetzt einen neuen Antikörper geprüft. Im Gegensatz zu einem bereits für die Behandlung von Lungenkrebs zugelassenen Antikörper, der den gleichen Signalweg auf der Oberfläche der beteiligten Immunzellen (PD-1) blockiert, wurde jetzt erstmals ein Antikörper getestet, der direkt das Tumorsignal (PD-L1) abschirmt.

Seniorautor der Studie ist Dr. Achim Rittmeyer, Oberarzt an der Lungenfachklinik Immenhausen und Mitglied des LungenTumorZentrums Universität Göttingen. Dr. Rittmeyer ist zuständig für die Thorakale Onkologie. Die Ergebnisse wurden Ende April 2016 in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht:

Originalveröffentlichung: Louis Fehrenbacher, Alexander Spira, Marcus Ballinger, Marcin Kowanetz, Johan Vansteenkiste, Julien Mazieres, Keunchil Park, David Smith, Angel Artal-Cortes, Conrad Lewanski, Fadi Braiteh, Daniel Waterkamp, Pei He, Wei Zou, Daniel S Chen, Jing Yi, Alan Sandler, Achim Rittmeyer
Atezolizumab versus docetaxel for patients with previously treated non-small-cell lung cancer (POPLAR): a multicentre, open-label, phase 2 randomised controlled trial. The Lancet Volume 387, No. 10030, p1837–1846, 30 April 2016

DIE STUDIE

An der Studie nahmen 61 Zentren aus 13 Ländern in Europa und Nordamerika teil. Insgesamt wurden 297 Patienten mit metastasiertem Lungenkrebs, die mindestens eine Chemotherapie erhalten hatten, behandelt. Die Hälfte der Patienten erhielt den getesteten Antikörper Atezolizumab, die andere Hälfte die Standard-Chemotherapie. Patienten, die den neuen Antikörper erhielten, lebten messbar länger als Patienten, die mit der Standard-Chemotherapie behandelt wurden. Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, konnte um 24 Prozent gesenkt werden. Bei 68 Prozent der Patienten ließ sich auf mindestens ein Prozent der Tumorzellen das PD-L1-Signal nachweisen. Dies führte sogar zu einem um 41 Prozent reduzierten Risiko, an Lungenkrebs zu sterben.

Atezolizumab wurde dabei deutlich besser vertragen als die Standardchemotherapie: Schwere Nebenwirkungen zeigten sich bei 11 Prozent. Unter der Standard-Chemotherapie traten bei 38 Prozent der Patienten schwere Nebenwirkungen auf. „Die Studie zeigt, dass Atezolizumab eine sehr gute Behandlungsmöglichkeit für Lungenkrebspatienten darstellt. Eine weitere größere Studie mit dem Antikörper ist mittlerweile abgeschlossen. Auch an dieser Studie hat das Lungentumorzentrum Universität Göttingen über die Lungenfachklinik Immenhausen maßgeblich teilgenommen. Wir behandeln in weiteren Studien Patienten in verschiedenen Stadien der Erkrankung mit Immuntherapie", sagt Dr. Achim Rittmeyer.

LUNGENKREBS

An Lungenkrebs erkranken jedes Jahr ca. 50.000 Menschen in Deutschland und weltweit knapp 2 Millionen. Darüber hinaus ist Lungenkrebs mit großem Abstand die tödlichste Krebserkrankung: So sterben in Deutschland pro Jahr zirka 44.000 Menschen an Lungenkrebs und damit mehr als an Darm- und Brustkrebs zusammen (35.000 Menschen). Weltweit sterben jährlich rund 1,6 Millionen Menschen an Lungenkrebs. In frühen Stadien kann Lungenkrebs gelegentlich operativ komplett entfernt werden. Wenn Metastasen vorhanden sind, hilft nur noch eine medikamentöse Therapie, wie z.B. eine Chemotherapie.

LUNGENTUMORZENTRUM UNIVERSITÄT GÖTTINGEN

Das Lungentumorzentrum Universität Göttingen (LTZ – Standorte Universitätsmedizin Göttingen und Lungenfachklinik Immenhausen) wurde 2009 gegründet und 2014 durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert. Das LTZ Göttingen ist das einzige zertifizierte Lungenkrebszentrum in Südniedersachsen und Nordhessen. Die Versorgung von Patienten mit Lungenkrebs ist in den vergangenen Jahren effektiver, aber auch komplizierter geworden, und kann zuverlässig nur in besonders spezialisierten Zentren geleistet werden. Die DKG fördert diese Entwicklung durch Zertifizierung von so genannten Organtumorzentren, die sich auf die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen eines Organs (z.B. Lunge) spezialisiert haben. Zertifiziert werden Zentren, die zum einen eine große Zahl an betroffenen Patienten behandeln, da große Patientenzahlen zu mehr Routine und Sicherheit in der Behandlung führen. Zum anderen werden von der DKG auch strenge Anforderungen an die apparative Ausstattung und die Versorgungsqualität gestellt, die durch regelmäßige Inspektionen überprüft wird.

WEITERE INFORMATIONEN
LungenTumorZentrum Universität Göttingen
LKI Lungenfachklinik Immenhausen
Pneumologische Lehrklinik der Universitätsmedizin Göttingen
Ärztlicher Leiter: Prof. Dr. Stefan Andreas
Leiter Bereich Thorakale Onkologie: Dr. Achim Rittmeyer
Telefon 05673 / 501317
onkologie@lungenfachklinik-immenhausen.de

Pressemitteilung
Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität, Stefan Weller,
13.05.2016


Krebszeitung

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